In Großbritannien wurden 2025 laut einer aktuellen Auswertung des Versicherers QBE 212 Brände registriert, bei denen Photovoltaikanlagen beteiligt waren. Der Versicherer errechnet gegenüber 2022 einen Anstieg um 133 Prozent und verweist vor allem auf Probleme mit Kabeln, Steckverbindungen und der Installation. Während Europas Regierungen immer mehr Solartechnik auf Dächern und Freiflächen sehen wollen, hinkt ausgerechnet die Erfassung der damit verbundenen Brandfälle hinterher – in Deutschland arbeitet man teilweise noch mit Daten, die mehr als ein Jahrzehnt alt sind.
Eine Abfrage des Versicherers QBE bei britischen Feuerwehren liefert Zahlen, die schlecht zur Werbung für den Solarausbau passen. Für 2025 wurden 212 Brandfälle mit Beteiligung von Photovoltaikanlagen gemeldet. In der aktuellen Auswertung weist QBE für 2022 noch 91 Fälle aus, für 2023 waren es 131 und für 2024 bereits 155. Daraus errechnet der Versicherer innerhalb von drei Jahren einen Anstieg um 133 Prozent. Die Zahl der installierten Anlagen wuchs nach den von QBE herangezogenen Regierungsdaten im selben Zeitraum von rund 1,27 auf 1,93 Millionen – um etwa 52 Prozent. QBE spricht deshalb davon, dass die gemeldeten Brandfälle mehr als doppelt so schnell zugenommen hätten wie der Anlagenbestand. Die Rechnung stammt aus der Feuerwehrauswertung des Versicherers und ist keine vollständige nationale Brandstatistik. Die 212 gemeldeten Fälle des Jahres 2025 stehen dennoch im Raum.
Der britische Telegraph titelte mit mehr als 200 beschädigten Wohnhäusern. In der QBE-Auswertung finden sich für 2025 allerdings 102 Brände an Wohngebäuden. Weitere 48 Fälle betrafen Gewerbeobjekte, 14 Industriegebäude, hinzu kamen Brände auf Solarparks und an anderen Standorten. An der eigentlichen Geschichte ändert das wenig: Innerhalb eines Jahres mussten britische Feuerwehren mehr als 200-mal zu Bränden mit Beteiligung von Photovoltaikanlagen ausrücken.
Kabel, Stecker und Montagefehler
Bei den Ursachen landet man sehr schnell bei Verkabelung, Steckverbindungen, Komponenten und Montagequalität. QBE nennt für 2025 in 49 Fällen Gleichstromleitungen oder Steckverbindungen als Ursache. 2024 waren es 26 gewesen. Danach folgen die Solarmodule selbst mit 36 Fällen, Batteriespeicher mit 23 und Wechselrichter mit 19. QBE-Risikomanager Adrian Simmonds warnt vor losen Verbindungen, beschädigten Leitungen und fehlerhafter Verkabelung. Solche Mängel können Lichtbögen und erhebliche Hitze entwickeln. Auf einem Dach reicht irgendwann ein kleiner Fehler, um ein sehr großes Problem zu erzeugen.
Auch die Brandausbreitung nahm in der QBE-Auswertung kräftig zu. 2022 griffen 33 Feuer von der Solaranlage auf andere Gebäudeteile über, 2025 waren es bereits 88. Hinzu kommen immer häufiger Batteriespeicher mit Lithium-Ionen-Zellen. Gerät ein solcher Speicher thermisch außer Kontrolle, steigt der Aufwand für die Feuerwehr erheblich. Das Feuer kann lange anhalten und selbst nach scheinbarer Löschung erneut aufflammen. Dasselbe Problem kennt man bereits zur Genüge von Elektrofahrzeugen.
Die britische Erhebung erfasst Brände, bei denen Photovoltaikanlagen beteiligt waren. Ob die Anlage jeweils selbst den Brand ausgelöst hat, geht daraus nicht in jedem Fall hervor. Doch eben deshalb braucht es eine saubere Brandursachenermittlung und vergleichbare Statistiken. Großbritannien sammelt wenigstens aktuelle Daten zu solchen Bränden. Im ansonsten so Daten- und Statistikverliebten Deutschland sieht die Sache deutlich dürftiger aus.
Deutschland: Millionen Anlagen, Branddaten aus der Merkel-Zeit
Mehr als fünf Millionen Solaranlagen waren in Deutschland bereits im Frühjahr 2025 registriert. Der Ausbau wird akribisch vermessen. Die Bundesnetzagentur weiß, wie viel Leistung neu installiert wurde, wo sie ans Netz ging und wie sich die Ausbaukurve entwickelt. Wer wissen möchte, wie viele Brände jährlich tatsächlich von Photovoltaikanlagen ausgehen, landet dagegen erstaunlich schnell bei extrem veralteten Zahlen. Aktuelle bundesweite Daten fehlen. Noch immer wird regelmäßig eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme und des TÜV Rheinland herangezogen, die 2013 veröffentlicht wurde und Brandfälle bis 2012 untersuchte. Während der deutsche PV-Bestand inzwischen in die Millionen gegangen ist und Solartechnik auf Hausdächer, Gewerbehallen, Fassaden, Balkone und Freiflächen wandert, stammt ein wesentlicher Teil der verfügbaren Branddaten aus einer völlig anderen Ausbauphase.
Wie alt diese Datengrundlage ist, zeigt eine 2025 im Journal of Energy Storage veröffentlichte Untersuchung mit dem Titel „Quantitative fire likelihood assessment of battery home storage systems in comparison to general house fires in Germany and other battery related fires„. Auch diese Arbeit muss für PV-Brände in Deutschland weiterhin auf die alten Fraunhofer-Daten zurückgreifen. Aus diesem Material errechnen die Autoren für eine durchschnittliche private Anlage mit neun Kilowatt Spitzenleistung ein jährliches Brandrisiko von etwa 0,0014 Prozent.
Diese historische Zahl ist niedrig. Nur hat der deutsche Markt von heute mit dem Solarmarkt von damals immer weniger gemeinsam. Millionen zusätzliche Anlagen, immer mehr Speicher, enormer Preisdruck und ein Installationsboom haben die Branche verändert. Bei den damaligen Brandfällen entfielen rund drei Viertel der Ursachen auf Module, Wechselrichter und Steckverbindungen. Und diese Bereiche tauchen auch in den aktuellen britischen Zahlen wieder auf. Doch während Berlin jedes neue angeschlossene Kilowatt an Nennleistung zählt, reichen bei den Bränden mit PV-Beteiligung offenbar Daten aus der Merkel-Zeit.
Niederösterreich zeigt, wo es brennt
Österreich liefert zumindest regional ein deutlich klareres Bild. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit ging 2024 von rund 390.000 PV-Anlagen im Land aus. E-Control erfasste Ende 2025 bei 60 Verteilernetzbetreibern 533.510 PV-Zählpunkte; allein innerhalb eines Jahres kamen mehr als 62.000 hinzu. Der Markt wächst rasant. Damit wächst auch die Bedeutung der Frage, wer diese Anlagen montiert und welches Material dabei verbaut wird. Die Landesstelle für Brandverhütung Niederösterreich dokumentierte seit 2019 insgesamt 27 Brandfälle bei Photovoltaikanlagen: 17 an Wohngebäuden, acht an Gewerbeobjekten und zwei in der Landwirtschaft. Ende August 2025 waren dort rund 145.000 Anlagen in Betrieb. Die absolute Zahl hält sich in Grenzen. Die Ursachen sind wesentlich aufschlussreicher.
Leiter Günther Harsch nennt vor allem mangelhafte Installationen als Zündquelle: falsch verlegte Leitungen, Kabel über scharfen Kanten, fehlerhafte Klemm- und Steckverbindungen sowie nicht zertifizierte oder miteinander unverträgliche Komponenten. Landesinnungsmeister Friedrich Manschein sprach gegenüber dem ORF sogar von „Glücksritter“-Firmen, die mit billigen Komponenten und schneller Montage in den boomenden Markt drängten und teilweise ebenso schnell wieder verschwanden.
Eben dort zeigt sich allerdings auch die Kehrseite eines von der Politik ideologisch aufgeblasenen Marktes. Förderungen, Einspeiseregeln und immer neue Ausbauziele sorgen dafür, dass möglichst schnell möglichst viel aufs Dach kommt. Gute Fachbetriebe arbeiten weiterhin sauber. Daneben zieht ein Boom aber zwangsläufig Anbieter an, bei denen Tempo und Marge wichtiger sind als saubere Ausführung. Ein schlecht gesetzter Stecker bleibt ein schlecht gesetzter Stecker – ganz egal, wie viele Millionen an Fördergeldern vorher in die Branche gepumpt wurden.
Das Kuratorium für Verkehrssicherheit kam 2024 ebenfalls zu dem Ergebnis, dass vor allem mangelhafte Installation das Brandrisiko erhöht. Unter 316 befragten österreichischen Anlagenbesitzern fühlten sich lediglich 43 Prozent gut über mögliche Brandgefahren informiert. Nur 20 Prozent erklärten, genau zu wissen, was im Brandfall zu tun wäre. Hunderttausende Bürger werden damit zu kleinen Stromproduzenten gemacht, während Information über Wartung, Gefahren und richtiges Verhalten offenbar deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommt als der Ausbau selbst.
Schweiz: Solarboom ohne eigene Brandstatistik
Auch die Schweiz treibt den Ausbau voran, ohne eine eigene Statistik über Gebäudebrände mit Solaranlagen zu führen. Das Bundesamt für Energie bestätigte dies bereits 2023. Damals wurden landesweit etwa 9.000 Gebäudebrände pro Jahr registriert, rund ein Viertel davon wurde Elektrizität zugerechnet. Wie häufig eine Photovoltaikanlage beteiligt war oder den Brand tatsächlich ausgelöst hatte, wird nicht gesondert erfasst. Die Zahl der PV-Anlagen in der Schweiz hatte sich von 2017 bis 2022 verdreifacht. Einen parallelen starken Anstieg elektrischer Gebäudebrände stellte das Bundesamt damals zwar nicht fest. Als typische Schwachstellen nennt es trotzdem dieselben Kandidaten: unsachgemäße Steckverbindungen, schlecht verlegte Leitungen und mangelhafte Hinterlüftung.
Report24 berichtete im Juli über mehrere Dachbrände in Laax, Zizers, Disentis und Elgg. Auf allen betroffenen Gebäuden befanden sich Photovoltaikanlagen. Ob die Anlagen jeweils ursächlich waren, lässt sich daraus nicht ableiten. Genau deshalb wäre eine gesonderte Statistik sinnvoll. Ohne systematische Erfassung bleibt jeder Fall eine Einzelmeldung, während der Anlagenbestand Jahr für Jahr weiter wächst.
Selbst die Solarbranche beklagt die Datenlücke
Wie dünn die Datengrundlage ist, räumt sogar die Branche selbst ein. SolarPower Europe, der europäische Verband der Solarindustrie, erklärte 2024, dass die jüngsten europaweit vergleichbaren Statistiken zu Bränden im Zusammenhang mit Photovoltaikanlagen aus dem Jahr 2018 stammen. Der Verband fordert einheitlichere Daten von Feuerwehren und Versicherern. Als typische Brandursachen nennt auch er Installationsmängel, defekte Komponenten, Gleichstrom-Lichtbögen und lokale Überhitzung.
Europa baut damit eine Technik millionenfach aus, deren Brandgeschehen trotz der bestehenden Gefahren vielerorts nur lückenhaft erfasst wird. Ausbauziele, Förderungen, installierte Leistung und neu angeschlossene Anlagen werden sauber dokumentiert. Bei Defekten, Bränden, Montagefehlern und problematischen Komponenten sieht es plötzlich wesentlich dünner aus. Dabei wären systematische Erfassungen auch für die Versicherungen wichtig, um Brandrisiken und damit auch Feuerschutzprämien entsprechend anzupassen.
Die vorhandenen Zahlen zeigen ziemlich klar, wo die Schwachstellen liegen: Verkabelung, Stecker, Komponenten, Montage und zunehmend auch Batteriespeicher. Je mehr Anlagen unter Zeit- und Kostendruck aufs Dach kommen, desto wichtiger wären aktuelle Zahlen darüber, was danach tatsächlich passiert. Genau diese Zahlen fehlen in weiten Teilen des DACH-Raums. Europas Solarbestand wächst in Rekordtempo. Für neue Module gibt es Ausbaupfade bis weit ins nächste Jahrzehnt. Für die Frage, wie oft der ganze Kram Feuer fängt, reichen offenbar uralte Zahlen.






