„Remigration Saves Europe“: Widerstand gegen Migration wächst in den Niederlanden

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In den Niederlanden wird der Widerstand gegen die Asyl- und Migrationspolitik immer sichtbarer. Während in zahlreichen Gemeinden Bürger gegen neue Asylzentren auf die Straße gehen und regelmäßig die Bereitschaftspolizei ausrücken muss, hat Anfang August in Utrecht die „European Shield Tour“ des Save Europe Act begonnen. Die Kampagne fordert einen Stopp der nichtwestlichen Massenzuwanderung und eine europäische Remigrationspolitik. Damit bringt sie eben jenes Thema auf die Straße, das Brüssel am liebsten bereits bei der Anmeldung einer Europäischen Bürgerinitiative abgewürgt hätte.

Videos aus Utrecht verbreiten sich derzeit rasant in den sozialen Netzwerken. Niederländische Fahnen, „Stop Asylum“-Schilder und ein riesiges Banner mit der Aufschrift „Remigration Saves Europe“ prägen die Bilder. Manche Accounts (siehe unten) machen daraus bereits einen niederländischen Volksaufstand und behaupten, die Polizei sei von Menschenmassen überrannt worden. Auch wenn das so nicht stimmt, ist die eigentliche Nachricht allerdings brisanter als die aufgeblasene Twitter-Version: In den Niederlanden hat sich der Widerstand gegen die bisherige Migrationspolitik längst von einzelnen Wahlkämpfen und parlamentarischen Debatten gelöst und auf die Straße verlagert, wie selbst der TV-Sender NOS berichtet..

Am 1. August startete auf dem Jaarbeursplein in Utrecht die sogenannte European Shield Tour des Save Europe Act. Nach Angaben der Organisatoren beteiligten sich mehr als 450 Aktivisten, Helfer und Unterstützer an der Auftaktveranstaltung. Zu den Rednern gehörten der belgische Aktivist und frühere Abgeordnete Dries Van Langenhove sowie Milan Schenk von der niederländischen Partei Forum voor Democratie. Über dem Platz wurde ein rund 20 mal 20 Meter großes Banner mit der unmissverständlichen Botschaft „Remigration Saves Europe“ ausgerollt.

Hinter der Tour stehen unter anderem die niederländische Publizistin Eva Vlaardingerbroek und der österreichische Remigrationsaktivist Martin Sellner. Die Initiatoren wollen die nichtwestliche illegale Zuwanderung nach Europa stoppen, bestehende Einwanderungskanäle einschließlich Familiennachzug zeitweise aussetzen und eine europaweite Remigrationspolitik etablieren. Damit zielt die Initiative direkt auf jenes migrationspolitische Modell, das Westeuropa während der vergangenen Jahrzehnte demografisch tiefgreifend verändert hat.

Nach eigenen Angaben hat die Save Europe Act inzwischen mehr als 643.000 Unterstützungsunterschriften gesammelt, besonders viele davon in Deutschland und den Niederlanden. Dabei handelt es sich allerdings nicht um formal anerkannte Unterschriften einer Europäischen Bürgerinitiative, denn Brüssel verweigerte bereits deren Registrierung. Politisch ist die Zahl trotzdem bemerkenswert: Mehr als eine halbe Million Menschen haben ihre Daten bei einer Kampagne hinterlassen, deren zentrale Forderung Remigration – also eine Rückführung von Zuwanderern in deren Heimatländer – lautet.

Brüssel bekämpft die Bürgerinitiative

Die EU-Kommission machte deutlich, wie wenig Interesse sie daran hat, die Frage überhaupt über das Instrument der Europäischen Bürgerinitiative auf die politische Tagesordnung gelangen zu lassen. Im Juli verweigerte sie die Registrierung des Save Europe Act. Das war nach Angaben der Kommission sogar das erste Mal, dass eine Europäische Bürgerinitiative mit der Begründung zurückgewiesen wurde, sie widerspreche den „Werten der Europäischen Union“. Im Besonderen störte sich Brüssel unter anderem an der Forderung nach einem Moratorium für neue nichtwestliche Einwanderung. Die Kommission wertete dies als Diskriminierung aufgrund von Rasse beziehungsweise ethnischer Herkunft.

Damit war die Sache für die Brüsseler Eurokraten erledigt: Über eine Million gültige Unterschriften, eine öffentliche Anhörung und eine politische Auseinandersetzung auf dem vorgesehenen Weg muss man sich nicht den Kopf zerbrechen, wenn man bereits die Registrierung verhindert. Die Organisatoren wollen die Entscheidung gerichtlich anfechten. Gleichzeitig tragen sie ihre Forderungen nun mit der European Shield Tour durch verschiedene europäische Länder. Vor Utrecht hatte es bereits eine Kundgebung in Brüssel gegeben, die der Bürgermeister zunächst verbieten wollte. Die Organisatoren zogen vor Gericht und setzten die Veranstaltung schließlich durch.

Wie nervös das Thema macht, zeigte auch die niederländische Berichterstattung über Utrecht. Der öffentlich-rechtliche Sender NOS berichtete zwar über die Veranstaltung – doch wer den Bericht liest, erfährt beinahe mehr über angebliche „extremistische Netzwerke“, amerikanische Konservative, russische Oligarchen und eine vermeintliche Absicht, Europa zu „destabilisieren“, als über die Frage, warum inzwischen Hunderttausende Menschen eine Remigrationskampagne unterstützen. Die politische Botschaft der Demonstranten wird damit in ein bekanntes Raster gepresst: Wer die Folgen der Massenzuwanderung grundsätzlich infrage stellt, ist ein „böser Rechtsextremist“ – und im Zweifel auch noch aus dem Ausland finanziert.

Anti-Asyl-Proteste längst kein Einzelfall mehr

Utrecht steht zudem keineswegs allein. Bereits seit Monaten kommt es quer durch die Niederlande zu Protesten gegen neue oder erweiterte Asylunterkünfte. Eine Auswertung niederländischer Medien ergab im Mai, dass die Bereitschaftspolizei seit Anfang 2025 bei mindestens 34 Protesten gegen Asylzentren eingreifen musste. Bei diesen Einsätzen wurden 163 Menschen festgenommen. Selbst wenn man die gewalttätigen Ausschreitungen herausrechnet, bleibt ein kaum zu übersehendes Bild: In immer mehr Gemeinden wollen Bürger die staatlich verordnete Aufnahme zusätzlicher Asylbewerber nicht länger widerspruchslos hinnehmen.

In Bleskensgraaf flogen im Februar Steine, Glas und Feuerwerkskörper auf Polizisten, nachdem Bürger gegen ein geplantes Asylzentrum demonstriert hatten. In Apeldoorn folgten im Mai mehrere Nächte hintereinander Proteste gegen die Unterbringung von 240 Asylbewerbern in einem ehemaligen Schulgebäude. In Loosdrecht musste die Polizei schließlich mit Wasserwerfern anrücken. Dort war die Lage zuvor völlig außer Kontrolle geraten: Feuer wurde unmittelbar an einer Unterkunft gelegt, während sich Asylbewerber und Mitarbeiter im Gebäude befanden.

Auch im Juni riss die Serie nicht ab. In Wijk bij Duurstede wurden bei Protesten gegen eine geplante Notunterkunft Steine und Feuerwerkskörper auf Polizei und Rathaus geschleudert. Mehr als 80 Beamte waren im Einsatz, sieben Personen wurden festgenommen. Und selbst jetzt im August geht es weiter. Erst in der Nacht zum 11. August musste die Bereitschaftspolizei im friesischen Surhuisterveen ausrücken. Demonstranten wollten verhindern, dass ein Bus mit 28 Asylbewerbern eine Notunterkunft erreicht, und warfen unter anderem Nägel auf die Straße. Der Bus musste zunächst stoppen, bevor die Polizei die Zufahrt sichern konnte. Das sind keine Bilder eines Landes, in dem die Migrationsfrage politisch erledigt wäre.

Die Zahlen liefern weiter Brennstoff

Gleichzeitig hält der Asylzustrom an. Nach offiziellen Zahlen des niederländischen Statistikamtes CBS stellten allein im ersten Quartal 2026 knapp 6.000 Menschen erstmals einen Asylantrag – 33 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Im Mai kamen 2.145 neue Erstanträge und weitere 1.500 Personen über den Familiennachzug hinzu. Die niederländische Einwanderungsbehörde IND registrierte im Juni insgesamt 3.509 Personen im Asylsystem aus Erstanträgen, Folgeanträgen und Familiennachzug.

Das erklärt zumindest einen Teil des politischen Sprengstoffs. Die Gemeinden sollen Unterkünfte bereitstellen, die Bürger erleben die Folgen unmittelbar vor der eigenen Haustür, während die Diskussion darüber regelmäßig auf moralische Fragen reduziert wird. Wer gegen ein neues Asylzentrum demonstriert, ist schnell „rechtsextrem“. Wer Remigration fordert, soll Europa angeblich destabilisieren. Und wer einen grundsätzlichen Kurswechsel verlangt, rennt spätestens bei den EU-Institutionen gegen eine Wand.

Dabei zeigt gerade die niederländische Entwicklung, dass sich das Thema nicht mehr länger von der Politik ignorieren lässt. Die Utrecht-Demonstration war kein Millionenmarsch und die Polizei wurde dort auch nicht von Menschenmassen überrannt. Aber während im Internet solche Übertreibungen die Runde machen, wächst darunter etwas wesentlich Bedeutenderes: eine organisierte europäische Bewegung, die offen den Rückbau der bisherigen Migrationspolitik fordert. Denn zu viel ist irgendwann einfach zu viel.

Brüssel kann die Registrierung einer Bürgerinitiative verweigern. Medien können Wörter wie „rechtsaußen“ oder „rechtsextrem“ so oft in ihre Artikel schreiben, bis die Tastatur glüht. Gemeinden können neue Unterkünfte gegen den lokalen Widerstand durchsetzen. Doch die Frage, die sich in den Niederlanden inzwischen immer lauter stellt, verschwindet dadurch nicht: Wie lange kann eine Politik gegen den Widerstand jener Bevölkerung fortgesetzt werden, die ihre Folgen tragen soll?

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