Der kanadische Premierminister Mark Carney gilt auch als eine der Galionsfiguren der globalistischen Klimabewegung. Nun kündigt ausgerechnet er den Bau einer 3.300 Kilometer langen Öl-Pipeline an. Der Grund für diese bemerkenswerte Kehrtwende liegt unter anderem auch in der massiv wachsenden Unabhängigkeitsbewegung in der ölreichen Provinz Alberta, die den Regierungschef unter Zugzwang setzt. Hinzu kommt die neue geopolitische Ausrichtung des Landes, die sich bereits in der kürzlich geschlossenen Rohstoffallianz mit Japan zeigte.
Als Mark Carney auf Justin Trudeau folgte, um Kanada zu regieren, war eigentlich ziemlich klar, dass das zweitgrößte Land der Erde den dystopischen Netto-Null-Kurs weiterführen würde. Immerhin war der ehemalige Zentralbanker auch UN-Sondergesandter für Klimaschutz und Finanzen und spielte auch beim Aufbau der Glasgow Financial Alliance for Net Zero (GFANZ) eine tragende Rolle. Doch der massive Widerstand der konservativ regierten Provinzen (insbesondere im wirtschaftlich wichtigen Alberta), die realwirtschaftlichen Entwicklungen und die geopolitische Lage haben ihre Auswirkungen.
Denn wenngleich Carney weiterhin am gesetzlich verankerten Ziel festhält, bis zum Jahr 2050 das Netto-Null-Ziel im eigenen Land zu erreichen, scheint man erkannt zu haben, dass ohne Öl einfach nichts geht. Die geplante Trasse soll von Hardisty in Alberta über Saskatchewan und Manitoba bis nach Sarnia in Ontario führen. Mit einer anfänglichen Kapazität von 500.000 Barrel pro Tag, die später auf 800.000 ansteigen kann, ist das Projekt eine gigantische Infrastruktur-Investition. Bislang ist Kanada stark von den USA abhängig. Über 60 Prozent der kanadischen Ölexporte gehen ins Nachbarland, während gleichzeitig die Hälfte der Importe für Ontario durch US-Pipelines fließt. Nachdem der US-Bundesstaat Michigan in der Vergangenheit immer wieder mit der Schließung wichtiger Transitrouten gedroht hatte, ist die kanadische Energiesicherheit akut gefährdet. Ontarios Energieminister Stephen Lecce fordert daher offen eine inländische Pipeline-Route, um diese Abhängigkeit zu beenden.
Carney promotes oil pipeline ! I would rather he leave it in the ground. He's just going to give out the profits to his friends and to Ukraine ! pic.twitter.com/SA4MkpXu6u
— 🇨🇦 Just an average Canadian 🇨🇦 (@MakeCanGratAgn) July 16, 2026
Dass Carney, der sonst keine Gelegenheit auslässt, die Dekarbonisierung der Welt zu predigen, nun ein derartiges Megaprojekt durchwinkt, ist wohl dem reinen politischen Kalkül geschuldet. In Alberta, wo rund 158,9 Milliarden Barrel Öl lagern, brodelt es. Die bürgerliche Provinzregierung unter Premierministerin Danielle Smith wehrt sich seit Langem gegen die wirtschaftsfeindliche Klimapolitik aus der Hauptstadt Ottawa. Die Rufe nach einem Referendum zur Abspaltung der Provinz werden lauter und ein Referendum ist bereits angesetzt. Um den Bruch des Landes zu verhindern, muss Carney nun ein 150 Milliarden kanadische Dollar schweres Investitionspaket in die Infrastruktur von Alberta und British Columbia pumpen. Denn allen grün-ideologischen Träumereien zum Trotz läuft ohne das flüssige schwarze Gold eben nichts.
Diese innere Notwendigkeit trifft auf eine veränderte außenpolitische Großwetterlage. Kanada positioniert sich zunehmend als unabhängiger Rohstoffgigant auf dem Weltmarkt. Erst kürzlich berichteten wir über die neue milliardenschwere Rohstoff-Allianz zwischen Kanada und Japan, die als direkte Kampfansage an die Marktdominanz Chinas zu verstehen ist. Die neue Ost-West-Pipeline passt exakt in dieses Bild. Langfristig soll sie bis an die Atlantikküste verlängert werden, um neue Exportwege nach Europa zu erschließen. Kanada macht sich trotz aller Klimawahn-Fantasien fit für eine multipolare Welt, in der natürliche Ressourcen am Ende mehr zählen als die grüne Ideologie.
Mark Carney is promoting his plans for a new Alberta oil pipeline while Ontario is ravaged by wildfires.
— Alex Cosh (@AlexCosh_) July 16, 2026
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Um sein Gesicht vor der eigenen Wählerschaft und den Klima-Lobbyisten zu wahren, greift der Premierminister tief in die PR-Trickkiste. Den indigenen Gemeinschaften wird eine direkte finanzielle Beteiligung an der Pipeline versprochen. Zudem behauptet Carney, das Projekt werde angeblich zur Reduktion von Methan-Emissionen beitragen. Als großes Zugeständnis an die Küsten-First-Nations und die Provinzregierung von British Columbia bleibt das Verbot von Öltankern an der dortigen Nordküste bestehen. Das reichte aus, um den linken Premierminister von British Columbia, David Eby, auf Linie zu bringen. Umweltverbände wittern zwar Verrat und verweisen auf historische Kostenüberschreitungen bei ähnlichen Projekten, doch für den Moment triumphiert in Ottawa die Realpolitik über die Net-Zero-Fantasien.





