„Diesel, Diesel, Diesel“: Trump drängt Selenskyj zum Stopp der Raffinerieangriffe

(C) Report24/KI

Die ukrainischen Drohnen treffen immer mehr russische Raffinerien. US-Präsident Donald Trump drängt Wolodymyr Selenskyj dazu, die Angriffe auf die russische Ölverarbeitungsindustrie einzustellen. Bei einem Telefonat am Sonntag soll seine Botschaft laut einem ukrainischen Teilnehmer kaum misszuverstehen gewesen sein: „Diesel, Diesel, Diesel.“ Denn jeder weitere Raffinerieausfall trifft inzwischen auch einen Weltmarkt, auf dem der Treibstoff ohnehin knapp und teuer geworden ist.

Was in Kiew als erfolgreicher Schlag gegen die russische Kriegswirtschaft gilt, bereitet US-Präsident Donald Trump zunehmend Sorgen. Bereits am 13. September forderte der US-Präsident Selenskyj öffentlich auf, Russlands Dieselinfrastruktur in Ruhe zu lassen. Es gebe genügend andere Ziele, erklärte Trump. Die Angriffe auf die Treibstoffversorgung hätten inzwischen Auswirkungen weit über Russland hinaus. Zu diesem Zeitpunkt hatte Diesel in den Vereinigten Staaten bereits die Marke von sechs Dollar je Gallone überschritten.

Nun hat Trump offenbar nachgelegt. Nach einem Bericht der „Financial Times“ drängte er Selenskyj am Sonntag bei einem Telefonat erneut dazu, die Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. Ein hochrangiger ukrainischer Teilnehmer fasste Trumps Botschaft gegenüber der Zeitung mit drei Worten zusammen: „Diesel, Diesel, Diesel.“ Trump wolle, dass wieder mehr russischer Treibstoff auf den Weltmarkt gelangt und dort den Preisauftrieb bremst.

Schwere Schäden in Russland

Die ukrainischen Drohnen haben die russische Raffinerielandschaft mittlerweile arg in Mitleidenschaft gezogen. Mitte September meldete Reuters, dass drei der sechs größten russischen Dieselraffinerien ihre Produktion stark reduzieren oder ganz einstellen mussten. Diese sechs Anlagen stehen zusammen für ungefähr die Hälfte der russischen Dieselproduktion. Der Druck auf Moskau funktioniert – nur bleibt der Treibstoff, der dort nicht mehr produziert wird, eben auch dem Weltmarkt fern. Und das hat globale Konsequenzen.

Kaum hatte Trump seine erste öffentliche Warnung ausgesprochen, kam der nächste schwere Treffer. Am Sonntag griffen ukrainische Drohnen die Moskauer Raffinerie von Gazprom Neft an. Beide großen Rohöldestillationsanlagen wurden beschädigt, die Verarbeitung kam laut Reuters vollständig zum Erliegen. Reparaturen könnten mehrere Wochen dauern. Die Anlage produzierte zuletzt rund 3,2 Millionen Tonnen Diesel pro Jahr. Seit Montag bietet die Raffinerie auf der Petersburger Warenbörse keinen Treibstoff mehr an.

Für Kiew sind die Raffinerien attraktive Ziele. Sie liefern Treibstoff, erwirtschaften Einnahmen und gehören zu Russlands zentraler Energieinfrastruktur. Kiew betrachtet sie deshalb als legitime Ziele und verweist zugleich auf die fortgesetzten russischen Angriffe gegen ukrainische Energieanlagen. Doch je erfolgreicher die ukrainischen Attacken werden, desto umfangreicher werden die Konsequenzen hinsichtlich der Versorgung auch außerhalb Russlands. Ein ausgefallener russischer Dieselstrom lässt sich in der derzeitigen Marktlage nicht beliebig irgendwo anders ersetzen.

Der globale Diesel-Markt leidet

Report24 hat die dahinterstehende Dieselkrise bereits ausführlich analysiert. Russische Raffinerieschäden treffen auf massive Störungen im Nahen Osten, eingeschränkte Handelswege, dünne Lager und Raffinerien, die vielerorts kaum zusätzliche Mengen produzieren können. Der Weltmarkt hat damit gleich mehrere seiner früheren Puffer verloren. Wer die Zahlen und die Risiken für das vierte Quartal im Detail nachlesen will, findet sie in unserer Analyse „Globale Diesel-Krise: Europas riskantes viertes Quartal“ vom 19. September.

Auch die enorme Lücke zwischen Rohöl- und Dieselpreisen hat ihre Gründe. Während Rohöl zeitweise auf Preisniveaus lag, die historisch keineswegs außergewöhnlich waren, explodierten die Aufschläge für fertige Kraftstoffe. Gerade beim Diesel schlägt die Verknappung der weltweiten Raffineriekapazitäten voll durch. Report24 hatte diese Entwicklung bereits am 14. September unter „Ölpreis fast wie 2012 – Spritpreise explodieren: Hier liegen die Preistreiber“ aufgeschlüsselt.

Trump versucht nun offenbar, wenigstens einen dieser Brandherde einzudämmen. Inzwischen wird sogar über eine gegenseitige Waffenruhe bei Angriffen auf Energieanlagen gesprochen. Selenskyj will Trump am Rande der UN-Generalversammlung treffen; auch ein mögliches Ende gegenseitiger Schläge gegen Energieinfrastruktur dürfte dort zur Sprache kommen. Russland setzt seine Angriffe auf ukrainische Energieanlagen bislang fort, während Kiew russische Raffinerien weiter unter Beschuss nimmt.

Für Trump wird die Sache zunehmend innenpolitisch unbequem. Diesel bewegt Lastwagen, Landmaschinen und Baumaschinen; steigende Preise arbeiten sich durch beinahe jede Lieferkette. Die ukrainischen Raffinerieangriffe mögen Russland empfindlich treffen – an der amerikanischen Zapfsäule merkt man dies angesichts der globalen Entwicklungen nämlich auch. Doch hohe Spritpreise sind nicht nur Gift für die Wirtschaft, sondern beeinflussen auch Wahlkämpfe. Und die Vereinigten Staaten stehen kurz vor den wichtigen Midterm-Wahlen, bei denen sich der US-Präsident den Verlust der republikanischen Mehrheit nicht leisten kann. Wie groß wird also der Druck auf Kiew?

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