Ein ukrainischer Seedrohnenangriff hat vor Sotschi ein gewaltiges Öl-Inferno ausgelöst. Der Tanker „Aframax Rio“ steht in Flammen, brennendes Rohöl breitet sich auf dem Schwarzen Meer aus. Das Schiff besitzt Ladetanks für fast 123 Millionen Liter Öl. Kiews Jagd auf Russlands Ölexporte könnte damit eine Umweltkatastrophe auslösen.
Eine riesige schwarze Rauchsäule verdunkelt den Himmel vor der russischen Küstenstadt Sotschi. Auf dem Meer lodern gewaltige Flammen, eine breite Feuerfront erstreckt sich über die Wasseroberfläche. Videos zeigen, wie sich das Feuer vom Schiff aus auf das Meer ausbreitet. Der Tanker selbst ist kaum noch zu retten, solange die Einsatzkräfte wegen der gewaltigen Hitze nicht einmal nahe genug herankommen, um die Flammen zu bekämpfen. Was als Schlag gegen Russlands Ölgeschäft gedacht gewesen sein dürfte, droht nun das Schwarze Meer zu verseuchen.
Das russische Verkehrsministerium bestätigte am Dienstagabend, dass der unter liberianischer Flagge fahrende Öltanker „Aframax Rio“ von unbemannten Sprengbooten attackiert wurde. Öl brenne bereits auf der Meeresoberfläche, Löschschiffe könnten sich erst nähern, wenn die Intensität des Brandes nachlasse. Immerhin gelang es, sämtliche 23 indischen Besatzungsmitglieder in Sicherheit zu bringen. Verletzte gab es nach ersten Angaben keine.
BREAKING: Ukraine has just struck an oil tanker, which is now burning off the coast of Sochi in Russia's Krasnodar region, with a massive fire and a black smoke column rising several kilometres. pic.twitter.com/yJZMuSy5Hv
— The Hormuz Letter (@HormuzLetter) October 6, 2026
Ein flammendes Inferno
Die bislang bereits veröffentlichten Aufnahmen zeigen das Ausmaß der Katastrophe. Das maritime Fachportal „The Maritime Executive“ beschreibt mehrere Videos, die den Brandverlauf zeigen. Zunächst loderten Flammen im Bereich der Ladetanks, später breitete sich das Feuer an der Steuerbordseite aus. Schließlich brannte eine große Ölfläche hinter dem Schiff auf dem offenen Meer. Darüber türmte sich eine gewaltige schwarze Rauchwolke auf. Die knapp 247 Meter lange „Aframax Rio“ besitzt laut dem Klassifikationsregister ClassNK Ladetanks mit einem Fassungsvermögen von 122.673 Kubikmetern. Das entspricht fast 123 Millionen Litern Rohöl. Selbst ein Bruchteil davon könnte Küstenabschnitte über weite Strecken verseuchen und massive Schäden anrichten. Ökologisch ist dies ein Desaster.
Russische Telegramkanäle behaupten, der Tanker sei nahezu voll beladen auf dem Weg von Noworossijsk nach Indien gewesen. Eine Bestätigung der tatsächlichen Ladungsmenge fehlt bislang. Doch die brennende Ölfläche auf dem Meer zeigt bereits, dass die Gefahr längst über einen gewöhnlichen Schiffsbrand hinausgeht. Sollte der Tanker weitere Ladung verlieren oder gar sinken, könnte das Ausmaß der Verschmutzung dramatisch wachsen.
🇷🇺 Krasnodar Krai, Russia ❗
— LX (@LXSummer1) October 6, 2026
🛳️🛢️🔥Sochi: The crew of the Liberian-flagged Aframax Rio tanker has been rescued after the vessel was reportedly attacked by unmanned boats off the Black Sea coast, – local media.
All 23 crew members were evacuated, traditionally no casualties… pic.twitter.com/iOExMEFFLD
Die russischen Behörden reagierten mit Strand- und Ufersperren. In Sotschi und dem benachbarten Sirius überwachen Fachleute die Wasser- und Luftqualität, während Meteorologen die Ausbreitung der Rauchwolken berechnen. Die Bevölkerung sollte möglichst in geschlossenen Räumen bleiben und die Fenster geschlossen halten. Ausgerechnet vor einer der bekanntesten Urlaubsregionen Russlands droht ein Angriff auf die Öllogistik, nun das Meer und die Küste zu vergiften.
Eine Serie von Anschlägen
Dass die Ukraine hinter der Attacke steckt, ist mehr als nur wahrscheinlich. Der ukrainische Geheimdienst SBU hat bereits mehrfach gezeigt, dass er mit seinen Seedrohnen auch große Öltanker angreifen kann. Ende November 2025 traf es die Tanker „Kairos“ und „Virat“, im Dezember die „Dashan“. Kiew bekannte sich zu diesen Angriffen und machte keinen Hehl daraus, Russlands Öltransporte gezielt lahmlegen zu wollen. Die beiden im November attackierten Schiffe waren damals allerdings leer und auf dem Weg zur Beladung. Vor Sotschi steht nun offenbar ein Tanker mit ordentlicher Ölladung in Flammen.
Kyiv has effectively blocked oil shipments to India, thereby striking a blow against a funding source for the Kremlin dictator. A massive fire broke out aboard the *Rio*, an Aframax-class tanker located near the Black Sea resort of Sochi; the vessel was transporting crude oil… pic.twitter.com/Is7vRMEaJu
— Jarek (@Jarek2025) October 6, 2026
Auch die „Aframax Rio“ steht schon seit längerer Zeit im Visier Kiews. Bereits im Februar setzte die ukrainische Regierung das Schiff auf ihre Sanktionsliste für Russlands sogenannte Schattenflotte. Insgesamt verhängte Präsident Wolodymyr Selenskyj damals Sanktionen gegen 91 Schiffe, die nach ukrainischer Darstellung am russischen Ölgeschäft beteiligt sind.
Kiew will Moskau die Öleinnahmen abdrehen. Dafür werden Raffinerien, Öllager, Verladeanlagen und zunehmend auch Tanker angegriffen. Dass bei einem solchen Angriff auf ein beladenes Schiff gewaltige Mengen Rohöl ins Meer gelangen können, weiß man allerdings auch in der Ukraine. Das Risiko einer schweren Umweltkatastrophe gehört damit zwangsläufig zu dieser Kriegsstrategie. Schließlich lässt sich ein brennender Öltanker auf offener See nicht einfach abstellen.
Ein hoher Preis
Dabei entfaltet sich eine ökologische Ironie. Während die europäischen Regierungen ihren Bürgern immer neue Vorschriften zum Schutz von Klima und Umwelt aufbürden, unterstützen sie Kiew politisch und finanziell bei dessen Kampf gegen Russland. Ausgerechnet die militärischen Angriffe auf Russlands Ölwirtschaft können jedoch gewaltige Mengen Giftstoffe freisetzen und ganze Meeresregionen gefährden. Da hilft auch das nächste Klimaschutzprogramm aus Brüssel wenig.
Kiew will Putins Kriegskasse austrocknen. Doch wenn dafür Öltanker im Schwarzen Meer in Flammen aufgehen, stellt sich eine unangenehme Frage: Wie viel Umweltzerstörung will man sich im Kampf gegen Russland eigentlich erlauben?
