Große Ernüchterung auf dem Mittelmeer: Nicht nur die Türkei verwehrte dem mit rund 2.000 schwulen Männern besetzten Luxusliner Scarlet Lady das Anlaufen, nun zog auch Ägypten nach. Im islamisch geprägten Raum sind Homosexuelle eben nicht erwünscht – und schon gar keine schwimmende „Gay Cruise“ voller schwuler Männer. Statt Pyramiden und Bosporus heißt es für die gestrandeten Passagiere nun: Kurskorrektur zurück ins tolerantere Europa.
Dabei klang der Plan des US-Veranstalters Atlantis Events auf dem Papier so schön: Man chartert das Luxusschiff Scarlet Lady, packt die seidenen Bootcut-Hosen, den Glitzer-Sonnenschutz und jede Menge Party-Laune ein und schippert zu den Wiegen der antiken Hochkulturen. Doch die Veranstalter haben die Rechnung ohne die religiösen und ideologischen Realitäten vor Ort gemacht. Denn eigentlich hätte man wissen müssen, dass Moslem-Staaten keine 2.000 Schwulen medienwirksam anlanden lassen würden. Das ist nämlich Haram.
Zuerst der Dämpfer am Bosporus: Die türkischen Behörden strichen die geplanten Stopps in Istanbul und Kuşadası kurzerhand von der Liste. Die Begründung lautete, dass die Reisegruppe einfach nicht zu den „moralischen Werten der Gesellschaft“ passe. Punkt. Nun könnte man meinen, dass ein erfahrenes Management nach so einer Abfuhr kurz die Weltkarte studiert, um ein Alternativziel zu wählen, bei dem man nicht sehenden Auges ins offene Messer läuft. Doch die glorreiche Idee der Routenplaner lautete ausgerechnet Alexandria.
Doch auch am Nil blieb die Tür zu. Nur wenige Stunden vor dem geplanten Anlegen – die Passagiere hatten die Handtücher für den Ausflug zu den Pyramiden von Gizeh quasi schon eingepackt – erhielten die knapp 2.000 Urlauber die Nachricht auf ihr Smartphone: Ägypten verweigert die Einreise. Zweimal die moralische Rote Karte innerhalb einer einzigen Woche. Das ist ein historischer Doppel-Wumms, den der auf LGBTQ-Reisen spezialisierte Veranstalter in seiner 36-jährigen Geschichte so auch noch nicht erlebt hat.
In Ländern, in denen das islamische Recht (die Scharia) den Ton angibt, ist Homosexualität ein absolutes Tabu. In Ägypten drohen Betroffenen unter dem Deckmantel von Gesetzen gegen „Ausschweifung“ und „Unmoral“ dabei drakonische Haftstrafen. Dass nun ein ganzes Schiff voller feiernder, homosexueller Männer mit Regenbogen-Attitüde im Hafen von Alexandria an Land geht, war für die dortigen Machthaber einfach unvorstellbar. Mehr noch hätte man die ohnehin schon hoffnungslos überfüllten Gefängnisse mit noch mehr Insassen belastet – und zudem gleich noch einen diplomatischen Eklat ausgelöst.
Turkey just banned a cruise ship carrying nearly 2,000 gay travelers, including Broadway legend Patti LuPone, from docking in Kuşadası and Istanbul.
— Hen Mazzig (@HenMazzig) July 3, 2026
Officials called the passengers a threat to their "moral values."
Istanbul police then raided a gay nightclub that had operated… pic.twitter.com/DvBinVgBMC
An Bord wich die Urlaubsstimmung lautstarkem Frust. Man hatte schließlich viel Geld bezahlt, um Weltwunder zu sehen, und nicht, um tagelang Extrarunden auf dem offenen Meer zu drehen. Die mitreisende Broadway-Ikone Patti LuPone, die eigentlich zur Unterhaltung der Gäste an Bord war, tobte öffentlich über die islamischen Sittenwächter. Am Ende blieb den Urlaubern nur die bittere Erkenntnis, dass Toleranz keine Stärke von Islambefolgern ist (vielleicht hätten sie ja auch eine Tour zum Gazastreifen machen sollen, um zu sehen wie viel Toleranz es dort für Homosexuelle gibt). Statt Pharaonen-Kult und Basar-Romantik gab es schließlich eine Kurskorrektur Richtung Kreta und Montenegro.
Am Ende stellt sich die Frage, ob die Veranstalter einfach nur völlig naiv sind, was solche Schwulen-Kreuzfahrten in Moslem-Länder anbelangt, oder aber ob dies nichts weiter als eine gewaltige PR-Aktion war. Die Branche boomt und mediale Aufmerksamkeit („Es gibt keine schlechte PR“) ist immer willkommen.





