Ecuadors Ausfuhren von verarbeitetem Balsaholz sind 2025 um 38 Prozent auf mehr als 301 Millionen Dollar gestiegen. Der wichtigste Abnehmer ist China, wo das Holz vor allem in den riesigen Rotorblättern neuer Windkraftanlagen landet. Gleichzeitig dokumentieren Umweltfahnder illegale Schlägerungen, Schmuggel und den Raubbau in geschützten Gebieten des Amazonas.
Ecuadors Holzindustrie feiert ein Rekordjahr. Die Ausfuhren von Balsaprodukten stiegen von 218 Millionen Dollar im Jahr 2024 auf 301,3 Millionen Dollar im vergangenen Jahr, so ein Bericht von Forbes. Damit erwirtschaftete Balsa rund 40 Prozent der gesamten Exporterlöse der ecuadorianischen Holzbranche. Allein 72,5 Prozent der Ware gingen nach China, weitere größere Abnehmer waren die Vereinigten Staaten und Spanien. Hinter den Jubelmeldungen über Wachstum, Wertschöpfung und „saubere Energie“ steht jedoch eine Lieferkette, deren Herkunft die Windkraftkonzerne offenbar nur so lange interessiert, wie das Holz leicht, stabil und billig genug ist.
Plantagen können den Bedarf nicht decken
Balsa ist für den Bau großer Rotorblätter begehrt, weil es bei geringem Gewicht eine hohe Festigkeit besitzt. Das Holz wird als Kernmaterial zwischen Schichten aus Glas- oder Kohlefasern und Kunstharz verarbeitet; alternativ kommen Polymer-Schäume zum Einsatz. Ecuador liefert nach Angaben der Environmental Investigation Agency mehr als 90 Prozent der weltweiten Balsaproduktion, ein Großteil davon wird von der Windkraftindustrie aufgenommen. Noch bis zum Ende der 2010er-Jahre stammte das Material überwiegend aus Plantagen in der ecuadorianischen Küstenebene. Doch Balsabäume benötigen je nach gewünschter Dichte fünf bis sieben Jahre, bis sie für Rotorblätter brauchbar sind – die politisch angeheizte Nachfrage wuchs deutlich schneller als das Angebot der Plantagen.
Over the past fifty years, the world has lost an area of Amazon Rainforest roughly the size of India.
— Peter Clack (@PeterDClack) July 8, 2026
That's equivalent to Uruguay every 5–7 years since 1970. Much of it is now baked laterite clay, as hard as concrete — and nothing can grow there now. Around 1.3–1.5 million km²,… pic.twitter.com/yMldrk2NjR
Der erste große Einbruch kam 2019 und 2020, als China seine Windkraftkapazitäten im Eiltempo ausbaute. Die älteren, dichteren Bäume auf den Plantagen waren rasch abgeerntet. Nach den Recherchen der EIA griffen daraufhin die meisten, möglicherweise sogar sämtliche großen Produzenten und Exporteure auf Naturwälder zurück, weil dort die benötigten reifen Bäume sofort verfügbar waren. Ein untersuchter Exporteur bezifferte das Verhältnis zwischen Plantagenholz und wild geschlagenem Balsa gegenüber den Ermittlern mit etwa fünfzig zu fünfzig. Branchenweit soll der Anteil aus Naturwäldern je nach Unternehmen zwischen zehn und 70 Prozent schwanken.
Der Urwald wird zum Rohstofflager
Die EIA untersuchte über mehrere Jahre die Lieferketten der 13 größten ecuadorianischen Balsaexporteure, die zusammen mehr als die Hälfte des Handels abdecken. Ihre Ermittler dokumentierten Abholzungen in einigen der letzten zusammenhängenden Waldgebiete des Landes, darunter geschützte Flächen und indigene Territorien. Betroffen sind die Amazonasprovinzen Sucumbíos, Napo, Orellana, Pastaza und Morona Santiago. Händler berichteten den Ermittlern von Schlägerungstrupps im Yasuní-Nationalpark, der zum 2,7 Millionen Hektar großen UNESCO-Biosphärenreservat gehört. Das Holz wurde anschließend mit Plantagenware vermischt, verarbeitet und ohne erkennbare Trennung auf den Weltmarkt gebracht.
The rape of the Amazon rainforest to feed an exploding global demand for wind turbine balsa wood cores could be getting worse, warns the Daily Sceptic's Environment Editor.https://t.co/PYY0eSIoJa
— Toby Young (@toadmeister) August 4, 2026
Auch die Grenze zu Peru schützt den Regenwald nicht. Sobald ältere Balsabäume in Ecuador knapper wurden, wichen Schlägerungstrupps nach Angaben der Ermittler auf peruanische Wälder aus. Die Stämme wurden über Flüsse und abgelegene Grenzgebiete nach Ecuador geschmuggelt und dort mit gefälschten oder irreführenden Herkunftsangaben als ecuadorianische Ware exportiert. Peruanische Ermittler beschlagnahmten bereits illegales Holz und nahmen 18 Mitglieder sogenannter Balsa-Clans fest, denen unter anderem falsche Herkunftserklärungen und die Bestechung von Beamten vorgeworfen wurden. Es ist ein altbekanntes Spiel: Der Rohstoff verschwindet aus dem Urwald, erhält auf dem Transportweg saubere Papiere und taucht später als Bauteil einer angeblich nachhaltigen Energieanlage wieder auf.
Hersteller wollen die Herkunft eigentlich gar nicht wissen
Nach Darstellung der EIA kontrollierten große Rotorblatthersteller wie TPI Composites und LM Wind Power die Herkunft des verwendeten Balsaholzes nur unzureichend. Solange Dichte und Qualität stimmten, habe der Ursprung für Teile der Branche kaum eine Rolle gespielt. Dadurch reichen die Risiken der illegalen Lieferketten bis zu GE Vernova in den Vereinigten Staaten sowie zu den chinesischen Herstellern Goldwind und Mingyang. Die genannten Unternehmen beziehungsweise Zulieferer bestritten gegenüber der EIA ein Fehlverhalten und erklärten, ihre Beschaffungssysteme seien zuverlässig. An der tatsächlichen Schwachstelle ändert das wenig: Plantagenholz und Naturwaldholz werden bereits am Beginn der Kette vermischt, wodurch man nicht mehr erkennen kann, welcher Baum legal angebaut und welcher aus einem Schutzgebiet geholt wurde.
Der Exportanstieg von 38 Prozent beweist für sich genommen nicht, dass die illegale Abholzung im selben Ausmaß zugenommen hat. Er trifft allerdings auf eine Branche, deren Abhängigkeit von Naturwaldholz bereits dokumentiert wurde und deren Plantagen auf kurzfristige Nachfragesprünge nicht reagieren können. Das Portal „The Daily Sceptic“ hat eine Größenordnung von rund einer halben Million illegal geschlagenen Balsabäumen pro Jahr als Hochrechnung aus Produktionsmengen, Materialbedarf und geschätzten Anteilen illegaler Ware kalkuliert. Das wären in etwa zwischen 1.300 und 1.400 Bäume – tagtäglich.
Die Windindustrie besitzt längst technische Alternativen zum Balsaholz. Hersteller verwenden zunehmend Polymer-Schäume (die übrigens ohne die Ölindustrie gar nicht existieren würden), gerade weil Balsa knapp wurde und seine Lieferketten mit illegaler Abholzung und Entwaldung belastet sind. Doch solange das Naturprodukt für bestimmte Konstruktionen die gewünschten Eigenschaften zu günstigen Preisen liefert, bleibt der Amazonas Teil der globalen Windkraftproduktion. Europas und Chinas Energiewende wird damit nicht nur aus Stahl, Beton, Kunststoffen und seltenen Metallen gebaut. In ihrem Inneren steckt auch Holz aus einem Regenwald, den die Klimafanatiker angeblich retten wollen.






