Nach Milliarden-Finanzierung: Solar-Riese Enerparc ist insolvent

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Im März verkündete Enerparc noch ein Finanzierungspaket von bis zu einer Milliarde Euro und kündigte den weiteren Ausbau seiner Solarparks und Batteriespeicher an. Anfang September beantragte die Hamburger Enerparc AG Insolvenz – bei rund drei Milliarden Euro Verbindlichkeiten und Dutzenden laufenden Großprojekten. Aus der milliardenschweren Solar-Expansion wurde binnen weniger Monate ein Fall für den Insolvenzverwalter.

Am 12. März präsentierte Enerparc seine Zukunft noch in leuchtenden Farben. Ein Konsortium aus drei globalen Vermögensverwaltern und einer deutschen Landesbank stellte dem Unternehmen ein Finanzierungspaket von bis zu einer Milliarde Euro bereit. 500 Millionen Euro entfielen auf eine Junior-Finanzierung, hinzu kam ein langfristiger Projektfinanzierungsrahmen von zunächst 425 Millionen Euro, der auf 500 Millionen Euro anwachsen konnte. Nach 1,2 Gigawatt neu installierter Solarleistung allein im Jahr 2025 lag das eigene Freiflächenportfolio laut Enerparc bereits bei rund fünf Gigawatt. Für 2026 sollte der Ausbau weiter Fahrt aufnehmen.

Keine sechs Monate später war von der großen Expansion nur noch wenig zu hören. Am 7. September stellte der Vorstand der Enerparc AG beim Amtsgericht Hamburg den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Stefan Denkhaus von der Hamburger Kanzlei BRL bestellt. Enerparc verfügte zu diesem Zeitpunkt über rund 5,5 Gigawatt installierte Leistung, davon 3,8 Gigawatt bereits am Netz, und mehr als 500 Solarparks. Rund 380 Mitarbeiter der Enerparc AG sind von dem Verfahren betroffen. Der Betrieb der bestehenden Anlagen läuft vorerst weiter.

Geplatzte Finanzierung als Auslöser

Inzwischen ist auch klar, was den Solar-Riesen ins Wanken brachte. Ende Juni platzte nach Angaben des Insolvenzverwalters eine wichtige Finanzierung für Photovoltaik-Projekte mit Batteriespeichern. Das im März gefeierte Milliardenpaket war davon getrennt. Die gescheiterte Projektfinanzierung riss jedoch ein Loch in die laufende Expansion: Bereits bestellte Lieferungen und eingegangene Verpflichtungen konnten nicht mehr wie geplant finanziert werden. Nach erfolglosen Verhandlungen blieb schließlich nur der Gang zum Insolvenzgericht. Die Größenordnung ist gewaltig. Insolvenzverwalter Denkhaus bezifferte die Verbindlichkeiten von Enerparc auf rund drei Milliarden Euro. Ein erheblicher Teil entfällt auf Projektfinanzierungen. Gleichzeitig befinden sich rund 90 Projekte mit zusammen etwa 1,5 Gigawatt Leistung im Bau. Bei 14 bis 15 besonders weit fortgeschrittenen Anlagen soll nun geprüft werden, ob sie noch fertiggestellt werden können.

Die Pleite reißt bereits weitere Unternehmen aus dem Enerparc-Umfeld mit. Auch die Schwestergesellschaften Pvwerk und Sonnen Tiefbau befinden sich inzwischen in vorläufigen Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Dort sind weitere 84 Mitarbeiter betroffen. Gerade Pvwerk war als Generalunternehmer tief in die Errichtung zahlreicher Enerparc-Projekte eingebunden. Aus der Krise einer Gesellschaft ist damit innerhalb weniger Tage ein Problem für einen größeren Teil des Firmengeflechts geworden.

Die Solarbranche kollabiert

Der Absturz kommt in einer Solarbranche, die längst mit den Folgen ihres eigenen rasanten Ausbaus kämpft. Immer mehr Photovoltaikleistung drängt ausgerechnet zu jenen Stunden ins Netz, in denen die Sonne überall gleichzeitig Strom produziert. Die Börsenpreise brechen dann regelmäßig ein, zeitweise rutschen sie tief ins Minus. Netzbetreiber müssen Anlagen abregeln, Betreiber verzichten auf Produktion oder hoffen auf Speicherlösungen, die wiederum neue Milliardeninvestitionen verlangen. Inzwischen wird die Enerparc-Insolvenz in eine europäische Solarbranche eingeordnet, die zunehmend unter Netzengpässen, negativen Strompreisen und schwieriger werdenden Finanzierungsbedingungen leidet.

Für Report24-Leser kommt diese Entwicklung nicht überraschend. Bereits im September 2024 berichteten wir über den massiven Preisverfall bei Solarstrom und die wachsenden Rentabilitätsprobleme großer Anlagen. Je mehr Photovoltaik gleichzeitig produziert, desto stärker drückt das Überangebot den Marktpreis, ausgerechnet während der ertragreichsten Stunden. Für Betreiber wird damit aus steigender Stromproduktion nicht automatisch steigender Ertrag. Wenige Monate später folgte die nächste Warnlampe. Ende 2024 berichteten wir über eine Pleitewelle in der deutschen Solarbranche. Projektentwickler und Installationsunternehmen gerieten unter Druck, nachdem der jahrelange Boom immer größere Kapazitäten, hohe Vorfinanzierungen und harte Konkurrenz hervorgebracht hatte. Der politisch forcierte Solarausbau schuf zwar immer mehr Anlagen, wirtschaftliche Sicherheit lieferte er den Unternehmen damit noch lange nicht.

Im Februar dieses Jahres zeigte sich die Absurdität des Systems dann besonders deutlich: Solarparks wurden trotz Sonnenschein freiwillig abgeschaltet. Bei negativen Strompreisen konnte jede zusätzlich erzeugte Kilowattstunde zum Verlustgeschäft werden. Milliarden fließen in immer neue Erzeugungskapazitäten, während Netze und Speicher nicht im selben Tempo mitwachsen. Die Folgen sind Abregelungen, Preisverfall und immer größere Anforderungen an die Finanzierung neuer Projekte.

Die Leichenfledderei beginnt

Enerparc ist dabei kein kleiner Projektentwickler, der sich mit einigen Dachanlagen verkalkuliert hat. Mehr als 500 Solarparks, mehrere Gigawatt Leistung und Milliarden an Finanzierungen machten den Konzern zu einem Schwergewicht der europäischen Solarbranche. Der Fall zeigt auch, wie abhängig dieses Geschäft von ständig verfügbarem Kapital bleibt. Solche Projekte verschlingen enorme Summen, lange bevor die ersten dauerhaften Einnahmen fließen. Bricht mitten in der Expansion eine zentrale Finanzierung weg, geraten selbst gigantische Portfolios schnell unter Druck.

Nun beginnt der Kampf um die Reste des Solar-Imperiums. Insolvenzverwalter Denkhaus berichtet bereits von großem Interesse möglicher Käufer. Im Raum steht nach seinen Angaben bevorzugt ein Verkauf des Unternehmens als Ganzes. Unter den Interessenten befinden sich Bürgerenergiegesellschaften ebenso wie große europäische Investoren. Weil Teile der Enerparc-Anlagen als kritische Infrastruktur gelten könnten, wurde auch das Bundeswirtschaftsministerium eingeschaltet.

Im März verkündete Enerparc noch Milliarden-Finanzierungen, Rekordausbau und neue Wachstumsziele. Ein halbes Jahr später stehen rund drei Milliarden Euro Verbindlichkeiten, 90 laufende Projekte und ein Insolvenzverwalter im Zentrum. Die Solarparks produzieren zwar weiter Strom – der Konzern hinter ihnen kämpft jedoch ums Überleben.

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