„Tod für Allah ist unser höchstes Ziel“: Baerbock ehrte Hamas-Kommandeur als UN-Mitarbeiter

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Annalena Baerbock entzündete bei einer feierlichen UN-Gedenkstunde gemeinsam mit Generalsekretär António Guterres eine „ewige Flamme“ für 136 im Vorjahr ums Leben gekommene UN-Mitarbeiter. Unter den Geehrten befand sich auch Imad El Samhouri, langjähriger Lehrer und Schulleiter des Palästinenserhilfswerks UNRWA – und laut einem „Märtyrer“-Video der Kassam-Brigaden zugleich Feldkommandeur der Hamas. Nur drei Wochen später stand die ehemalige deutsche Außenministerin wieder vor den Vereinten Nationen und forderte die Welt auf, noch mehr Geld in die extrem umstrittene UN-Organisation zu pumpen.

Ein Kommentar von Heinz Steiner

Leise Trauermusik, ernste Gesichter, die Namen der Toten auf der Leinwand. Am 8. Juni gedachte die Führung der Vereinten Nationen in New York jener 136 Mitarbeiter, die 2025 ums Leben gekommen waren. 80 von ihnen arbeiteten für das UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA im Gazastreifen. UN-Generalsekretär António Guterres sprach von Menschen, die die Welt zu einem besseren Ort gemacht hätten. Neben ihm stand Annalena Baerbock, inzwischen Präsidentin der UN-Generalversammlung. Gemeinsam mit der Präsidentin des Sicherheitsrates entzündeten sie eine „ewige Flamme“ für die Verstorbenen. Und dann erschien auch der Name Imad El Samhouri.

Was man bei dieser rührseligen Inszenierung offenbar geflissentlich ignorierte: Für Samhouri existiert noch ein ganz anderes Gedenkvideo. Eines ohne Geigen und Kerzen. Darin trägt der ehemalige UNRWA-Schulleiter Kampfmontur, Waffen und Handgranaten und taucht aus Hamas-Terrortunneln auf. Der entsprechende Beitrag stammt aus dem Medienumfeld der Kassam-Brigaden selbst. Dort präsentiert die Hamas den langjährigen UN-Mitarbeiter als Feldkommandeur des Muhammad-al-Shamali-Bataillons der Rafah-Brigade.

Und Samhouri lässt in diesem Video auch wenig Zweifel daran, welchen Weg er für sich gewählt hatte. „Wir haben den Dschihad als unseren Weg gewählt“, erklärt er laut der von UN Watch veröffentlichten Übersetzung. Sein Credo: „Der Tod auf dem Wege Allahs ist unser höchstes Ziel.“ An anderer Stelle preist er die Tunnel und erklärt, der „zionistische Feind“ ahne nicht, dass die Kämpfer aus der Tiefe der Erde und aus den Trümmern auftauchen würden. Dafür brannte also die „ewige Flamme“ bei den Vereinten Nationen – für Aufrufe zur Vernichtung eines ihrer Mitgliedsstaaten.

Vormittags Pädagoge, nebenbei Hamas-Kommandeur?

Samhouri war kein Mann, der zufällig ein paar Wochen für irgendeine UN-Unterorganisation Pakete verteilte. Die palästinensische Nachrichtenagentur Safa beschrieb ihn nach seinem Tod als Schuldirektor mit einem Hochschulabschluss in Pädagogik. Er arbeitete demnach außerdem als „Talentscout“ an Schulen und vermittelte Schüler an Vereine. Am 8. Juni 2025 starb er bei einem israelischen Drohnenangriff auf sein Zelt im Gebiet Al-Mawasi bei Khan Younis. Auf den Tag genau ein Jahr später gedachten ihm die Vereinten Nationen in New York.

UN Watch dokumentiert noch wesentlich mehr. Demnach arbeitete Samhouri über viele Jahre als Lehrer und Direktor verschiedener UNRWA-Schulen. Fotos und Beiträge aus sozialen Netzwerken zeigen ihn mit Hamas-Funktionären. Die Organisation wirft ihm außerdem vor, Funktionäre der Terrororganisation in UNRWA-Schulen gebracht und dort vor Schülern auftreten gelassen zu haben. Das Hamas-Video setzt dem Ganzen nun die Krone auf: Der Mann, der bei den Vereinten Nationen als Pädagoge geführt wurde, erscheint dort als Feldkommandeur einer Terrormiliz.

Wie funktioniert so etwas über Jahre hinweg? Wie leitet jemand Schulen, arbeitet mit Kindern, bewegt sich innerhalb einer UN-Organisation – und führt gleichzeitig ein Bataillonskommando bei den Kassam-Brigaden? Hat tatsächlich niemand etwas gesehen? Niemand etwas gehört? Niemand irgendwann die recht auffällige Kombination aus Schulleiter, Sturmgewehren, Handgranaten und Terrortunneln hinterfragt? Bei der UNRWA scheinen solche Terrormiliz-Kaderkarrieren inzwischen fast schon zur Stellenbeschreibung zu gehören. Denn Samhouri steht keineswegs allein da.

Drei Tage vor Baerbocks Kerzenzeremonie platzte die nächste Bombe

Am 5. Juni, also drei Tage vor der UN-Gedenkstunde, veröffentlichte der Generalinspekteur der US-Entwicklungsbehörde USAID Ergebnisse seiner laufenden Ermittlungen gegen UNRWA-Mitarbeiter. Die amerikanische Kontrollbehörde hatte 101 aktuelle oder ehemalige Beschäftigte des Hilfswerks an das Außenministerium verwiesen, weil sie Hinweise auf eine Beteiligung am Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und/oder auf Verbindungen zu den Kassam-Brigaden gefunden hatte. Insgesamt liefen zu diesem Zeitpunkt bereits entsprechende Verfahren gegen 108 Personen. Die Liste liest sich wie eine makabre Stellenbörse.

Ein stellvertretender UNRWA-Schulleiter soll gleichzeitig stellvertretender Kompaniekommandeur der Kassam-Brigaden gewesen sein. Ein weiterer stellvertretender Schulleiter diente laut den Ermittlern als Gruppenführer. Ein Lehrer arbeitete demnach im militärischen Hamas-Geheimdienst und verfolgte die Verteilung von Sprengsätzen. Ein anderer Lehrer fungierte als Zugführer, ein weiterer als Scharfschütze. Ein Schulleiter gehörte nach Erkenntnissen der Ermittler zur Chemieabteilung der Hamas-Waffenproduktion. An seiner Schule fanden die Ermittler drei Panzerabwehrstellungen und einen Tunnelschacht.

Man könnte irgendwann auf die verrückte Idee kommen, dass das Problem bei der UNRWA doch etwas größer sein könnte als jene berühmten „Einzelfälle“, mit denen man solche Geschichten jahrelang verniedlichen wollte. Zumal es noch weitergeht. Am 11. Juni, drei Tage nach der Baerbock-Gedenkfeier, feuerte die UNRWA auf einen Schlag 70 Mitarbeiter im Gazastreifen. Die Organisation erklärte selbst, die Entscheidung folge aus einer Bewertung der Sicherheit ihrer Operationen. UNRWA betonte zugleich, die Kündigungen stellten kein Schuldeingeständnis gegenüber konkreten Vorwürfen dar.

Allein die zeitliche Abfolge ist grotesk: Am 5. Juni meldete eine amerikanische Ermittlungsbehörde mehr als 100 UNRWA-Leute mit mutmaßlichen Hamas-Verbindungen beziehungsweise möglicher Beteiligung am 7. Oktober. Am 8. Juni entzündete die UN-Spitze ihre „ewige Flamme“, während sie auch eines Mannes gedachte, den die Kassam-Brigaden selbst als Feldkommandeur und Judenmörder präsentiert hatten. Am 11. Juni setzte die UNRWA 70 Leute vor die Tür. Und Ende Juni trat Annalena Baerbock ans Rednerpult. Und was forderte sie wohl? Mehr Geld für die „armen Palästinenser“, was sonst.

Baerbock: Bitte noch mehr Millionen für UNRWA

Am 30. Juni leitete Baerbock die UNRWA-Geberkonferenz in New York. Gerade 25 Tage lagen zwischen der Veröffentlichung der amerikanischen Ermittlungen und ihrer Rede. Gerade 19 Tage waren vergangen, seit UNRWA 70 Mitarbeiter entlassen hatte. Baerbock appellierte an Regierungen, Stiftungen, Unternehmen und Privatpersonen, ihre Beiträge für die UNRWA „dringend zu erhöhen“. Die Schulen müssten weiterfinanziert, zerstörte Einrichtungen wieder aufgebaut und die Organisation am Leben gehalten werden. Und zum Abschluss setzte sie noch einen drauf: Bis zur Gründung eines palästinensischen Staates dürfe man „niemals aufhören, die UNRWA zu unterstützen“. Ja, wirklich.

Mehr als 100 UNRWA-Mitarbeiter wurden von amerikanischen Ermittlern wegen möglicher Beteiligung am 7. Oktober oder Verbindungen zum militärischen Hamas-Flügel enttarnt. Die eigene Organisation entlässt 70 Mitarbeiter nach einer Sicherheitsbewertung. Ein langjähriger Schulleiter taucht im Hamas-Märtyrervideo als Feldkommandeur aus einem Tunnel auf. Und Annalena Baerbock ruft: Wir brauchen mehr Geld!

Dass Deutschland bei der UNRWA seit Jahren tief im Geschäft steckt, macht die Sache nicht besser. Allein 2023 überwies die Bundesregierung 206,5 Millionen Euro an die UNRWA, davon 130,5 Millionen aus dem Auswärtigen Amt. Nach den ersten Enthüllungen über mögliche Beteiligungen von UNRWA-Mitarbeitern am Hamas-Massaker stoppte Berlin Anfang 2024 vorübergehend neue Zusagen für Gaza. Schon wenige Monate später nahm die Bundesregierung die Zusammenarbeit wieder auf, nachdem die sogenannte Colonna-Kommission Reformvorschläge vorgelegt hatte.

UN Watch rechnet für Baerbocks Amtszeit als Außenministerin rund 570 Millionen Euro deutscher Zahlungen an die UNRWA zusammen. Deutschland gehörte damit zu den größten Geldgebern des Hilfswerks. Ausgerechnet der Staat, der das „Nie wieder“ zum moralischen Leitmotiv erhoben hat, überwies Millionen an eine Organisation, in deren Reihen Lehrer und Schulleiter zugleich als Hamas-Kommandeure auftauchen. Und während diese Verbindungen immer deutlicher werden, verkauft Berlin die Zahlungen weiter als „humanitäre Hilfe“.

Eigentlich wäre jetzt die Frage fällig, warum deutsche Millionen jahrelang in ein Hilfswerk flossen, in dem Hamas-Kommandeure offenbar unbehelligt Karriere machen konnten. Baerbock interessiert sich jedoch viel mehr dafür, wie man den Geldhahn weiter aufdreht. Neue Enthüllungen, neue Verdachtsfälle, neue Entlassungen – und aus Berlin kommt zuverlässig dieselbe Reaktion: mehr Geld für die UNRWA und damit auch für die Terrorstrukturen im Gazastreifen.

Und wie kam diese Frau eigentlich an die Spitze der UN-Generalversammlung?

Spätestens hier drängt sich eine weitere Frage auf: Wie landet eine Annalena Baerbock eigentlich auf einem der prestigeträchtigsten Posten der Vereinten Nationen? Die Antwort ist fast noch schöner als die Kerzenzeremonie. Denn Deutschland hatte ursprünglich eine andere Kandidatin: Helga Schmid. Keine grüne Parteipolitikerin auf der Suche nach einer gut bezahlten Anschlussverwendung, sondern eine international erfahrene Spitzendiplomatin. Schmid leitete unter anderem den Europäischen Auswärtigen Dienst als Generalsekretärin, verhandelte jahrelang in internationalen Krisenformaten und stand später als Generalsekretärin an der Spitze der OSZE. Die Bundesregierung nominierte sie bereits im Juli 2024 für den Vorsitz der UN-Generalversammlung.

Dann kam Annalena Baerbock. Im März 2025 zog die scheidende Bundesregierung Schmids Kandidatur faktisch zurück und setzte Baerbock auf ihren Platz. Selbst der frühere deutsche UN-Botschafter Christoph Heusgen nannte diesen politisch motivierten Postenschacher damals eine „Unverschämtheit“. Bei der Regierungspressekonferenz stellte ein Journalist daraufhin eine eigentlich ziemlich einfache Frage: Welche höhere Qualifikation bringt Baerbock gegenüber Helga Schmid mit? Das Auswärtige Amt hätte nun aufzählen können, welche eventuell vorhandenen diplomatischen Fähigkeiten, internationalen Verhandlungserfolge oder besonderen Qualifikationen (hier gibt es eine Sammlung der rhetorischen Höhepunkte der Grünen-Politikerin auf Youtube) für Baerbock sprachen. Dies tat es aber nicht. Offensichtlich wollte man sich selbst nicht blamieren, zumal der Begriff „Kompetenz“ in der deutschen Politik mittlerweile ohnehin eher ein Karrierehindernis zu sein scheint.

Stattdessen erklärte Sprecher Sebastian Fischer, Baerbocks Nominierung sei ein „besonderes Zeichen“ und unterstreiche das deutsche Bekenntnis zu den Vereinten Nationen. Zugleich lobte er Helga Schmid ausdrücklich als „hoch qualifizierte und angesehene Diplomatin“. Der Journalist fragte noch einmal. Wieder kam keine Antwort darauf, welche fachliche Qualifikation Baerbock gegenüber Schmid eigentlich auszeichnete. Stattdessen verwies Fischer auf angeblich positives Feedback aus dem Ausland. Das „besondere Zeichen“ hat Deutschland inzwischen bekommen.

Noch aufschlussreicher wird die Geschichte, wenn man weiß, wie Baerbocks Wahl überhaupt zustande kam. Der Vorsitz der UN-Generalversammlung rotiert zwischen fünf Regionalgruppen. Deutschland gehört zur Gruppe der westeuropäischen und anderen Staaten, der WEOG. Schon Mitte der 2010er-Jahre hatte diese Gruppe vereinbart, dass Deutschland 2025/2026 den Vorsitz erhalten sollte. Berlin musste also nicht erst in einem großen internationalen Wettbewerb durch Annalena Baerbocks überragende diplomatische und rhetorische Fähigkeiten überzeugen. Deutschland war an der Reihe. Die Bundesregierung musste lediglich entscheiden, wen Deutschland nach New York schickt. Sie hatte eine bestens ausgebildete Spitzendiplomatin (mit übrigens sehr guten Englisch-Sprachkenntnissen). Doch sie schickte Baerbock.

Bei der anschließenden geheimen Wahl erhielt sie 167 Stimmen. Sieben Staaten schrieben demonstrativ den Namen der längst nicht mehr kandidierenden Helga Schmid auf ihren Stimmzettel, 14 enthielten sich. Selbst bei einer Wahl, bei der es faktisch keine offizielle Gegenkandidatin gab, wollten also 21 Delegationen Baerbock ihre Stimme nicht geben. Noch besser ist die Nicht-Antwort der damaligen Bundesregierung auf die Frage, wer eigentlich auf die Idee gekommen war, Schmid gegen Baerbock auszutauschen. Das wollte das Auswärtige Amt nämlich partout nicht sagen. Es sei eine Entscheidung der Bundesregierung gewesen. Nachfrage: Von wem konkret? Das Bundeskabinett sei ein Kollegialorgan. Nachfrage: Ging der Vorschlag von Baerbock selbst aus? Wieder: Entscheidung der Bundesregierung. Menschen treffen Entscheidungen und machen entsprechende Vorschläge – und nicht etwa irgendwelche Gebäude und ebenso keine abstrakten „Kollegialorgane“. Nur wollte offenbar niemand seinen Namen mit dieser Entscheidung in Verbindung gebracht sehen. Das sagt doch eigentlich schon alles aus.

Deutschland wollte ein „politisches Zeichen“ – bitteschön

Vielleicht sollte man dem Auswärtigen Amt im Nachhinein dankbar sein. Es hat Baerbocks Entsendung damals als „besonderes Zeichen“ bezeichnet. Eine interessante Wortwahl: Ein Kind mit Lernschwierigkeiten bzw. Autismusstörungen wird im englischsprachigen Raum auch gerne als „special child“ – besonderes Kind – bezeichnet. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Deutschland entfernte eine hochangesehene Berufsdiplomatin von einem Posten, für den sie bereits nominiert war, und ersetzte sie durch eine scheidende grüne Außenministerin, deren Ministerium nicht einmal erklären konnte, worin deren höhere fachliche Qualifikation bestehen sollte. Die Regionalgruppe hatte Deutschland den Vorsitz ohnehin Jahre zuvor zugesagt. Politische Beziehungen erledigten den Rest. Und dann steht dieses ganz „besondere Zeichen“ bei den Vereinten Nationen vor einer ewigen Flamme und gedenkt eines UNRWA-Schulleiters, den die Hamas anschließend in ihrem eigenen Propagandavideo als Feldkommandeur präsentiert.

Das an sich wäre ja eigentlich schon peinlich genug. Doch Baerbock wäre nicht Baerbock, wenn sie es dabei belassen hätte. Wenige Wochen später stellte sie sich wieder ans UN-Pult und verlangte mehr Geld für dieselbe Organisation. Mehr als 100 Verdachtsfälle bei amerikanischen Ermittlern? 70 Entlassungen? Hamas-Kommandeure und Judenmörder unter den Pädagogen? Das ist offenbar kein Grund, die Staatskassen einmal geschlossen zu lassen.

Die UNRWA muss erklären, wie ein Hamas-Feldkommandeur jahrelang Kinder unterrichten und Schulen leiten konnte. Die Vereinten Nationen müssen erklären, wie dieser Mann anschließend auch noch in ihre offizielle Totenehrung geriet. Und die deutsche Politik darf irgendwann erklären, warum sie für diesen Posten eine erfahrene Spitzendiplomatin beiseiteschob, um ausgerechnet Annalena Baerbock nach New York zu schicken. Und beim nächsten Entzünden einer „ewigen Flamme“ könnte man dort vielleicht vorher kurz nachsehen, für wen diese eigentlich brennt.

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