Gloria Fürstin von Thurn und Taxis ist nicht dafür bekannt, sich selbst zu zensieren: Ihre Meinungen äußert sie auch dann, wenn sie „politisch inkorrekt“ sein und die Wokeria auf die Barrikaden bringen könnten. Im Interview mit dem Deutschlandkurier sprach sie über den christlichen Glauben, konservative Werte, Migration und richtete klare Forderungen an die Politik.
Der folgende Beitrag erschien zuerst beim Deutschlandkurier:
Sie lebt in einem Schloss und ist den Menschen, dem Volk, doch so viel näher als unsere Politiker in ihrer Berliner Blase. Gloria Fürstin von Thurn und Taxis, tief gläubige Katholikin und erzkonservativ bis in die Knochen, ist als mahnende und warnende Stimme im rechten Meinungsspektrum nicht wegzudenken. Fürstin Gloria ist eine Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt und sich einen feuchten Kehricht um „politische Korrektheit“ schert. Sie spricht aus, was die Leute denken – in Verfassungsschutz-Deutschland schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr!
Der Deutschland-Kurier (DK) sprach mit Gloria Fürstin von Thurn und Taxis über Christsein, Islam, Migration und Remigration – über konservative Werte, die Erneuerung Europas und Meinungs(un)freiheit in Deutschland.
Deutschland-Kurier: Sie haben einmal gesagt, Europa sei ohne das Christentum nicht denkbar. Haben wir heute den Punkt erreicht, an dem Europa seine geistigen Wurzeln verliert?
Fürstin Gloria: Selbstverständlich ist Europa ohne das Christentum denkbar! Es liegt an uns, an den Christen, unseren Glauben zu leben und zu verteidigen. Angela Merkel sagte ganz zu Beginn der Migrationswelle aus dem Nahen Osten und Afrika sinngemäß: ‚Wenn bei uns niemand mehr in die Kirche geht, soll man sich nicht beschweren, wenn Muslime ihren Glauben sichtbar leben.‘ Da hatte sie Recht. Wenn wir uns weiter in Links- und Rechtskategorien spalten lassen, nur noch über unsere Sexualität, vielleicht noch über Ökologie und Klimaschutz definieren, werden die Muslime dank ihrer Familienverbundenheit und ihres inneren Zusammenhalts die dominierende Kraft in Europa werden.
Deutschland-Kurier: Viele Kirchenvertreter äußern sich heute zu Klima-, Migrations- oder Gesellschaftspolitik, während klassische Glaubensfragen oft in den Hintergrund treten. Hat sich die Kirche aus Ihrer Sicht zu sehr dem Zeitgeist angepasst?
Fürstin Gloria: Die Kirche in Deutschland und vielen anderen westlichen Ländern, womöglich auch in Asien – da kenne ich mich nicht so gut aus -, ist in einer Identitäts- und Glaubenskrise. Die Kirche ist heute Teil der Welt und somit ebenfalls dem Zeitgeist unterworfen. Mangel an Glauben kann man niemand zum Vorwurf machen, dies ist eine von Gott geschenkte Gnade, um die man täglich bitten muss, die Kirche hat aber viele sakramentale „Hilfsmittel“, welche leider zunehmend in der Hintergrund geraten.
Menschen sind keine transhumanen Roboter
Deutschland-Kurier: Sie bezeichnen sich als gläubige Katholikin. Welche Rolle sollte der christliche Glaube heute im öffentlichen Leben und in politischen Entscheidungen noch spielen?
Fürstin Gloria: Das Schöne ist ja, dass der Mensch frei geschaffen wurde und nicht als vorprogrammierter Roboter, so wie die Transhumanisten sich den neuen Menschen vorstellen. Es gibt kein Soll und Muss! Der Glaube an einen guten Gott, der alles erschaffen hat und uns Menschen liebt, gibt Kraft und Geborgenheit. Wenn man sich diese Kraftquelle erschließen möchte, kann man den Weg zu den Heilmitteln, den Sakramenten suchen und finden. Das ist gar nicht so schwer. Schon die Suche ist spannend und ändert das Leben, gibt Kraft und schafft Ordnung.
Deutschland-Kurier: Deutschland erlebt einen historischen Rückgang der Kirchenmitgliedschaften. Liegt das nicht auch an den Kirchen selbst?
Fürstin Gloria: Das liegt vor allem auch an der anti-kirchlichen Propaganda, die wir ja seit der Französischen Revolution, manche Jahrzehnte mal mehr mal weniger, über uns ergehen lassen müssen. Darüber hinaus auch am demographischen Wandel. Wo sollen Priester herkommen, wenn niemand mehr Kinder in die Welt setzt?
Deutschland-Kurier: Sie treffen regelmäßig konservative Intellektuelle und Politiker aus ganz Europa. Wo sehen Sie heute die stärksten Impulse für eine christlich-konservative und rechtsnationale Erneuerung Europas?
Glaube schafft Ordnung im Chaos
Fürstin Gloria: Leider sind große Teile der sogenannten Rechten auch anti-kirchlich eingestellt. Das spaltet die Kraft, die von diesen Bewegungen ausgehen könnte. Ohne Glauben an Gott und das christliche Menschenbild ist der Wandel nicht möglich. Um die Welt in Ordnung zu bringen, brauchen wir wieder den Glauben an Gott und die Sakramente. Wir erbitten nichts weniger als ein Wunder. Wenn das nicht geschieht, werden das Chaos und die Unordnung wachsen und wir werden von menschengemachtem Krieg und Unheil in die Selbstzerstörung laufen. Die ganze Dramatik wird in einem Karnevalslied banalisiert: „Am 30. Mai ist der Weltuntergang, wir leben nicht mehr lang, wir leben nicht mehr lang….. doch keiner weiß, in welchem Jahr und das ist wunderbar…“
Deutschland-Kurier: Sie haben sich immer wieder für Ehe und Familie ausgesprochen. Warum geraten diese traditionellen Leitbilder heute Ihrer Meinung nach zunehmend unter Rechtfertigungsdruck?
Fürstin Gloria: Weil es bequemer ist. In Ländern, in denen es keine verlässlichen staatlichen Sozialsysteme gibt, übernehmen die Kinder die Versorgung der Eltern im Alter. Deshalb haben die meisten Afrikaner mehr als drei Kinder, weil sich so die Last des Alters auf mehrere Schultern verteilen lässt. Die Abhängigkeit vom Staat hat die Menschen bequem werden lassen. Jetzt stehen wir vor dem Scherbenhaufen, denn der Staat kann nicht mehr die Versorgung garantieren und wir haben keine Kinder mehr, die uns versorgen werden? Wer ist schuld? Wir selbst!
Deutschlands-Kurier: Sie engagieren sich seit Jahrzehnten für den Schutz ungeborenen Lebens. Wie beurteilen Sie die aktuelle gesellschaftliche Debatte über den Lebensschutz und den Umgang mit Schwangerschaftsabbrüchen?
Fürstin Gloria: Seit fast 40 Jahren wird die Tötung der eigenen Leibesfrucht vom Staat subventioniert. Und das, obwohl absehbar war, dass wir in eine demographische Katastrophe laufen. Die Geburtenraten liegen bei uns so wie fast überall auf der Welt mit 2,1 Kindern weit unter der Bestandhaltungsrate. Die Länder, die sich über der Bestandhaltung reproduzieren, liegen in Subsahara Afrika. Außerhalb Afrikas sind nur noch wenige Länder wie Afghanistan, Jemen und Pakistan deutlich über 2,1. Fast ganz Europa, Ostasien, Nordamerika und Lateinamerika liegen deutlich darunter. Über den religiösen Aspekt brauchen wir also gar nicht erst reden!
Migration ist ein demografischer Irrweg
Deutschland-Kurier: Die etablierte Politik will uns Masseneinwanderung als Lösung für die demographische Krise verkaufen. Was halten Sie von dieser „Lösung“?
Fürstin Gloria: Das ist keine Lösung, weil es zu lange dauert, bis diese Menschen in unser Leistungssystem beitragen können. Auch das kann man errechnen, aber das tun die Linken nicht. Die probieren einfach aus, egal wie viele Menschen darunter leiden. Für die Linken ist der Mensch ein nachwachsender Rohstoff, mit dem man allerlei Gesellschaftsexperimente machen kann. Für den Christ ist jeder Mensch nach Gottes Ebenbild geschaffen, deshalb taugt er nicht für Experimente und man wägt ab, was gut oder schlecht ist.
Deutschland-Kurier: Wie stehen Sie zur Remigration illegaler und nicht integrierbarer Migranten? Muss diese stärker forciert werden?
Fürstin Gloria: Es ist vor allem den Migranten gegenüber ungerecht, denn denen hat man ja ein Land von Milch und Honig versprochen, sonst hätten sie sich doch niemals mit diesen wackeligen Booten, auf den gefährlichen, langen Weg nach Europa gemacht. Natürlich sind sie frustriert und lassen diesen Frust auch raus, das kann doch niemand überraschen. Es muss also politisch gewollt sein, man wollte einfach keine geordnete Migrationspolitik. So wie diese gehandhabt wurde, fördert sie aber eher die Spaltung der Gesellschaft.
Deutschland-Kurier: Viele konservative Bürger beklagen eine Einschränkung der Meinungsfreiheit und befürchten gesellschaftliche oder berufliche Nachteile für rechte und christlich-konservative Ansichten. Teilen Sie diese Einschätzung, und welche Erfahrungen haben Sie selbst gemacht?
Fürstin Gloria: Wir leben in einer Zeit, in welcher sich die Menschen zunehmend misstrauen, weshalb viele die eigene Meinung im politischen, kulturellen und religiösen „selbst-zensieren“. Hinzu kommt die sogenannte „Kriminalisierung der Meinungsfreiheit“, Eingriffe in die Sozialmedien, und nun auch „Chat-Kontrollen“. Vielleicht sind momentan eher christlich-konservative Kräfte im Nachteil, aber das variiert dann für rechts und links, je nach dem wohin gerade der Wind weht. Eine offene, diskussionsfreudige Gesellschaft, die mit Kritik umgehen kann, sieht jedenfalls ganz anders aus.
Deutschland-Kurier: Wenn Sie der Bundesregierung heute drei konkrete Empfehlungen geben könnten, um Deutschland wieder auf einen aus Ihrer Sicht besseren Kurs zu bringen: Welche wären das und warum?
Fürstin Gloria: Arbeiten Sie sich an Ihrer Opposition ab, so wie es auch Angela Merkel getan hat, nehmen Sie deren Bedenken ernst, wenn Sie sie nicht weiter stärken wollen. Bringen Sie Ordnung in die Staatsausgaben, in einer Form, die den Steuerzahler ernst nimmt, und schämen Sie sich nicht dafür, die Interessen Deutschlands zu vertreten.
Die Fragen stellte Johannes Schüller





