Tierseuche: „Regenfäule“ breitet sich in Europas Sex-Saunen aus

(C) Report24/KI

Eine Hautkrankheit, die bislang vor allem Rinder, Pferde und andere Tiere plagte, hat offenbar einen neuen Weg gefunden: den Menschen. Seit Ende 2025 häufen sich in Europa Infektionen mit Dermatophilus congolensis – inzwischen sprechen die Daten für Übertragungen von Mensch zu Mensch. Besonders auffällig: Ein großer Teil der Fälle stammt aus dem Umfeld von Sex-Saunen.

„Regenfäule“ klingt beinahe harmlos. Pferdehalter kennen das Bakterium Dermatophilus congolensis dagegen als Erreger einer unangenehmen Hautkrankheit mit entzündeten, nässenden und verkrusteten Stellen. Menschen waren bislang nur selten betroffen, meist nach engem Kontakt mit infizierten Tieren. Doch seit einigen Monaten passt dieses alte Muster immer weniger zu dem, was Ärzte mitten in europäischen Großstädten beobachten. Barcelona, Lyon, Paris, Berlin: Männer erscheinen mit juckenden Knötchen, Pusteln, Krusten und entzündeten Haarwurzeln beim Arzt. Betroffen sind unter anderem Genitalbereich, Leisten, Oberschenkel und Bartregion. Kontakt mit Rindern oder Pferden? Fehlanzeige. Stattdessen taucht bei den Ermittlungen immer wieder ein anderer Ort auf: Saunen und Einrichtungen, in denen sexuelle Kontakte stattfinden.

In Barcelona untersuchten Mediziner neun Fälle zwischen Dezember 2025 und März 2026. Sämtliche Patienten waren Männer, die Sex mit Männern hatten. Alle hatten in der Woche vor Auftreten der Beschwerden Einrichtungen für sexuelle Begegnungen besucht, acht davon eine Sauna. Keiner berichtete von Kontakt mit Nutztieren oder Wildtieren. Bei zwei Männern hatten außerdem Sexualpartner ähnliche Symptome. Die Forscher kommen in ihrer im Fachjournal Emerging Infectious Diseases veröffentlichten Arbeit zu dem Schluss, dass Epidemiologie, Krankheitsbild und Genomanalysen eine Übertragung von Mensch zu Mensch bei sexuellen Kontakten stützen. Auch in Frankreich stießen Ärzte auf dasselbe Muster. In Lyon und Paris wurden innerhalb von nur zwei Monaten neun genetisch miteinander verbundene Infektionen festgestellt. Wieder fanden sich gemeinsame sexuelle Expositionen. Die nahezu identischen Erreger und die epidemiologischen Verbindungen sprechen nach Einschätzung der Forscher stark für Übertragungen zwischen Menschen.

Der Erreger reist mit den Infizierten durch Europa

Was zunächst wie ein kurioser lokaler Ausbruch aussah, zog anschließend quer durch Europa. Am 20. August meldete das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten, ECDC, bereits 126 bestätigte Fälle in zehn europäischen Staaten: Österreich, Dänemark, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Norwegen, Spanien, Schweden, der Schweiz und Großbritannien. Gegenüber der Risikobewertung vom Juni waren vier weitere Länder hinzugekommen. Deutschland war schon früh mit dabei. Anfang Juni waren laut ECDC 17 Fälle bekannt, vor allem in Berlin und Brandenburg. Bei zehn Patienten lagen nähere Angaben vor: Alle waren Männer, die Sex mit Männern hatten, und alle berichteten von Saunabesuchen während der möglichen Inkubationszeit. Neun hatten entsprechende Einrichtungen in Deutschland besucht, einer in Spanien. Ähnlich wie schon bei den Affenpocken scheint der europäische Schwulensextourismus die länderübergreifende Verbreitung der Infektion zu fördern.

Besonders auffällig wird das Bild bei der Genanalyse. Erregerproben aus mehreren europäischen Staaten sind eng miteinander verwandt. Bei untersuchten spanischen und französischen Proben fanden die Wissenschaftler teilweise überhaupt keine Unterschiede bei den verglichenen Einzelmutationen. Ältere Rinderisolate lagen dagegen genetisch weit entfernt. Das spricht für zusammenhängende Infektionsketten unter Menschen. Die Forscher aus Barcelona beschreiben die untersuchten Erreger sogar als bislang nicht bekannte Linie innerhalb der Gattung Dermatophilus. Ob sich das Bakterium bereits dauerhaft an den Menschen angepasst hat, ist offen. Wo diese Linie ursprünglich aus dem Tierreich auf den Menschen übersprang, ist bislang unbekannt.

Für den Erreger könnten die Bedingungen in Saunen nahezu ideal sein: Wärme, Feuchtigkeit, nackte Haut und enger Körperkontakt. Das ECDC betrachtet direkten Haut-zu-Haut-Kontakt inzwischen als wahrscheinlichsten Übertragungsweg. Auch kontaminierte Oberflächen sind als Infektionsquelle weiterhin nicht ausgeschlossen. Sex ist allerdings nicht der einzige Übertragungsweg. In Norwegen wurden auch Infektionen unter Kampfsportlern bekannt. Das passt zum vermuteten Mechanismus: enger Hautkontakt, Schweiß, Feuchtigkeit und gemeinsam genutzte Flächen.

Die bisherigen Fälle verliefen überwiegend mild. Typisch sind Pusteln, Papeln, schuppige oder verkrustete Hautstellen sowie entzündete Haarfollikel. Die meisten Patienten erholten sich nach örtlicher oder oral verabreichter Antibiotikatherapie, einzelne Fälle heilten auch ohne Behandlung aus. Für die Allgemeinbevölkerung stuft das ECDC das Risiko weiterhin als sehr gering ein. Ungewöhnlich bleibt die Entwicklung trotzdem: Ein Erreger, der über Jahrzehnte hauptsächlich als Tierproblem galt, bildet plötzlich genetisch eng verwandte Infektionsketten unter Menschen in mehreren europäischen Ländern. Und ausgerechnet dort, wo Wärme, Feuchtigkeit und intensiver Hautkontakt zum Geschäftsmodell gehören, scheint er besonders leicht weiterzukommen: in Europas Sex-Saunen.

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