Ein „ganz blödes Missgeschick“: Der Südwestrundfunk (SWR) hat einem Mann aus dem Kreis Böblingen (Baden Württemberg) eine Nachzahlungsforderung über exakt 1.042.026 Euro geschickt – obwohl dieser lediglich rund 600 Euro an Rundfunkbeiträgen schuldet.
Walter S. gehört zu den sogenannten Beitragsverweigerern. Seit April 2023 zahlt er bewusst keinen Rundfunkbeitrag mehr. Die tatsächlichen Rückstände beliefen sich nach Angaben des SWR bislang auf etwa 600 Euro. Im Rahmen des laufenden Vollstreckungsverfahrens versandte der Beitragsservice in Köln jedoch im Auftrag des SWR ein Schreiben an das Amtsgericht Böblingen – mit einer millionenschweren Forderung. „Die Forderung von 1.042.026,00 Euro besteht vollumfänglich“, hieß es in dem Vollstreckungsschreiben wörtlich. Ein Gerichtsvollzieher sollte die Summe eintreiben. Die Organisation „Beitragsstopper“ machte den Fall öffentlich, die „Stuttgarter Zeitung“ berichtete zuerst darüber. Beitragsgegner warnten vor einer „existenzbedrohenden Lage“ für den Baden-Württemberger.
Der SWR hat den Fehler inzwischen eingeräumt. Referatsleiter Nikos Seele bezeichnete den Vorfall gegenüber der Stuttgarter Zeitung als „ganz blödes Missgeschick“. Die ausgewiesene Summe liege „weit weg vom ursprünglichen Betrag“. Auch der Beitragsservice bestätigte die Echtheit des Schreibens. Wie die horrende Summe zustande kam, konnte noch nicht geklärt werden. Es soll sich um einen Bearbeitungsfehler, also um menschliches Versagen, handeln – ein IT- oder Datenbankfehler werde ausgeschlossen.
„Eine abschließende Rekonstruktion des genauen Fehlerhergangs ist uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Der Sachverhalt wird in dem zuständigen Bereich und mit der betroffenen Person intern aufgearbeitet“, erklärte Beitragsservice-Sprecher Dennis Sponholz. Die 600 Euro muss Walter S. trotz der Panne bezahlen: Die Vollstreckung wegen der rückständigen Rundfunkbeiträge wird weitergeführt – eine Kulanzregelung ist rechtlich nicht vorgesehen.
Nach Angaben des Beitragsservice gibt es bundesweit rund 47 Millionen Beitragskonten. Davon befinden sich derzeit etwa 3,7 Millionen Konten in Mahnverfahren und für rund 1,6 Millionen laufen Vollstreckungsersuche. Das entspricht einem Anteil von fast acht Prozent aller Konten.
