Der sogenannte „Friedensvertrag“ Mitte Juni brachte nur eine kurze Atempause. Denn der Schiffsverkehr durch die strategisch kritische Straße von Hormus bricht wieder dramatisch ein. Der Waffenstillstand – wenn man ihn überhaupt so nennen konnte – erweist sich als brüchiges Zweckkonstrukt, und das Nadelöhr der Weltwirtschaft bleibt weiterhin nicht frei befahrbar.
Das Mitte Juni großspurig verkündete „Friedensabkommen“ zwischen den USA und dem Iran erweist sich erwartungsgemäß als wertloses Papier. Nach aktuellen Daten des Joint Maritime Information Center liegt der Schiffsverkehr in der Meerenge bei mageren 24 Prozent des Vorkriegsniveaus. Da nützt es auch nichts, wenn US-Kriegsschiffe versuchen, Frachter zu eskortieren. Die Reeder haben einfach keine Lust darauf, ihre Besatzungen und Schiffe im Kugelhagel zu verheizen.
Dazu kommt der finanzielle Ruin durch die Hintertür: Reuters berichtet, dass Versicherungsunternehmen den Reedereien bereits dringend von Fahrten durch die Straße von Hormus abraten. Die Versicherungsprämien für Schiffe im Golf sind binnen kürzester Zeit von zwei auf drei Prozent des gesamten Schiffswerts hochgeschossen. Hinter den Kulissen fordern einige Versicherer sogar schon fünf Prozent. Das bedeutet im Klartext: Die Straße ist theoretisch vielleicht offen, aber praktisch will dort kaum eine Reederei mehr durchfahren. Es ist einfach zu gefährlich.
Dass die Lage eskaliert, liegt auch an den jüngsten Entwicklungen in Washington und Teheran. Donald Trump erklärte den ohnehin wackeligen Deal vor wenigen Tagen offiziell für beendet, weil das iranische Militär weiterhin Schiffe und Nachbarländer attackiert. Prompt folgten US-Luftschläge auf iranische Stellungen, darunter die Luftwaffenbasis Iranshahr. Die Mullahs ließen sich nicht zweimal bitten und attackierten im Gegenzug Stützpunkte in den US-Partnerstaaten Kuwait und Jordanien.

Allerdings konnten die amerikanischen Angriffe auf rund 90 iranische Militäreinrichtungen – darunter Küstenradarstationen, Anti-Schiffs-Raketenbatterien, Drohnenstartpositionen, Kommandozentren und Marinebasen der Iranischen Revolutionsgarden – offensichtlich nichts gegen die anhaltende Kontrolle Teherans über die Meerenge tun. Denn dem radikalislamischen Mullah-Regime genügt es schon, immer wieder erfolgreich Schiffe zu beschießen, um den Schiffsverkehr effektiv lahmzulegen. Und diese Nadelstich-Taktik funktioniert offensichtlich. Während Saudi-Arabien und der Oman ihre Ölexporte über alternative Routen umleiten können, sitzen Katar, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate in der Falle. Die kommenden Wirtschaftsdaten für das zweite Quartal dürften das ganze Ausmaß des Schadens für die Golfstaaten offenlegen.
Als Vorwand für den Bruch des Waffenstillstands nutzt der Iran die Situation im Libanon. Teheran versucht, die Schuld auf Jerusalem abzuwälzen. Doch die Realität sieht anders aus, als es die Moslem-Propaganda den Menschen im Westen verkaufen möchte: Israel verteidigt sich im Südlibanon konsequent gegen den anhaltenden Terror der Hisbollah und fordert deren vollständige Zerschlagung, bevor ein Truppenabzug denkbar ist. Für Premierminister Benjamin Netanjahu hat die Sicherheit der eigenen Bevölkerung oberste Priorität.
Allerdings wächst in Israel der innenpolitische Druck. Zehntausende evakuierte Bürger können seit Monaten nicht in ihre Häuser an der Nordgrenze zurückkehren und verlangen vom Staat eine endgültige und funktionierende Sicherheitsgarantie gegen den Raketenbeschuss. Eine aktuelle Umfrage des Senders Channel 13 verdeutlicht die angespannte Lage: Die neue „Yashar“-Partei des ehemaligen IDF-Generalstabschefs Gadi Eisenkot konnte in den Umfragen stark zulegen. Die israelischen Wähler priorisieren im Hinblick auf die für Ende Oktober erwarteten Wahlen zwar weiterhin kompromisslose Sicherheit, fordern aber eine klare, zukunftsfähige Strategie gegen die Bedrohung an den Grenzen.
Die Lage im Nahen Osten bleibt damit weiterhin volatil und auf einem kritischen Niveau. Es stellt sich jedoch auch die Frage, wie lange die Märkte die Ölpreise angesichts dieser Entwicklungen weiterhin auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau von unter 80 Dollar je Barrel halten können. Denn trotz einiger Ausweichrouten und Förderzuwächsen bei anderen Ölproduzenten fehlt ein Großteil der Lieferungen über die Straße von Hormus auf dem Weltmarkt – ebenso wie ein erheblicher Teil der Versorgung aus Russland, dessen Ölindustrie unter Beschuss durch ukrainische Drohnen steht.






