Die Corona-Jahre haben Wunden in der Gesellschaft hinterlassen, die bis heute nicht verheilt sind. Familien und Freundschaften gingen zu Bruch und langjähriges Vertrauen wurde zerstört. Die Weigerung der Politik, das eigene Fehlverhalten aufzuarbeiten und Konsequenzen zu tragen, untermauert parallel dazu den enormen Vertrauensverlust in Regierungen, Institutionen und „Experten“. Nichts davon lässt sich schönreden. Trotzdem kann man aus der Erinnerung an diese Jahre zumindest eine gewisse Hoffnung ziehen: Es hat Widerstand gegeben – und am Ende hat er gesiegt.
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Bei allem berechtigten Zorn auf den Machtapparat muss ein Märchen doch entzaubert werden: Die Mehrheit hat keinesfalls immer recht. Es geht nicht nur um „die da oben“. Das Problem sitzt auch in den Köpfen vieler „da unten“.
Die 2G-Regeln und der massive gesellschaftliche und politische Druck zu einer Impfpflicht haben etwas sichtbar gemacht, das so manchen schockierte: Große Teile der Bevölkerung waren nicht nur bereit, weitreichende Einschränkungen hinzunehmen. Sie zeigten eine regelrechte Lust an der Ausgrenzung der Ungeimpften.
Soziale Ächtung, berufliche Nachteile, der Ausschluss aus Restaurants, Kulturveranstaltungen, Sportstätten und aus dem Arbeitsleben („Ihr seid raus aus der Gesellschaft“) – das wurde von vielen nicht als Problem oder als unverhältnismäßiger Eingriff gesehen, sondern als gerechte Konsequenz für die „Unsolidarischen“, die „Egoisten“, die „Gefährder“ und „Sozialschädlinge“.
Politik und Medien haben diese Stimmung befeuert und organisiert. Aber sie haben sie nicht allein erzeugt. Die Bereitschaft, Mitmenschen zu denunzieren, aus dem sozialen Leben auszuschließen und moralisch zu vernichten, war in Teilen der Gesellschaft tief verankert. Hetze gegen Kritiker und Ungeimpfte fiel auf fruchtbaren Boden: Ein Feindbild war gefunden, ein Sündenbock, ein Prellball.
Die Mehrheit hätte den Impfzwang durchgewunken
„Das Volk“ ist nicht automatisch die gute, widerständige Kraft. Viele Menschen sind leicht zufriedenzustellen, wenn man ihnen nur versichert, sie stünden „auf der richtigen Seite“ der Geschichte. Sie genießen es, nach unten oder zur Seite zu treten. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ein gesetzlicher Impfzwang zwischenzeitlich eine Mehrheit bekommen hätte, hätte man das Volk entscheiden lassen.
Ohne die Mitmacher, die Fingerzeiger, Denunzianten, Hetzer, Ausgrenzer und wandelnden Applauskonserven des Establishments, wäre die Corona-Politik so nicht möglich gewesen. Die Ungehorsamen ernteten für ihren Widerstand empfindliche Konsequenzen. Und viele haben das in einem Maße gefeiert, dass man an offen zur Schau getragenen Sadismus denken musste.
Menschen riskierten oder verloren besonders im medizinischen Bereich ihren Job, weil sie sich nicht impfen ließen und keinen Nachweis vorlegen konnten (oder wollten). Ihnen wurde jede Kompetenz und Eignung für ihren Beruf abgesprochen, weil sie Menschen „gefährden“ würden. Ärzte leisteten kritische Aufklärung, widersprachen Impfnarrativen und stellten Atteste aus. Sie werden vielfach bis heute verfolgt, sitzen in Haft oder wurden um ihre Existenz gebracht. Maßnahmenkritiker wurden als egoistisch, gefährlich und unverantwortlich dargestellt. Demonstranten wurden bei Spaziergängen und friedlichen Protesten niedergeknüppelt. Eltern stellten sich vor ihre Kinder, um sie vor schädlichen Maßnahmen und Ausgrenzung zu schützen. Auch gegen sie hagelte es Angriffe; man sagte ihnen Kindeswohlgefährdung nach und wollte ihnen am liebsten ihre Kinder wegnehmen.
Und trotzdem hielten sie stand. Der Widerstand bestand aus der täglichen Entscheidung, sich nicht zu beugen – im Beruf, in der Familie, im Freundeskreis, im Alltag. Damals wurde das „Tyrannei“ genannt, ganz so, als wäre schon die bloße Existenz als Nicht-Corona-Geimpfter ein Affront gegen das politische System. Heute erntet das offene Bekenntnis „Ich bin ungeimpft“ in vielen Kreisen Verständnis oder sogar Glückwünsche. Nicht selten hört man das Eingeständnis: „Ich hätte es im Nachhinein auch lieber gelassen.“ Die moralische Überlegenheit der damaligen Mehrheit ist erodiert. Die Erzählung von den gefährlichen Egoisten hat sich nicht gehalten.
Das ist der Verdienst derjenigen, die Grundrechtseingriffe nicht akzeptiert und die damit einhergehende soziale Ächtung ausgehalten und ertragen haben. Sie haben den späteren Umschwung in der öffentlichen Wahrnehmung erst möglich gemacht.
Heute sind die Täter still
Die Mitmacher derweil haben nicht die Ehrenabzeichen erhalten, die sie sich wohl erhofft haben. Sie stehen nach landläufiger Meinung nicht auf der „richtigen Seite der Geschichte“. Wer seine Nachbarn denunziert hat, gegen Ungeimpfte hetzte und sich selbst zum obersten Krieger gegen ein Erkältungsvirus stilisiert hat, braucht von seinen Mitmenschen keine Huldigung erwarten. Vielmehr sind diese Menschen auffallend still geworden und hüllen gern den Mantel des Schweigens über ihre vermeintlichen Heldentaten.
Vielleicht fühlen manche von ihnen zumindest Scham und ziehen Lehren aus dieser Erfahrung. Andere werden gegen das nächste große Feindbild wohl genauso vorgehen wie gegen die Ungeimpften. Aber es gibt immer Menschen, die standhalten. Sie sind Hoffnungsträger. Wer sich in jener Zeit nicht hat brechen lassen, hat nicht nur sich selbst und seine Grundsätze geschützt, sondern auch den Raum offengehalten, in dem wir heute wieder maskenfrei atmen können.
