Britanniens Energiewende verschlingt 150 Milliarden Pfund nur fürs Netz

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Großbritannien baut Wind- und Solarstromkapazitäten in gewaltigem Tempo aus – und bekommt nun die nächste Rechnung präsentiert. Rund 64 Milliarden Pfund sollen bis 2030 in das Übertragungsnetz fließen, für die Zeit danach stehen weitere 89 Milliarden Pfund im Raum: zusammen mehr als 150 Milliarden. Schon heute kostet das Management der überlasteten Leitungen Milliarden, bis 2030 könnten allein diese Engpasskosten auf 7,8 Milliarden Pfund pro Jahr steigen.

An Schottlands Küsten und draußen in der Nordsee wachsen die Windparks, viele der großen Verbrauchszentren liegen Hunderte Kilometer weiter südlich. Dazwischen steckt ein Stromnetz, das für solche Mengen und Lastflüsse nie gebaut wurde. Nun beginnt der teure zweite Akt des grünen Umbaus: neue Hochspannungsleitungen, Strommasten, Seekabel, Konverterstationen und Umspannwerke quer durchs Land. Der Ausbau der Erzeugung war nur der Anfang, der wirklich teure Teil kommt erst noch.

Bis 2030 sollen rund 64 Milliarden Pfund in neue Übertragungsleitungen, Seekabel, Konverterstationen und Umspannwerke fließen. Für die 2030er-Jahre kommen nach den Planungen des National Energy System Operator weitere rund 89 Milliarden Pfund hinzu. Macht mehr als 150 Milliarden Pfund allein für den Ausbau des Netzes – zusätzlich zu Windparks, Solaranlagen, Speichern und Reservekraftwerken.

Zig Milliarden Pfund werden umverteilt

Die zweite Rechnung läuft bereits. Der britische Rechnungshof National Audit Office beziffert die sogenannten „constraint costs“ für 2025/26 auf 1,9 Milliarden Pfund. Fehlt Transportkapazität im Netz, werden Windparks fürs Herunterfahren bezahlt, während andernorts unter anderem Gaskraftwerke einspringen. Bis 2030 könnten diese Kosten ohne ausreichenden Netzausbau auf bis zu 7,8 Milliarden Pfund pro Jahr steigen. Produzierter Windstrom wird also bezahlt, damit er nicht produziert wird – und die Ersatzleistung kostet noch einmal.

Die sozialistische Regierung in London drückt währenddessen weiter aufs Tempo. Der „Clean Power 2030 Action Plan“ sieht für 2030 43 bis 50 Gigawatt Offshore-Windkraft, 27 bis 29 Gigawatt Windkraft an Land und 45 bis 47 Gigawatt Solarleistung vor. Dazu sollen 23 bis 27 Gigawatt Batteriekapazität und vier bis sechs Gigawatt Langzeitspeicher kommen. Trotz dieses gewaltigen „grünen“ Kraftwerksparks rechnet die Regierung weiterhin mit 35 Gigawatt unabgeregelter Gaskraftwerkskapazität. Ganz ohne konventionelle Absicherung funktioniert das System also auch 2030 nicht.

Für den 2030-Kurs müssen laut Regierungsplan 80 Netz- und Infrastrukturprojekte rechtzeitig fertig werden. Der Rechnungshof warnt jedoch, dass einige Projekte bereits heute erst für Termine nach 2030 erwartet werden. Dann stehen Wind- und Solaranlagen möglicherweise früher als die Leitungen, die ihren Strom abtransportieren sollen. Das treibt Projektkosten, Engpasskosten und am Ende die Stromrechnungen nach oben.

Großprojekte ohne Ende

Und nach 2030 ist noch lange nicht Schluss. NESO empfiehlt für die 2030er-Jahre weitere 43 große Netzprojekte. Bis Mitte dieses Jahrzehnts erwartet der Betreiber außerdem einen Anstieg der Stromnachfrage um mehr als 30 Prozent. Rechenzentren, elektrifizierte Industrie, Heizungen und Verkehr brauchen zusätzliche Leistung – zugleich muss immer mehr Strom aus weit entfernten Wind- und Solarstandorten über das Land verteilt werden. Großbritannien soll also nicht ein paar Leitungen einfach nur zusätzlich installieren. Es baut sein komplettes Stromsystem um.

Ein Teil dieser Investitionen wäre auch ohne den massiven Wind- und Solarzubau nötig. Der steigende Stromverbrauch und die alternde Infrastruktur verlangen ohnehin nach Verstärkungen und Verbesserungen. Doch die Verlagerung der Erzeugung verschärft den Aufwand gewaltig: Große Mengen Strom entstehen zunehmend an den Küsten, auf See oder in dünn besiedelten Regionen, während die großen Verbraucherzentren anderswo liegen. Aus einem Kraftwerksproblem wird ein Transportproblem – und dieses Transportproblem trägt inzwischen ein Preisschild mit zwölf Stellen.

Der politisch-ideologische Verkaufsschlager bleibt trotzdem der angeblich günstige Strom aus Wind und Sonne. Die (übrigens durch staatliche Subventionen, also Steuergelder, aufgehübschte) Rechnung am Generator sieht schließlich hübsch aus. Nur braucht ein Stromsystem mehr als einen Generator: Leitungen über Tausende Kilometer, Seekabel, Umspannwerke, Batteriespeicher, Regelenergie und weiterhin Dutzende Gigawatt regelbare Gaskraftwerkskapazität. Fehlt davon etwas, zahlt der Verbraucher auch noch dafür, Windräder abzuregeln.

Ein Stromsystem, das Windparks fürs Abschalten bezahlt und gleichzeitig Gaskraftwerke hochfahren muss, hat kein Erzeugungsproblem, sondern ein Infrastrukturproblem. London setzt nun darauf, dieses Problem mit einem Netzausbau in dreistelliger Milliardenhöhe rechtzeitig abzufangen. Gelingt das nicht, wird aus dem „Clean Power“-Versprechen vor allem eines: ein immer teureres Geschäft mit Strom, der produziert werden könnte, aber nicht dort ankommt, wo er gebraucht wird.

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