War Brandstiftung der Grund für den verheerenden Waldbrand im Hürtgenwald? Die Staatsanwaltschaft Aachen vermutet inzwischen, dass das Feuer durch menschliches Zutun entstand. Ob es absichtlich gelegt wurde, müssen die Ermittler noch klären. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte die Katastrophe derweil für seine Klimawarnungen genutzt und gegen angebliche „Klimaleugner“ gehetzt – obwohl eine CDU-Ministerin schon Tage zuvor vor einer möglichen menschlichen Brandursache gewarnt hatte.
Rund 300 Hektar Wald gingen im August in Flammen auf. Knapp 2.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, bis zu 1.800 Einsatzkräfte kämpften gegen die Feuersbrunst. Als Friedrich Merz am 22. August im Hürtgenwald auftauchte, hatten die Feuerwehrleute das Schlimmste hinter sich. Der CDU-Kanzler bedankte sich bei den Helfern, schwadronierte über den Katastrophenschutz und holte anschließend zur klimapolitischen Belehrung aus. „Ich will allen Leugnern des Klimawandels sagen: Schauen Sie sich das genau an, was hier passiert ist. Das ist der Klimawandel“, verkündete Merz vor laufenden Kameras. Der ausgebrannte Wald diente dem Kanzler als Anschauungsmaterial für seine Klimawarnungen. Er behauptete zudem, künftig werde es häufiger solche Katastrophen geben. Über den Auslöser dieses Feuers wussten die Ermittler damals allerdings noch nichts Genaues.
War es Brandstiftung?
Jetzt steht auch die Frage nach einer möglichen Brandstiftung im Raum. Wie die Staatsanwaltschaft Aachen am 17. Oktober mitteilte, wurde der Großbrand nach bisherigen Erkenntnissen vermutlich durch Fremdeinwirkung ausgelöst. Die Ermittler haben zwei voneinander unabhängige Brandherde festgestellt, zwischen denen ein zeitlicher und örtlicher Zusammenhang besteht. Ob jemand das Feuer vorsätzlich legte oder fahrlässig verursachte, ist allerdings noch offen. 177 Hinweise gingen bei den Ermittlern ein, bislang ohne entscheidenden Durchbruch. Auch die Funkzellenauswertung lieferte keine verwertbare Spur. Alte Weltkriegsmunition wurde als Ursache ausgeschlossen. Tatverdächtige gibt es noch keine.
Ausgerechnet aus der CDU kamen schon vor Merz‘ Auftritt deutliche Hinweise auf eine mögliche menschliche Ursache. Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen erklärte am 15. August, nahezu alle Waldbrände entstünden durch menschliches Fehlverhalten. Auch beim Hürtgenwald-Brand hielt sie einen menschlichen Auslöser für möglich. NRW-Innenminister Herbert Reul sprach damals sogar davon, irgendein Idiot habe das Feuer verursacht. Eine Woche später erklärte Merz den verbrannten Wald zum Anschauungsbeispiel für den Klimawandel. Auch wenn dieser damit gar nichts zu tun hat.
Report24 kritisierte Merz‘ Klima-Auftritt bereits am 24. August. Die späteren Ermittlungsergebnisse geben dieser Kritik neuen Anlass. Denn der Kanzler präsentierte seine politische Deutung mit einer Sicherheit, die angesichts der offenen Fragen zum Brandgeschehen kaum angebracht war. Der mögliche menschliche Auslöser war längst bekannt, als Merz seinen Angriff auf die sogenannten „Klimaleugner“ startete. Doch das interessierte ihn offensichtlich nicht die Bohne. Hauptsache, er konnte bei den Grünen-Sympathisanten noch ein paar Punkte machen. Wen interessiert da schon die Realität?