Dornbirn drückt Drag-Show ins Kinderprogramm

(C) Report24/KI

Dornbirns Stadtmarketing hält trotz Tausender Protestunterschriften an einem Drag-Programm für Kinder fest. Dafür werden zwei Drag-Darsteller aus der Wiener Nacht- und Clubszene kurzerhand als kindgerechte Vorlesepaten präsentiert. Dass deren gewöhnliches Bühnenumfeld mit „Strip Karaoke“, „CUNTin“, „Christmas Sluts“ und einer „Langen Nacht der Tutteln“ beworben wird, stört die Verantwortlichen offenbar nicht.

Vom heutigen 6. bis 8. August veranstaltet die Dornbirn Tourismus & Stadtmarketing GmbH im Kulturhauspark den „Sommer im Park“. Am Donnerstag und Freitag stehen ein Pub-Quiz, ein Mitmachzirkus, DJs und Konzerte auf dem Programm. Der Samstag wurde erstmals unter das Motto „Sommer im Park feiert bunt“ gestellt und soll ganz im Zeichen von „Pride“, „Vielfalt“ und „Sichtbarkeit“ stehen. Um 16 Uhr beginnt ausgerechnet im Familienprogramm eine Kinderstunde mit den Dragqueens Frau Bürgerschreck und Athene Atlas. Sie sollen Bücher vorlesen, Disney-Lieder singen und Kinder laut offizieller Ankündigung „spielerisch“ an die linkswoke „Vielfalt“ heranführen.

Damit ist die Sache eindeutig. Es geht nicht bloß um Märchenbücher und gemeinsames Singen, sondern um politische und gesellschaftliche Wertevermittlung. Die Stadt hat den „Pride“-Schwerpunkt gemeinsam mit den Vereinen GoWest und CSD Vorarlberg entwickelt und setzt die Drag-Künstler gezielt als „Botschafterinnen“ dieses Programms ein. Die Kinder sollen nicht einfach so zwei bunt gekleideten Bühnenfiguren begegnen. Sie sollen an die „queerpolitische Welt“ herangeführt werden – organisiert von einer stadteigenen Gesellschaft und eingebaut in ein kostenloses öffentliches Familienfest.

Tausende fordern die Absage

Ein Vater wandte sich deshalb schriftlich an die Veranstalter und verlangte die Streichung des Programmpunkts. Drag sei Unterhaltung für Erwachsene, argumentierte er. Eine stadteigene Marketinggesellschaft habe zudem nicht die Aufgabe, Kindern unangekündigt gesellschaftspolitische Werte zu vermitteln. Eine Petition gegen den Auftritt sammelte bis dato bereits mehr als 7.000 Unterschriften. Die Unterzeichner fordern die Absage oder wenigstens eine Altersbeschränkung ab 16 Jahren.

Die Verantwortlichen denken jedoch nicht daran, den Widerstand ernst zu nehmen. Stadtmarketing-Geschäftsführer Michael Rüdisser erklärte, Bücher, Lieder und sogar die Kleidung der Künstlerinnen seien vorab geprüft worden. Außerdem habe man „Tabuthemen“ festgelegt. Doch eben diese Verteidigung entlarvt den ganzen Unsinn: Für ein gewöhnliches Kinderprogramm muss keine Stadtmarketinggesellschaft vorab Kostüme kontrollieren und Tabuzonen mit den Auftretenden aushandeln – so etwas sollte ganz selbstverständlich sein.

Von „Strip Karaoke“ zur Kinderstunde

Ein Blick auf das reguläre Schaffen von Athene Atlas zeigt, aus welchem Milieu die Stadt ihre neue Kinderunterhaltung importiert. Auf der eigenen Internetseite bezeichnet sich Atlas als „Godmother of ALL Queers“ und wirbt mit dem von ihm veranstalteten Club Atlas, einem nächtlichen Drag-Format im Wiener Lokal Marea Alta. Die Veranstaltungen beginnen üblicherweise um 22 Uhr und dauern bis vier Uhr morgens. Frau beziehungsweise Fräulein Bürgerschreck gehörte dort wiederholt zur Besetzung.

Die Titel dieser Abende lassen wenig Raum für Missverständnisse. Im Juni fand unter Beteiligung beider Drag Queens die „Lange Nacht der Tutteln“ statt. Laut offizieller Ankündigung sollten acht Drag-Künstler ihre „Tutteln“ präsentieren – „von klein und zart bis groß und mächtig“, einschließlich einer Anleitung zum Abtasten der Brust. Frühere Club-Abende hießen beispielsweise „Die nackte Matrone“ und wurden von Atlas samt ihren „Christmas Sluts“ moderiert. Weitere Mitglieder der Ensembles treten unter Namen wie Sophie L’Erotik, Nicole Klitman, Vivi Vulva oder Eric BigCl!t auf.

Auch Atlas’ eigene Künstlerbiografie ist keine Bewerbung für ein Kinderprogramm. Dort finden sich Auftritte in der Produktion „CUNTin“, eine Auszeichnung als „beste Darstellerin“ bei „Strip Karaoke“ und die frühere Mitgliedschaft im Trash-Pop-Projekt „Jimmy und die Stricherjungs“. Atlas macht daraus kein Geheimnis und muss das auch nicht. Erwachsene können derartige Shows besuchen, sofern ihnen der Sinn danach steht. Vollkommen absurd wird es erst dann, wenn kommunale Funktionäre ausgerechnet solche Drag Queens als pädagogische Bereicherung für kleine Kinder verkaufen.

Dass für Dornbirn ein bereinigtes Sonderprogramm angekündigt wird, löst diesen Widerspruch nicht. Es bestätigt ihn. Die Stadt wählt keine gewöhnlichen Vorleser, Musiker oder Kinderanimateure aus, sondern engagiert bewusst zwei Drag-Persönlichkeiten aus einer zutiefst sexualisierten Clubszene. Anschließend entfernt man die offensichtlichsten Erwachsenenbestandteile, lässt Perücken, Rollenbild und politische Botschaft stehen und erklärt das Ergebnis zur harmlosen Kinderstunde.

Wer das nicht will, soll eben wegbleiben

Kulturstadtrat Valentin Sottopietra reagiert auf die Kritik mit der üblichen Ausflucht. Eltern und Großeltern könnten selbst entscheiden, ob sie die Veranstaltung besuchen. Damit schiebt er die Verantwortung jenen Familien zu, die gegen die ideologische Vereinnahmung des Kinderprogramms protestieren. Nicht die Stadt soll auf einen umstrittenen „Pride“-Programmpunkt verzichten. Die Eltern sollen mit ihren Kindern einem öffentlichen Sommerfest fernbleiben, wenn ihnen die politische Erziehung durch Drag-Künstler nicht passt.

Sottopietra ist als ÖVP-Stadtrat ausgerechnet für Familie, Kultur und Weiterbildung zuständig. Auch Stadtmarketing und Tourismus liegen beim ÖVP-Vizebürgermeister Alexander Juen. An der Spitze des Rathauses steht seit 2025 mit Markus Fäßler erstmals ein SPÖ-Bürgermeister, nachdem die Dornbirner genug von der jahrzehntelangen schwarzen Dominanz hatten. Der vermeintliche politische Wechsel hat ihnen nun eine rot-schwarze Stadtführung beschert, unter der der erste „Pride“-Schwerpunkt prompt bis ins öffentliche sommerliche Kinderprogramm getragen wird.

Die Verantwortlichen hätten den Drag-Auftritt problemlos in das Abendprogramm legen können. Sie entschieden sich bewusst für 16 Uhr, Kinderbücher, Disney-Lieder und eine Veranstaltung ohne Altersbeschränkung. Damit suchen sie nicht bloß die Duldung erwachsener Bürger. Sie wollen Zugang zu deren Kindern – und selbst tausende Protestunterschriften bringen sie nicht davon ab.

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