Zahlreiche Medien berichteten in den letzten Tagen prominent und pflichteifrig über angebliche Nacktfotos von Politikerinnen, die im Netz aufgetaucht wären. Deshalb bräuchten wir in der Europäischen Union totale Kontrolle digitaler Inhalte auch im privaten Bereich, mehr und schnellere Zensur und mehr und höhere Strafen für Unternehmen und deren Führungskräfte. Was ORF und Co. in ihrer Berichterstattung unterschlagen: Hinter der „Studie“ steht die linksgrüne Mercator-Stiftung, nicht eine Behauptung wurde belegt – und tatsächliche Bilder gab es wenn dann nur in 8 von bis zu 50 behaupteten Fällen – ohne, dass man weiß, wer sie angefertigt hätte.
Ein Papier der „Agora Digitale Transformation GmbH“, einem deutschen Thinktank in 100% Eigentum der Mercator-Stiftung, behauptete öffentlichkeitswirksam, unbekannte Kräfte würden „Frauen aus der Politik drängen“ wollen, indem sexualisierte Deepfake Bilder von ihnen erstellt wurden. Aus dem Papier ergibt sich, dass insgesamt acht Politikerinnen konkrete, unautorisierte und mutmaßlich per KI erstellte Nacktfotos von sich im Internet gefunden haben wollen. Belege dafür gibt es nicht.
Interessant ist, dass die linken Parteien, welche diese Verbotsagenda forcieren, plötzlich wieder wissen wollen, was eine „Frau“ ist. In zahlreichen anderen Fällen wissen sie das bekanntlich nicht, Geschlecht wäre ein soziales Konstrukt, das man nach Belieben ständig wechseln könne. Außer, es geht um mehr Zensur. Dann gibt es wieder Frauen und dann schickt man die verhaltens- und wahrheitskreative Frau Lena Schilling an die vorderste Front, mutmaßlich, weil man darauf hofft, mit ihrem Äußeren zu punkten.
Der grün-nahe Thinktank Agora trat zum zweiten Mal in enger Folge mit vergleichbaren Behauptungen auf. Im September 2026 wurden für 5.872 Abgeordnete nationaler Parlamente der EU-Staaten überprüft, ob es sexualitätsbezogene Deepfakes im Internet gibt. Dabei habe man 147 Betroffene gefunden. Beim zweiten Anlauf im Oktober 2026 habe man die 720 Mitglieder des Europäischen Parlaments untersucht und 50 Fälle gefunden. Beide Papiere liegen uns vor, wir haben sie gelesen.
Weder in Who Gets Deepfaked? (Studie vom September 2026), noch in Targeted and Ignored (Studie vom Oktober 2026) gibt es auch nur den Anflug eines belastbaren Beweises für die Behauptungen.
Unwissenschaftlich und ohne Beweise
Die erste Studie weist erhebliche wissenschaftliche Dokumentationsmängel auf. Sie fasst tatsächlich vorhandene Darstellungen, Vermittlungsseiten und nicht überprüfbare Suchtreffer unter einer gemeinsamen Betroffenenzahl zusammen. Bei zahlreichen Treffern räumt sie ein, dass entsprechende Inhalte möglicherweise niemals existierten. Rohdaten, vollständige Domainlisten und überprüfbare Einzelfalldokumentationen fehlen. Auch die statistischen Ergebnisse werden ohne vollständige Koeffiziententabellen und Konfidenzintervalle präsentiert. Es bleibt ungeklärt, welche Darstellungen tatsächlich KI-generiert waren; mögliche Photoshop-Manipulationen wurden mitgezählt. Es gibt sogar Inkonsistenzen (unterschiedliche Zahlen zum selben Sachverhalt) in der Arbeit, die nicht erklärt werden. Man kann guten Gewissens sagen: 147 angeblich betroffene Personen sexueller KI-Bildmanipulation gibt es nicht.
Auch die neuere Studie weist diese erheblichen wissenschaftlichen Mängel auf. Sie zählt 50 Abgeordnete als betroffen, obwohl nur bei acht tatsächlich verfügbare sexuelle Bildmanipulationen berichtet werden. Andere Kategorien erfassen Vermittlungsseiten, Herstellungsanfragen oder Suchtreffer ohne auffindbare Inhalte, die möglicherweise niemals existierten. Eine überprüfbare Dokumentation der acht Bildfälle fehlt ebenso wie veröffentlichte Rohdaten, vollständige Domainlisten und eine nachvollziehbare Prüfung von KI-Erzeugung und fehlender Zustimmung. Die Überschneidungen der Kategorien bleiben unaufgeschlüsselt.
Aus diesen „fantasievollen“ Momentaufnahme wird dennoch ein weitreichendes Versagen europäischer Schutzregeln abgeleitet. Dabei wurde die Wirksamkeit der Schutzregeln nie untersucht – und es wäre auch schwierig, sie für Fälle zu untersuchen, die frei erfunden waren. Damit sind Suchergebnisse gemeint, die offenbar per KI-Halluzinationen über die Google API erzielt wurde, manuell aber nie verifizierbar waren.
Die autoritären Forderungen der Grünen-GmbH
Agora fordert präventive Eingriffe entlang der gesamten Produktions- und Verbreitungskette sexueller Deepfakes ohne Zustimmung. Das ist aber nur die schöne Variante, denn Zensur wird bekanntlich immer gerne mit dem Schutz von Frauen und Kindern begründet. Dazu gehören Beschränkungen von KI-Werkzeugen, automatische Entfernung sämtlicher Suchtreffer beschlagnahmter Domains, Sorgfaltspflichten für Hostinganbieter, Zahlungsdienste und App-Stores sowie persönliche Haftung von Führungskräften.
Bereits die Herstellung soll strafbar werden, auch ohne Veröffentlichung. Behörden sollen eigenständig eingreifen; eine neue EU-Durchsetzungsbehörde soll zusätzliche Kontrolle ermöglichen. Grundrechtlich problematisch könnten pauschale Löschungen und weitreichende Präventionspflichten werden, wenn sie rechtmäßige Inhalte erfassen oder Anbieter aus Haftungsangst übermäßig sperren.
Was bedeutet das? Wie beabsichtigt eine Behörde festzustellen, ob jemand auf seinem privaten Mobiltelefon oder Computer Nacktbilder von Politikern herstellt? Das geht nur durch totale Kontrolle. Hinzu kommt, dass – man kennt die Grünen ja – moralische Empörung und bloße Behauptung reichen würden, um verschiedenste Betriebe zu erpressen, mit Strafen zu belegen oder in den Ruin zu treiben.
Die Agora Stiftung wurde von ihrem 100% Eigentümer Mercator mit 8,6 Millionen Euro ausgestattet. Zudem erhielt sie mindestens 1,2 Millionen Euro öffentliche Gelder von der deutschen Bundesregierung. Auch der Geschäftsführer, Dr. Stefan Heumann, gilt den deutschen Grünen als eng nahestehend. Er wurde 2018 von der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen als Sachverständiger für die Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz“ benannt.
So agitiert der ORF
Die unkritische Übernahme des ORF ist ein weiterer Beweis für die unwissenschaftliche und journalistisch fragwürdige Arbeitsweise dieses Medienhauses, das dennoch durch Zwangsgebühren finanziert wird. So berichtete der ORF am 28. September wahrheitswidrig: „147 Abgeordnete von sexualisierten KI-Deepfakes betroffen“ – diese Aussage lässt sich bei genauer Lektüre der Studie nicht halten. Es erfolgte keine Erwähnung der 38 als aktive Darstellungen klassifizierten Fälle oder möglicher Photoshop-Manipulationen. Die Gesamtzahl und politische Forderungen werden ohne kritische Prüfung im veröffentlichten Text wiedergegeben.
Am 6. Oktober berichtete der ORF unter dem irreführenden Fantasietitel: „Frauen zunehmend eingeschüchtert im Netz“. Die Studie beschäftigte sich aber mit Frauen und Männern, konkret nur mit EU-Abgeordneten. Keine der beiden Studien untersucht, ob Frauen sich im Netz eingeschüchtert fühlen oder ob „immer mehr Frauen“ eingeschüchtert werden.
Nachweisbar ist eine enge Nähe des ORF zu den Grünen. Diese verbreiteten die Studie von Agora und ihre Forderungen am 28. September um 17:25 Uhr. Der Artikel auf ORF-Online war bereits um 18:29 Uhr veröffentlicht. Dass in dieser Zeit jemand die Originalstudie gelesen haben könnte, ist denkunmöglich. Vielmehr ist eine Gefälligkeitsberichterstattung zu vermuten. Ob diese innerhalb des ORF oder bei der zuliefernden APA zu suchen ist, kann nicht von außen bestimmt werden.
Auch bei der zweiten Veröffentlichung war der zeitliche Abstand ähnlich knapp. Die Grünen veröffentlichten ihre Presseaussendung am 5. Oktober um 16:56 Uhr – der ORF.at Bericht unter dem Titel „Abgeordnete zunehmend Opfer sexualisierter KI-Gewalt“ ging am selben Tag um 19:21 Uhr online.
ORF: „Frauen ziehen sich aus Einschüchterung aus sozialen Medien zurück“
Im Zeit im Bild Beitrag vom 6.10. verknüpfte der ORF die grüne Kampagne mit einer aktuellen Umfrage des „Deutschen Frauenrats“. Dabei handelt es sich um einen Privatverein der aufgrund seiner Namensgebung aber gerne mit einer Regierungsbehörde verwechselt wird. Ein üblicher Trick der politischen Linken, der beispielsweise auch mit dem Presserat versucht wird. Erklären darf das einmal mehr die bekannte Hass-Expertin Ingrid Brodnig. Darin wird auch gleich eröffnet, dass die ersten EU-Gesetze im Dezember in Kraft treten sollen und auch in Österreich wären zusätzliche Gesetze in Vorbereitung.
Dass Frauen auf unseren Straßen zunehmend eingeschüchtert sind, weil sie Vergewaltigung und Mord fürchten müssen, scheint beim ORF weitaus weniger auf Interesse zu stoßen.
