Rissige Böden, ausgetrocknete Flussbetten und sinkende Pegelstände gehören längst zum festen Bilderrepertoire des Klimaalarmismus. Dürren werden dabei regelmäßig als Beleg dafür präsentiert, dass der Wandel des Klimas das Problem angeblich immer weiter verschärft. Eine neue Studie aus der Nature-Gruppe zeichnet nun ein deutlich anderes Bild: Auf mindestens 99 Prozent der untersuchten Landfläche lässt sich keine statistisch signifikante Beschleunigung der Dürreentwicklung feststellen.
Kaum ein trockener Sommer vergeht, ohne dass von neuen Extremen, historischen Rekorden oder einer sich zuspitzenden Dürrekrise die Rede ist. Regionale Trockenperioden werden dabei schnell zum Beleg einer weltweiten Entwicklung erklärt. Doch zwischen eindrucksvollen Bildern aus einzelnen Regionen und einem tatsächlich beschleunigten globalen Dürretrend liegt ein erheblicher Unterschied. Die Studie „Global drought shows no detectable recent acceleration under climate warming“ von Jiameng Xu, Xiao Zhang, Kaighin A. McColl und weiteren Forschern erschien am 11. September im Fachjournal Communications Earth & Environment. Die Wissenschaftler untersuchten die globale Dürreentwicklung von 1981 bis 2024 und überprüften ihre Ergebnisse zusätzlich anhand längerer Datenreihen bis 1950 beziehungsweise 1901.
Dabei stießen sie auf ein Problem, das von den üblichen Modellen nicht berücksichtigt wird: Die ausgewiesene Stärke eines Dürretrends hängt erheblich davon ab, wie die mögliche Verdunstung berechnet wird. Häufig kommt dafür der Standardized Precipitation Evapotranspiration Index, kurz SPEI, zum Einsatz. Neben dem Niederschlag berücksichtigt dieser auch die sogenannte potentielle Evapotranspiration – also jene Wassermenge, die unter bestimmten Bedingungen theoretisch verdunsten könnte. Die Forscher verglichen mehrere verbreitete Penman-Verfahren mit energiebasierten Modellen, die physikalische Rückkopplungen zwischen Boden und Atmosphäre stärker berücksichtigen. Das Ergebnis fiel weit auseinander. Bei Dürreschwere, Häufigkeit und Dauer lieferten die Penman-basierten Verfahren Austrocknungstrends, die mindestens sechsmal stärker waren als bei den energiebasierten Berechnungen.
Die Messmethoden entscheiden
Die Autoren verwenden dafür selbst eine bemerkenswert klare Formulierung. Penman-Methoden würden den Einfluss der potentiellen Evapotranspiration auf die ausgewiesenen Dürretrends „artificially inflate“ – künstlich aufblähen. Ein Rechenverfahren kann damit aus einer vergleichsweise moderaten Veränderung einen wesentlich dramatischeren Trend machen. Noch viel wichtiger für das verbreitete Dürre-Narrativ ist dabei der Blick auf die angebliche Beschleunigung. Mit den Penman-Verfahren zeigten 99,24 Prozent der untersuchten Landfläche weder eine statistisch signifikante Beschleunigung noch eine Verlangsamung. Eine beschleunigte Verschlechterung fand sich lediglich auf 0,23 Prozent der Fläche. Bei den energiebasierten Methoden sank dieser Anteil sogar auf rund 0,17 Prozent.
Damit bleiben bei beiden Ansätzen mindestens 99 Prozent der untersuchten Landflächen ohne messbaren Dürre-Turbo. Das gilt auch dann, wenn die Wissenschaftler weiter in die Vergangenheit zurückgehen. Weder für 1950 bis 2024 noch für 1901 bis 2024 fanden sie eine statistisch signifikante globale Beschleunigung der Dürreentwicklung. Die Wahl der Berechnungsmethode hinterlässt allerdings weiterhin deutliche Spuren. Für den Zeitraum von 1950 bis 2024 ergaben Penman-Verfahren eine jährliche Ausweitung der Dürrefläche um 0,0593 Prozent. Die energiebasierten Berechnungen kamen lediglich auf 0,0281 Prozent. Allein das verwendete Modell kann den ausgewiesenen Trend somit mehr als verdoppeln.
Kein Grund für Klimaalarmismus
Die Autoren überprüften zudem eine frühere Arbeit, die eine Beschleunigung der globalen Dürren gemeldet hatte. Dort wurde der lange Zeitraum von 1981 bis 2017 mit lediglich fünf Jahren von 2018 bis 2022 verglichen. Eine solche Wahl des Wendepunkts kann natürliche Schwankungen überbewerten und statistisch ein dramatischeres Bild erzeugen. Teilen Xu und seine Kollegen die Daten stattdessen gleichmäßig auf 1981 bis 2002 und 2003 bis 2024, dreht sich das Ergebnis sogar um: Im jüngeren Zeitraum fällt die Dürreentwicklung langsamer aus. Von einem sich immer weiter beschleunigenden globalen Dürreproblem bleibt dann wenig übrig.
Die Studie bestreitet dabei nicht, dass sich über den gesamten Zeitraum von 1981 bis 2024 ein langfristiger Trend zu trockeneren Bedingungen erkennen lässt. Doch dessen Stärke fällt je nach Methode erheblich unterschiedlich aus. Vor allem die Behauptung, dieser Trend habe sich mit der jüngeren Erwärmung zusätzlich beschleunigt, hält der statistischen Überprüfung kaum stand. Für den Klimaalarmismus ist das ein unangenehmer Befund. Dürren existieren, schwere Trockenperioden existieren und einzelne Regionen können davon massiv betroffen sein. Der oftmals vermittelte Eindruck einer weltweit immer schneller eskalierenden Dürrekrise lässt sich aus den untersuchten Daten jedoch nicht ableiten.
Und damit bleibt am Ende ausgerechnet eine unzulängliche Rechenmethode als einer der größten Verstärker des Dürre-Alarms übrig. Wenn ein verbreitetes Verfahren Austrocknungstrends um ein Vielfaches stärker erscheinen lässt, erklärt das auch einen Teil jener Schlagzeilen, in denen aus regionaler Trockenheit gleich ein weiterer Beweis einer angeblich global eskalierenden Klimakrise wird.
