Nach dem jüngsten Massenansturm auf Ceuta wird in sozialen Netzwerken bereits der nächste Termin verbreitet. Für den 15. August rufen einschlägige Gruppen zu einem erneuten Vorstoß auf die spanische Exklave auf. Gleichzeitig verdichten sich Hinweise, dass sich unter den Zehntausenden illegalen Grenzstürmern der letzten Invasion auch bereits verurteilte Islamisten befanden.
Noch während spanische Soldaten und Polizisten die Folgen des ersten Grenzsturms beseitigen, läuft im Internet die Mobilisierung für die nächste Runde. Am 1. August wurde in einer Facebook-Gruppe mit rund 108.000 Mitgliedern zu einem erneuten Massenansturm auf Ceuta am 15. August aufgerufen. Die Ankündigung war nach Recherchen der in Alicante ansässigen Analysefirma Golden Owl auch Tage später noch abrufbar. Weitere Beiträge verweisen auf eine WhatsApp-Gruppe, der Interessenten über eine private Nachricht und das Kennwort „Ceuta“ beitreten sollen. Die Botschaft ist unmissverständlich: Der jüngste Massenansturm soll kein einmaliges Ereignis bleiben.
New migrant flow may be brewing at Ceuta
— benny 🇩🇰 🇫🇴 🇬🇱 🇪🇺 🇺🇦 (@benny0692698414) August 4, 2026
Plans may have been observed that a new wave of migrants will try to cross the border to the Spanish exclave of Ceuta on 15 August.
Spokeser Alejandro Ramírez of local rule in Ceuta said, according to La Repubblica, according to the… pic.twitter.com/8LgQC6bCdZ
Golden Owl hat nach eigenen Angaben mindestens 25 miteinander verbundene Facebook-Gruppen identifiziert, die an der Vorbereitung, Werbung und Koordination der ersten Aktion beteiligt gewesen sein sollen. Die Analysefirma spricht davon, dass dies keine spontane Massenbewegung sei, sondern vielmehr eine öffentlich beworbene und im Voraus organisierte Operation. Einen zentralen Anführer habe es offenbar nicht gegeben, dafür aber einen überschaubaren Kreis von Administratoren und Anwerbern. Einer der identifizierten Organisatoren soll aus Casablanca stammen und heute in Istanbul leben. Allein die engeren Gruppen des Netzwerks kamen zusammen auf 478.000 Mitgliedern – Mehrfachmitgliedschaften inklusive.
Dass die spanischen Behörden von dieser Entwicklung überrascht werden, wäre nicht zu entschuldigen. Innenminister Fernando Grande-Marlaska erklärte, dass die Geheimdienste vor dem jüngsten Massenansturm keinerlei Warnung geliefert hätten – obwohl dem offensichtlich nicht der Fall war. Nun liegen ein konkretes Datum, aktive Gruppen und nachvollziehbare Kommunikationswege offen im Netz. Golden Owl entdeckte zudem Beiträge, in denen mehrere Stadtteile im Norden Ceutas genannt und mit Rachebotschaften verbunden wurden. Ob daraus tatsächlich ein zweiter Grenzsturm entsteht, ist noch offen – die Vorbereitung darauf findet faktisch in der Öffentlichkeit statt.
72.000 Einreisen innerhalb weniger Tage
Das Ausmaß des ersten Zusammenbruchs wurde von Madrid inzwischen deutlich nach oben korrigiert. Grande-Marlaska erklärte am 4. August, insgesamt seien rund 72.000 Menschen nach Ceuta gelangt; etwa 70.000 hätten die Exklave inzwischen wieder verlassen. Frühere Behördenangaben waren noch von etwas mehr als 50.000 Einreisen ausgegangen. Damit drang innerhalb kürzester Zeit beinahe eine Menschenmenge in der Größenordnung der gesamten Stadtbevölkerung in das nur rund 85.000 Einwohner zählende Gebiet ein. Von einer funktionierenden EU-Außengrenze konnte in diesen Stunden keine Rede mehr sein.
Spanien:Geheimdienste informierten Reg Tage vorher:
— Mila (@Milatrud11) August 1, 2026
EXCLUSIVA
España: Informes de inteligencia alertaron al Gobierno Sánchez de una crisis en Ceuta los días previos al asalto
Pero el Gobierno no activase al Ejército en la frontera desde un primer momento https://t.co/d5piP88VfR pic.twitter.com/LZWjJkAMox
Mindestens 72 Menschen starben bei dem Ansturm. Einige ertranken beim Versuch, die Küste schwimmend zu erreichen, andere wurden an Wellenbrechern, Zäunen und Engstellen zu Tode gedrückt. Parks, Strände und Gehwege verwandelten sich in improvisierte Lager, während Polizei und Militär Zehntausende Menschen zurück an die marokkanische Grenze brachten. Die später gefeierte „effiziente Reaktion“ der Regierung bestand vor allem darin, einen Kontrollverlust mühsam wieder rückgängig zu machen, der überhaupt nicht hätte eintreten dürfen.
Verurteilte Islamisten unter den Invasoren?
Zusätzliche Brisanz erhält die Lage durch Berichte über bekannte Islamisten unter den illegal Eingereisten. Die britische „Sun“ meldet unter Berufung auf die spanische Zeitung „El Español“ und Polizeikreise, mindestens ein Dutzend bereits wegen terroristischer Straftaten verurteilter Personen sei während des Massenansturms nach Ceuta gelangt. Es soll sich um Männer handeln, die nach Festnahmen oder Haftstrafen aus Spanien nach Marokko abgeschoben worden waren und nun erneut die Grenze überschritten. Behördenvertreter hielten es dem Bericht zufolge für durchaus möglich, dass noch weitere Personen mit Verbindungen zum islamistischen Milieu entdeckt werden. Eine öffentlich vorgelegte Namensliste oder eine abschließende Bestätigung durch das spanische Innenministerium liegt bislang allerdings nicht vor.
Das Sicherheitsrisiko lässt sich trotzdem nicht wegdiskutieren. Wenn Zehntausende Menschen innerhalb weniger Stunden ohne verlässliche Identitätsprüfung in ein europäisches Hoheitsgebiet gelangen, verliert man zwangsläufig den Überblick darüber, wer die Grenze überschritten hat. Unter einer derart großen Menge können sich gesuchte Straftäter, Islamisten, Schleuser und Personen mit falschen Identitäten nahezu unbemerkt bewegen. Die politische Darstellung des Vorfalls als bloße humanitäre Krise erweist sich als unzureichend.
10) Ceuta crisis
— Mila (@Milatrud11) August 4, 2026
"Golden Owl identified twenty-five(25) Facebook assets connected to the campaign. ()Five are direct recruitment venues, six are coordination or marketplace venues, four are local community groups colonised by the traffic, four are large aggregators,()" pic.twitter.com/hJRsFM31Mv
Sánchez sucht die Schuld bei anderen
Ministerpräsident Pedro Sánchez macht Schleusernetzwerke und Falschmeldungen in sozialen Medien für den Ansturm verantwortlich. Hinzu kommt ein Urteil des spanischen Obersten Gerichts vom Juli: Migranten, die Ceuta schwimmend erreichen, dürfen demnach nicht unmittelbar zurückgeschoben werden, wenn keine physische Barriere die Seegrenze markiert. Erst nach dem Grenzzusammenbruch begann Madrid, vor der Küste eine rund 500 Meter lange schwimmende Sperre zu installieren. Marokko wiederum erklärte, Spanien hätte die absehbaren Folgen des Gerichtsurteils erkennen müssen. Beide Regierungen zeigen damit mit dem Finger aufeinander, während die Bevölkerung Ceutas die Folgen der politischen Versäumnisse trägt.
Das Urteil mag vielleicht den unmittelbaren Anlass geliefert haben, doch es zwang weder Zehntausende Menschen zum Grenzsturm noch verpflichtete es Spanien, seine Außengrenze praktisch ungesichert zu lassen. Entscheidend waren die politische Signalwirkung, die digitale Mobilisierung und die erkennbare Gewissheit, dass eine genügend große Menschenmasse staatliche Strukturen überfordern kann. Genau diese Erfahrung wird nun in den einschlägigen Gruppen weiterverbreitet. Dort sieht man keinen gescheiterten Versuch, sondern einen Beweis dafür, dass Europas Grenzen mit Masse, Geschwindigkeit und digitaler Koordination überwunden werden können.
Der 15. August könnte deshalb zum nächsten Test avancieren. Spanien kennt das Datum, die Plattformen und zumindest Teile des organisatorischen Netzwerks. Ein zweiter Kontrollverlust ließe sich nicht mehr mit fehlenden Warnungen erklären. Sollte Madrid erneut „überrascht“ (offensichtlich wurde die sozialistische Regierung bereits im Vorfeld vor der jüngsten Grenzstürmung gewarnt) werden, wäre es kein unvorhersehbares Ereignis mehr, sondern ein weiteres politisches Versagen der sozialistischen Führung.






