KI will jetzt ans Bankkonto: Anthropic testet „Claude Money“

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Anthropic testet offenbar einen neuen Bereich namens „Claude Money“, der Bankkonten direkt mit der KI verbinden soll. Claude könnte damit Kontobewegungen, Ausgaben und Finanzplanung anhand realer Bankdaten auswerten. Damit wollen die KI-Konzerne nun auch an einen der sensibelsten Datenbestände ihrer Nutzer.

Was kaufen Sie? Wo tanken Sie? Welche Abos laufen jeden Monat? Wie hoch sind Miete, Kreditraten und Einkommen? Wohin reisen Sie – und an wen überweisen Sie regelmäßig Geld? Ein Bankkonto verrät weit mehr als nur Kontostand und Monatsbudget. Es zeichnet große Teile des eigenen Lebens nach. Genau diesen Datenstrom soll künftig offenbar auch Claude analysieren können. BleepingComputer berichtet über einen bislang unveröffentlichten Bereich namens „Money“, der in der Claude-App für iOS entdeckt wurde. Dort heißt es: „Understand your money with Claude.“ Nutzer sollen ihre Bankkonten verbinden und Claude anschließend zu Ausgaben, Finanzplanung und weiteren Geldfragen befragen können. Ein entsprechender Button zur Kontoanbindung ist bereits vorgesehen. Eine breite Einführung hat Anthropic bislang nicht angekündigt. Offen ist auch, welcher Finanzdienstleister die Bankverbindung herstellen soll, welche Institute unterstützt werden und welche Daten Claude dabei tatsächlich erhält.

Anthropic wäre damit nicht der erste KI-Konzern mit direktem Zugriff auf Finanzdaten. OpenAI bietet in den USA bereits eine Finanzfunktion für ChatGPT an. Über den Finanzdienstleister Plaid lassen sich Bankkonten, Kreditkarten, Brokerkonten und andere Finanzkonten anbinden. ChatGPT kann anschließend reale Ausgaben analysieren, Rechnungen und Abonnements erfassen, Investments zusammenführen und Fragen auf Basis der persönlichen Finanzlage beantworten. OpenAI wirbt sogar damit, zusätzliche Informationen wie Hypotheken, Sparziele oder geplante größere Anschaffungen als finanziellen Kontext zu speichern. Plaid verbindet nach eigenen Angaben mehr als 12.000 Banken und andere Finanzinstitute. Je nach Dienst können darüber Kontostände, Transaktionen, Kreditinformationen, Investments, Einkommen und weitere Finanzdaten verarbeitet werden.

Finanz-Tagebuch mit KI-Überwachung?

Gerade Transaktionsdaten haben es in sich. Händler, Betrag, Datum und Zahlungsart reichen oft schon aus, um ein erstaunlich genaues Bild des Alltags zu zeichnen. Wiederkehrende Abbuchungen zeigen Mitgliedschaften und Abos. Überweisungen können persönliche Beziehungen sichtbar machen. Restaurant-, Hotel- und Flugbuchungen verraten Reisen und Gewohnheiten. Zahlungen an Ärzte, Kliniken oder Apotheken können besonders private Informationen offenlegen. Ein Kontoauszug ist damit beinahe ein Tagebuch – nur mit Preisen, Orten und Zahlungsempfängern.

Damit steht die entscheidende Datenschutzfrage im Raum: Was geschieht mit diesen Daten? Anthropic erklärt für seine Verbraucherangebote Claude Free, Pro und Max, dass Chats und Coding-Sitzungen zur Verbesserung der Modelle verwendet werden können, wenn Nutzer dies erlauben. Gespräche, die für Sicherheitsprüfungen markiert werden, können ebenfalls analysiert werden. Für „Claude Money“ gibt es bislang jedoch keine veröffentlichten Regeln zum Umgang mit Bank- und Transaktionsdaten. Es gibt deshalb derzeit auch keinen Hinweis darauf, dass Anthropic solche Finanzdaten zum Training seiner Modelle verwenden will. Vor einem breiten Start müsste der Konzern offenlegen, welche Daten gespeichert werden, wie lange sie vorgehalten werden und wofür sie genutzt werden dürfen.

KI-Assistenten bekommen bereits Zugriff auf E-Mails, Kalender, Dateien und Arbeitsunterlagen. Mit dem Bankkonto fällt nun die nächste Grenze. Der Komfort hat seinen Preis: Die KI erhält Einblick in Einnahmen, Ausgaben, Schulden, Investments und laufende Verpflichtungen – also in einen Datensatz, der Monat für Monat das finanzielle Leben eines Menschen dokumentiert. OpenAI hat den Schritt bereits vollzogen. Anthropic bereitet ihn mit „Claude Money“ offenbar ebenfalls vor. Dann weiß die KI nicht mehr nur, was Sie ihr erzählen. Sie sieht, von wo Ihr Geld kommt und wo es schlussendlich auch landet.

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