Schlappe 416 Millionen Euro Steuergeld: Die Geheimbaustelle des Boris Pistorius

Symbolbild: KI

Der Wettbewerb ist entschieden, die Pläne sind streng geheim: Am Landwehrkanal, direkt am historischen Bendlerblock, lässt Verteidigungsminister Boris Pistorius (66, SPD) seinen Berliner Dienstsitz massiv erweitern. Kostenpunkt: mindestens 416 Millionen Euro. Der Neubau nach dem Entwurf des Architekturbüros Sauerbruch Hutton soll dem Ministerium deutlich mehr Platz verschaffen – und wird am Ende größer als das Reichstagsgebäude.

Der Bendlerblock (Stauffenbergstraße / Reichpietschufer) in Berlin-Tiergarten ist seit 1993 der zweite Dienstsitz des Bundesverteidigungsministeriums. Rund 1.600 Mitarbeiter arbeiten hier. Der erste Sitz liegt weiterhin in Bonn auf der Hardthöhe (1400 Mitarbeiter).

Geplant sind etwa 35.000 Quadratmeter zusätzliche Nutzfläche. Darin enthalten sind neue Büros, eine große Kantine und Tiefgaragen. Damit wird der gesamte Komplex größer als das Reichstagsgebäude, dessen bebaute Fläche bei rund 13.300 Quadratmetern liegt. Gleichzeitig soll das Areal städtebaulich neu geordnet werden: Zwischen Staatsgästetreppe und dem Ehrenmal für gefallene Bundeswehrsoldaten entsteht ein neu gestalteter Paradeplatz.

Das Projekt trägt von Beginn an den Stempel „Verschlusssache“. Die Bedingungen waren entsprechend hart. Nur Architekturbüros mit Sitz in Deutschland durften am Wettbewerb teilnehmen. Die Planungsunterlagen dürfen während der gesamten Bauphase nicht ins Ausland. Mitarbeiter mit doppelter Staatsangehörigkeit aus aktuell 26 als sicherheitskritisch eingestuften Staaten – darunter Afghanistan, China und Vietnam – sind ausgeschlossen. Ähnlich strenge Regeln gelten beim laufenden Ausbau des Kanzleramts.

Das Preisgericht hatte sich Ende 2025 auf zwei gleichwertige erste Preise geeinigt. Am Ende setzte sich der Entwurf von Sauerbruch Hutton in Zusammenarbeit mit den Landschaftsarchitekten von ST raum a durch. Die Kostenvorgabe lag bereits damals bei rund 416 Millionen Euro.

Der Bendlerblock ist kein gewöhnliches Verwaltungsgebäude. Er war während des Zweiten Weltkriegs ein zentraler Sitz des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW). Hier planten Offiziere um Claus Schenk Graf von Stauffenberg den Sturz Adolf Hitlers vom 20. Juli 1944. Nach dem Scheitern des Attentats wurden Stauffenberg und seine Mitverschwörer noch in der Nacht im Innenhof erschossen. Heute erinnert die Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Bendlerblock an diese Ereignisse. Der Gebäudekomplex ist damit einer der historisch bedeutendsten Orte der deutschen Militärgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Während viele Bürger mit steigenden Mieten, Energiepreisen, Krankenversicherungsbeiträgen und Lebensmittelkosten kämpfen, gibt der Bund mal eben 416 Millionen Euro (wahrscheinlich eher mehr) für einen Erweiterungsbau des Verteidigungsministeriums, das ohnehin schon über zwei Dienstsitze verfügt (Berlin und Bonn), aus. Das ist nicht nur völlig abgehoben, es zeigt auch, welche Prioritäten der Staat setzt: Von den Bürgern wird immer mehr (höhere Abgaben, mehr Eigenverantwortung, Verzicht) verlangt, bei sich selbst bleibt man dagegen großzügig.

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