Sanktions-Heuchelei: EU importiert so viel russisches LNG wie nie zuvor

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Während die europäischen Politiker immer mehr Sanktionspakete gegen Russland verhängen, sieht man tatenlos zu, wie sich die europäischen Energieversorger mit Rekordmengen an russischem Flüssiggas eindecken. Denn in wenigen Monaten wird auch das nicht mehr erlaubt sein – trotz der Hormus-Krise und fehlenden Lieferungen aus dem Persischen Golf.

Die politische Rhetorik aus Brüssel klang in den letzten Jahren stets entschlossen: Man wolle sich so schnell wie möglich aus der Abhängigkeit von russischer Energie befreien und Moskau wirtschaftlich austrocknen. Die Realität im ersten Halbjahr 2026 zeichnet jedoch ein völlig anderes Bild. Statt eines konsequenten Rückzugs erleben wir derzeit einen historischen Importrekord. Die Europäische Union hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gigantische 9,97 Millionen Tonnen verflüssigtes Erdgas (LNG) im Wert von rund 5,96 Milliarden Euro aus der russischen Yamal-Anlage importiert. Das entspricht einer Steigerung von ordentlichen 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Offenbar versuchen europäische Abnehmer, ihre Speicher vor den drohenden Verboten noch einmal maximal mit russischem Gas zu füllen.

Die Zahlen des Analysedienstes Kpler entlarven das Brüsseler Narrativ der angeblichen Unabhängigkeit von russischem Erdgas. Europäische Einkäufer haben im ersten Halbjahr 2026 über 97 Prozent der gesamten Produktion der sibirischen Yamal-Anlage aufgesaugt. Von einer echten Abkehr kann also keine Rede sein. Auch insgesamt stiegen die EU-Importe von russischem LNG im Jahresvergleich um elf Prozent, während die Lieferungen über Pipelines demnach um sieben Prozent zulegten.

Als Begründung für diesen massiven Hunger nach arktischem Gas müssen unter anderem Lieferengpässe im Nahen Osten herhalten. Blockaden in der Straße von Hormus und Schäden an der katarischen Infrastruktur zwangen die europäischen Einkäufer dazu, auf die leicht verfügbaren russischen Ressourcen zurückzugreifen. Zwar trat am 25. April 2026 im Rahmen der REPowerEU-Gasverordnung ein Verbot für kurzfristige russische LNG-Importe in Kraft, doch dieses Regelwerk ist wie gewohnt von Schlupflöchern durchsiebt. Zahlreiche Ausnahmeregelungen erlauben es den Konzernen, ihre Importe vor dem endgültigen Stichtag am 1. Januar 2027 sogar noch zu beschleunigen. Auch beim Pipeline-Gas zeigt sich ein ähnliches Bild: Während kurzfristige Altverträge Mitte Juni 2026 ausliefen, sind langfristige Verträge gesetzlich noch bis Ende September 2027 erlaubt.

An der Spitze der LNG-Abnehmer stehen ausgerechnet jene westeuropäischen Staaten, die sich moralisch oft besonders lautstark positionieren. Frankreich, Belgien und Spanien sichern sich die größten Mengen aus der Yamal-Anlage. Beim Pipeline-Gas bleibt Ungarn über die TurkStream-Leitung der größte Abnehmer. Die geopolitische Realität zwingt vor allem die osteuropäischen Staaten zu pragmatischen Lösungen abseits der Brüsseler Ideologie. Ungarn und die Slowakei beziehen weiterhin russisches Rohöl über den südlichen Arm der Druschba-Pipeline, da sie Ausnahmegenehmigungen vom EU-Embargo besitzen.

Wie anfällig diese Versorgung im immer noch andauernden Ukraine-Konflikt ist, zeigte sich unlängst, als ein ukrainischer Luftangriff die Pipeline beschädigte und den Ölfluss für fast drei Monate komplett lahmlegte. Beide Länder mussten auf Notfallreserven und alternative Routen wie die kroatische Adria-Pipeline ausweichen. Um sich gegen künftige Sabotagen und Ausfälle abzusichern, haben Budapest und Bratislava nun gehandelt. Sie vereinbarten den Bau einer neuen, 127 Kilometer langen Pipeline, die künftig raffinierte Ölprodukte direkt zwischen ihren jeweiligen Großraffinerien transportieren soll.

Dennoch wird die Versorgungssicherheit der EU unter der weiteren Verschärfung der Energiesanktionen gegen Russland leiden. Denn im Iran-Konflikt ist noch lange kein Ende in Sicht, ebensowenig im Ukraine-Krieg. Und neue Energieinfrastrukturen bauen sich nicht einfach so in wenigen Monaten auf. Russland bringt seine Flüssiggaslieferungen auch ohne die Europäer auf den internationalen Märkten an den Mann, zumal es an Bedarf nicht mangelt.

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