Als Ursache des israelisch-palästinensischen Konflikts wird in der linksliberalen Öffentlichkeit stets die „Nakba“ von 1948 präsentiert. Dieser selektiven und einseitigen proarabischen Darstellung sollen hier historische Fakten entgegengestellt werden.
Teil 1 zeichnete die Entwicklung der Region Israel/Palästina bis zur Gründung des jüdischen Staates 1948 nach. Dabei wird auch deutlich, dass es niemals in der Geschichte einen palästinensischen Staat gegeben hat, sondern das Gebiet über etwa zwei Jahrtausende Teil größerer Reiche war.
In Teil 2 wurde aufgezeigt, wie die drei großen arabisch-israelischen Kriege (1948, 1967 und 1973) jeweils von der arabischen Seite ausgingen – und sie sich trotzdem danach über die Folgen beklagten. Und es wurde herausgearbeitet, dass der Verweis auf die „Nakba“ höchst einseitig ist, weil die arabischen Staaten zeitgleich eine größere Zahl von Juden vertrieben.
Normalisierung mit Ägypten
Der ägyptische Präsident Anwar as-Sadat war ein ehemaliges Mitglied der Muslimbruderschaft und der faschistischen Jungägyptischen Partei. Er kam aus der militärischen Niederlage im Jom-Kippur-Krieg 1973 absurderweise letztlich politisch gestärkt hervor. Gemäß einem Entflechtungsabkommen von 1974 zogen sich die Israelis etwa 10 Kilometer hinter den Sueskanal zurück, während die Ägypter im Gegenzug ihre schweren Waffen aus der Kanalzone links und rechts der Wasserstraße abziehen mussten.
Das Abkommen ermöglichte damit die Reaktivierung der seit 1967 blockierten Wasserstraße unter ägyptischer Souveränität. 1977 reiste Sadat völlig überraschend nach Israel und schloss mit Menachem Begin 1978 das Camp-David-Abkommen, dem 1979 der israelisch-ägyptische Friedensvertrag folgte. Zum ersten Mal erkannte ein arabischer Staat Israel an. Israel stimmte gemäß dem Prinzip „Land gegen Frieden“ der Räumung des Sinai bis 1982 zu.
An der territorialen Situation hat sich seitdem nicht viel geändert. Ein großer Teil der Palästinenser lebt noch immer in grenznahen Flüchtlingslagern. Die arabische Welt verweigert ihnen seit Jahrzehnten die Integration in diverse arabische Gesellschaften, um durch Lager an den Grenzen die Drohkulisse gegen Israel aufrechtzuerhalten. In den Lagern kam es seitdem zu einer Bevölkerungsexplosion.
Die besetzten Gebiete
Im Westjordanland, besonders im Umland von Jerusalem, trieb Israel die Gründung jüdischer Siedlungen immer weiter voran, sodass heute in diesem Gebiet 430.000 Juden etwa 2,5 Millionen Arabern gegenüberstehen. Ab 2003 baute Israel dann auch noch eine großangelegte Sperranlage, die bei den größeren israelischen Siedlungsblöcken tief ins Westjordanland einschneidet. Israel begründet das mit dem Schutz vor Terroristen aus dem Westjordanland, die immer wieder Anschläge in Israel durchgeführt hatten.
1988 hatte die PLO einen palästinensischen Staat ausgerufen, der das Westjordanland, Ostjerusalem und den Gaza-Streifen umfassen sollte. Da es mit Israel keine Einigung über den Grenzverlauf bei Jerusalem und im Westjordanland gab, wurde der Staat zwar von den meisten Ländern der Welt anerkannt, nicht aber von Israel, den USA und anderen westlichen Staaten. Vor allem aber hatte die PLO keine Kontrolle über die von ihr beanspruchten Gebiete.
Seit 1993 verwaltet die Palästinensische Autonomiebehörde (PNA) Teile des Westjordanlands, vor allem die Städte Jericho, Nablus, Dschenin, Tulkarem, Qalqiliya, Ramallah, Bethlehem und 80 Prozent von Hebron. Das sind allerdings so verstreute Enklaven, dass sie keine wirkliche Staatlichkeit darstellen und von Israel militärisch kontrolliert werden können.
Da die arabischen Regime und die PLO die Lage der Menschen im Westjordanland und im Gazastreifen nicht verbesserten, bekamen in den letzten Jahrzehnten islamische Extremisten immer mehr Zulauf und schließlich die Kontrolle über den Gazastreifen.
2005 setzte der damalige israelische Ministerpräsident Ariel Scharon den israelischen Abzug aus dem Gazastreifen durch – verbunden mit dem Abbau der 21 israelischen Siedlungen. Bei den darauffolgenden Kämpfen zwischen arabischen Klans beziehungsweise zwischen Hamas und PLO kamen Hunderte Menschen ums Leben und die Hamas ging 2007 als Siegerin hervor.
Die perspektivlose Situation für die Bewohner des Westjordanlandes stärkte immer mehr extremistische Kräfte. Der Gazastreifen erhielt zwar Milliardenhilfe der EU, von den USA, von Katar und anderen. Sie lief über die United Nations Relief and Works Agency (UNRWA), die 30.000 Menschen beschäftigt, von Hamas-Parteigängern beherrscht war und deren Funktionäre auch schon mal Hitler feiern oder zur Ermordung von Juden aufrufen.
Die Hamas nutzte die Kontrolle über den Gazastreifen mit seinen zwei Millionen Einwohnern und die internationale Finanzhilfe aber offenbar mehr für Tunnelsysteme und Bewaffnung als für die Entwicklung von Infrastruktur und Wirtschaft. Sie konnte aber erhebliche Teile der Bevölkerung ideologisieren und ihnen mit dem Kampf gegen Israel eine politische Perspektive geben.
In Kombination mit verschiedenen Machtblöcken innerhalb der islamischen Welt und diversen geopolitischen Interessen waren und sind die demografische Entwicklung der palästinensischen Araber und der traditionelle muslimische Judenhass eine explosive Mischung.
Islam und Judentum
Wer schreibt oder denkt, dass islamische Judenfeindschaft mit dem Zionismus und insbesondere mit der Nakba 1948 beginnt oder dass dieser muslimische Judenhass lediglich ein Transfer des europäischen Antisemitismus ist, der hat weder eine Ahnung vom Koran und den Hadithen noch von der jüdischen Lebenssituation in den 1.300 Jahren unter islamischer Herrschaft. Ohne Kenntnis davon ist aber die aktuelle Konfrontation in Palästina nicht zu verstehen.
Eine Auseinandersetzung damit ist auch deshalb notwendig, weil der massivste Antisemitismus global gesehen in den letzten Jahrzehnten von Muslimen ausgeht und diese Tatsache wiederum religiöse und historische Ursachen hat. Und anders als die Tradition des europäischen Antisemitismus wird die muslimische Judenfeindschaft im europäischen Mainstream – von Schulbüchern über Fernsehdokumentationen bis zum aktuellen politisch-medialen Diskurs – aus Gründen der „antirassistischen“ politischen Korrektheit weitgehend verschwiegen.
Grundlegend werden im Islam, von Mohammed und dem Koran ausgehend, Menschen in zwei Kategorien eingeteilt, in Gläubige und Ungläubige. Bereits 1854 schrieb Karl Marx in seinem Text „Zur Geschichte der orientalischen Frage“: „Der Koran und die auf ihm fußende muselmanische Gesetzgebung reduzieren Geographie und Ethnographie der verschiedenen Völker auf die einfache und bequeme Zweiteilung in Gläubige und Ungläubige. Der Ungläubige ist ‚harby‘, das heißt, der Feind. Der Islam ächtet die Nation der Ungläubigen und schafft einen Zustand permanenter Feindschaft zwischen Muselmanen und Ungläubigen“.
Gläubige Muslime sind verpflichtet, den Islam, der im Wortsinn ja „Unterwerfung“ unter Gott bedeutet, auf alle Menschen auszubreiten. Gut ist in dieser Logik alles, was diesen Prozess fördert, explizit auch Raub, Gewalt und Betrug gegenüber Ungläubigen, die sich durch ihren Starrsinn diese Dinge selbst zuzuschreiben haben. Die Gläubigen wiederum werden für ihre Bemühungen durch ein sehr weltlich beschriebenes Paradies und durch ein Anrecht auf Beute im Diesseits belohnt – schließlich gehört nach islamischer Sicht die ganze Welt Allah und die Ungläubigen haben ihren Besitz Allah gestohlen.
Während der Islam für Polytheisten oder Atheisten rundweg Tod oder Versklavung vorsah, durften Anhänger der „Buchreligionen“, also Juden und Christen, unter islamischer Herrschaft weiterleben. Sie mussten dafür aber die Dhimma akzeptieren, einen untergeordneten Rechtsstatus, der nicht nur die Bezahlung einer Sondersteuer, der Dschizya, beinhaltete, sondern auch die Chancenlosigkeit in gerichtlichen Auseinandersetzungen mit Muslimen, das Verbot von Gegenwehr gegen muslimische Gewalttäter und zahllose systematische Demütigungen im Alltag. Der so erzeugte Leidensdruck sollte die Bekehrung zum Islam fördern und tat es auch.
Mohammedanische Tradition
Dazu kam, dass der Islam seit Mohammed und der anfänglich isolierten Position seiner Anhänger ein starkes Element der demografischen Expansion beinhaltete. Beispielsweise erlaubt der Islam, dass Muslime ungläubige Frauen heiraten, da durch die Vorherrschaft des Mannes die Kinder Muslime werden. Umgekehrt ist es muslimischen Frauen strikt verboten, ungläubige Männer zu ehelichen, da die Kinder dann für die islamische Umma (= Gemeinschaft) verloren wären.
Hinzu kam in Ländern, die im Zuge der jahrhundertelangen islamischen Expansion erobert wurden, das weit verbreitete Phänomen des Frauenraubes, das die bisherigen christlichen Mehrheiten in Nordafrika und im Nahen Osten systematisch schwächte, die Muslime demografisch stärkte und die Gebiete zunehmend islamisierte.
Schon die Teile des Korans, die in Mekka verfasst wurden, prophezeien den Ungläubigen grausame Strafen, sehr oft ist dabei von Verbrennen bei lebendigem Leib die Rede. Die späteren, in Medina verfassten Abschnitte, wenden sich dann auch konkreter gegen Christen und Juden. Dabei richten sich von den 24 Suren acht gegen Christen, elf gegen Juden – und dabei sind die judenfeindlichen deutlich ausführlicher.
Diese Gewichtung könnte überraschen, stehen sich doch Islam und Judentum in ihrem kompromisslosen Monotheismus und als strenge Gesetzesreligionen mit teilweise gleichen Geboten im Alltagsleben näher als dem orthodoxen oder katholischen Christentum. Dass Mohammed besonders die Juden ins Visier nimmt, kann mit der historischen Situation auf der arabischen Halbinsel im frühen 7. Jahrhundert erklärt werden. Während Christen auf der Halbinsel verstreut lebten, siedelten Juden dort als ganze Stämme und waren somit ein relevanterer Gegner für den entstehenden Islam. Jüdische Rabbiner hatten sich außerdem über Bildungslücken Mohammeds lustig gemacht, was bei einem Mann mit seinem Sendungsbewusstsein wohl nicht gut angekommen sein dürfte.
In der Folge wurden im Jahr 624 die jüdischen Stämme der Nadir und Qaynuqa ihres Eigentums beraubt und vertrieben. 627 ließ Mohammed den jüdischen Stamm der Qurayza vernichten. In einem zweitägigen Massaker wurden 600 bis 700 Männer exekutiert und die Frauen und Kinder in die Sklaverei verkauft, wobei Mohammed die 18-jährige Rayhana Bint Zayd für sich selbst beanspruchte.
Für moderne Europäer mögen das alte Geschichten sein. Für traditionelle Islamgläubige ist das anders. Sie werden in Moscheen und Vereinen intensiv mit dem Koran und der Lebensgeschichte Mohammeds vertraut gemacht. Dementsprechend haben auf Palästina-Demos im Oktober 2023, etwa in Wien, ganze Gruppen auf Arabisch skandiert: „Chaibar, Chaibar, oh ihr Juden, die Armee Mohammeds wird wiederkommen!“ Chaibar war eine jüdisch bewohnte Oase auf der arabischen Halbinsel, die von den Muslimen 628 angegriffen und nach schweren Kämpfen erobert wurde.
Religiöse Legitimierung
Legitimiert wurde das Vorgehen gegen die jüdischen Stämme von den Muslimen damit, dass sie sich „Allah und seinem Gesandten widersetzten“. Außerdem wirft der Koran den Juden vor, sie hätten den Bund mit Gott gebrochen, sie seien von Gott abgefallen.
Die jüdische Heilsgeschichte, die selbstkritisch die Treue des Volkes Israel gegenüber Gott thematisiert, wird von Mohammed zu einer Anklage gegen die Juden umgedreht und ihnen sogar noch Überheblichkeit vorgeworfen. Und während er den Christen nur unterstellte, die heilige Schrift falsch zu verstehen, lastete er den Juden, die im Koran auch schon mal als „Affen“ und „Schweine“ bezeichnet werden, die „Fälschung“ derselben an. Die Christen sind für ihn also dumm, die Juden aber bösartig.
In einem der Hadithe, also den offiziell anerkannten überlieferten Aussprüchen aus dem Leben Mohammeds, die neben dem Koran als Quelle des Islam gelten, heißt es: „Die Stunde wird kommen, da die Muslime gegen die Juden so lange kämpfen und sie töten, bis sich die Juden hinter Steinen und Bäumen verstecken. Doch die Bäume und Steine werden sprechen: ‚Oh Muslim, oh Diener Allahs, hier ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt. Komm und töte ihn!‘“ Dieser Hadith findet sich auch in Artikel 7 der Charta der Hamas, der palästinensisch-islamischen Organisation.
Das Problem bei der Sache liegt nun auch darin, dass der Islam keine historisch-kritische Lesart des Korans und der Hadithe kennt. Vielmehr wird davon ausgegangen, dass Allah seinem Propheten Mohammed die Suren wortwörtlich so diktiert hat, wie sie geschrieben stehen.
Außerdem gilt der Koran als vollkommen und Inbegriff des relevanten Wissens und darüber hinaus das Leben Mohammeds und seine Aussprüche als vorbildlich für alle Muslime. Dementsprechend wurden den Islamgläubigen die beschriebene Einschätzung der Juden und der Umgang mit ihnen über Jahrhunderte als Leitlinien vorgegeben.
Juden unter islamischer Herrschaft
Und dementsprechend gestaltete sich die Lage der Juden unter islamischer Herrschaft seit dem 7. Jahrhundert. Die von islamophilen Europäern oftmals behauptete harmonische Koexistenz von Juden und Muslimen in der arabischen Welt war immer schon ein orientalistisches Märchen.
Juden waren wie Christen der Dhimma unterworfen, durften ihre Religion nur diskret ausüben, mussten sich gegenüber „Rechtsgläubigen“ stets ehrerbietig zeigen und besondere Kleidung tragen, die sie für die Herrschenden sofort identifizierbar machte; im islamisch beherrschten Sizilien war das ein gelber Fleck auf der Kleidung. Juden durften keine edlen Reittiere benutzen, keine Waffen besitzen und keine höheren Häuser bauen als Muslime. Ihre Aussagen waren vor Gericht nicht zugelassen und sie mussten in muslimischen Vierteln barfuß gehen, um damit ihre Nichtswürdigkeit zu bezeugen.
Trotz dieser systematischen Unterdrückung waren Juden – aufgrund ihrer Erfahrung im Handel und ihrer vergleichsweise guten Bildung – im islamischen Raum oftmals ökonomisch erfolgreich. Islamische Herrscher benutzten sie häufig als ökonomische Fachleute, als kooperierende Unternehmer und als Beamte, die aufgrund ihrer Kenntnisse manchmal weit aufstiegen. Im Fall von Revolten der muslimischen Bevölkerung wurde der Unmut dann – ähnlich wie im europäischen Mittelalter – oft gegen die „einflussreichen“ Juden gelenkt und es kam in regelmäßigen Abständen zu Plünderungen und blutigen Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung.
Land für Land werden diese Zustände in der Dhimma in Nathan Weinstocks ausgesprochen informativem Buch „Der zerrissene Faden – Wie die arabische Welt ihre Juden verlor“ nachgezeichnet, ohne dessen Kenntnis eigentlich niemand Texte über die historischen Ursprünge des Nahostkonflikts publizieren sollte.
Die Marginalisierung der orthodoxen Christen durch die aggressive muslimische Expansion beschreibt die jüdische Autorin Bat Ye’Or in ihrem Buch „Der Niedergang des orientalischen Christentums unter dem Islam“. Diese Marginalisierung hielt auch in den letzten Jahrzehnten an. Und weil es in der islamischen Welt über 1300 Jahre üblich war, Juden zum Spaß zu bespucken, zu treten und zu quälen, betrachten viele Mohammedaner das selbstbewusste Auftreten der Zionisten als ultimative Provokation. Statt wie früher alles wehrlos einzustecken und zuzusehen, wie Familienangehörige vergewaltigt, gefoltert und ermordet wurden und höchstens die „Rechtsgläubigen“ um Gnade anzuflehen, sind diese neuen Juden bewaffnet und lassen sich nicht alles gefallen. Sie sind damit ein Vorbild für viele Europäer, die den Übergriffen islamischer Invasoren tatenlos zusehen.
