Steine, Stangen und andere Schlagwaffen gegen die Köpfe von Polizisten: Der Generalbundesanwalt erhebt schwere Vorwürfe gegen die „Brigade N’Hamedu Deutschland“. Führungskräfte der eritreischen Terrorvereinigung sollen Gewaltexzesse koordiniert und zum Einsatz potenziell tödlicher Gewalt aufgerufen haben. Jetzt wurden zwei mutmaßliche Führungskader festgenommen.
Am 15. September ließen Bundeskriminalamt und Bundespolizei den eritreischen Staatsangehörigen Merhawi A. nahe Saarbrücken und den deutschen Staatsangehörigen Shimangus T. in Stuttgart festnehmen. Die Bundesanwaltschaft verdächtigt beide dringend der Mitgliedschaft in einer inländischen terroristischen Vereinigung. Gegen Merhawi A. steht zusätzlich der Vorwurf des Landfriedensbruchs in zwei Fällen im Raum. Die Haftbefehle hatte der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs bereits am 17. August erlassen.
Die „Brigade N’Hamedu Deutschland“ wurde laut Bundesanwaltschaft im August 2022 gegründet. Die international vernetzte Gruppierung wollte die Regierung in Eritrea stürzen und griff dafür auch Veranstaltungen von Anhängern der eritreischen Regierung in Deutschland an. Gewalt gegen deutsche staatliche Institutionen und Vertreter der Staatsgewalt galt innerhalb der Vereinigung laut Ermittlern als legitimes Mittel. Dazu zählten ausdrücklich auch Polizisten, die solche Veranstaltungen schützen sollten.
Bei Veranstaltungen der regimetreuen eritreischen Diaspora am 20. August 2022 und 8. Juli 2023 in Gießen sowie am 16. September 2023 in Stuttgart eskalierte die Gewalt. Mitglieder der Brigade sollen Besucher und eingesetzte Polizeikräfte angegriffen haben. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft koordinierten Führungskräfte die Ausschreitungen und riefen zum Einsatz „potenziell tödlicher Gewalt“ auf. Die Angreifer richteten Wurf- und Schlaggegenstände gezielt gegen die Köpfe ihrer Opfer. Zahlreiche Polizisten und mehrere Veranstaltungsteilnehmer erlitten teils erhebliche Verletzungen.
Steine und Stangen gegen Polizisten
Allein bei den Ausschreitungen in Gießen im Juli 2023 wurden 26 Polizisten verletzt, sieben davon schwer. Zwei Monate später flogen in Stuttgart Steine und Flaschen, Angreifer gingen mit Metallstangen und Holzlatten auf Polizeibeamte los. Mehr als 200 Gegner der dortigen Eritrea-Veranstaltung hatten sich vor dem Veranstaltungsort versammelt. Am Ende waren 31 Einsatzkräfte verletzt. Der Konflikt aus Eritrea ist damit längst schon auf deutschen Straßen angekommen. Das Land am Horn von Afrika wird seit der Unabhängigkeit von Präsident Isaias Afwerki autoritär regiert. Parteien sind verboten, die Meinungs- und Pressefreiheit massiv eingeschränkt. Dazu kommen ein rigides Wehrdienst- und Zwangsarbeitssystem. In Deutschland trafen Gegner und Anhänger des Regimes aufeinander – und deutsche Polizisten gerieten mitten in die Gewalt.
Merhawi A. soll der Brigade seit August 2022 angehört und Anfang 2023 den Posten des Generalsekretärs übernommen haben. Shimangus T. trat laut Ermittlern im November 2022 bei und wurde wenig später erster Vorsitzender. Beide Männer sollen maßgeblich am Aufbau der deutschen Strukturen und an der Organisation gewaltsamer Aktionen beteiligt gewesen sein. Merhawi A. soll bei den Ausschreitungen in Gießen selbst vor Ort mitgemischt und in einem Fall eine Gruppe von Angreifern angeführt haben. Im März 2025 durchsuchten mehr als 200 Einsatzkräfte bereits 19 Objekte in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz. Auch in Dänemark wurde ein Objekt durchsucht. Damals richteten sich die Ermittlungen gegen 17 namentlich bekannte Beschuldigte, denen leitende Funktionen innerhalb des deutschen Ablegers der Brigade zugeschrieben wurden. Festnahmen gab es bei der Razzia noch keine.
Im Sommer 2024 verkündete die „Brigade N’Hamedu Deutschland“, künftig auf gewaltsame Ausschreitungen außerhalb Eritreas verzichten zu wollen. Da lagen die Angriffe von Gießen und Stuttgart bereits hinter ihr. Dutzende Polizisten waren verletzt worden, nachdem Führungskräfte der Gruppe laut Bundesanwaltschaft zum Einsatz potenziell tödlicher Gewalt aufgerufen hatten. Jetzt sitzen zwei mutmaßliche Spitzenfunktionäre unter Terrorverdacht. Der Kampf gegen die Regierung in Eritrea wurde mitten in Deutschland mit Steinen, Stangen und gezielten Schlägen gegen Köpfe ausgetragen. Deutsche Polizisten, die solche politischen Veranstaltungen von Ausländern schützen sollten, wurden selbst zum Angriffsziel.
