Fauci-System wird zerlegt: US-Bioabwehr wandert zurück zum Militär

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Unter NIAID-Direktor Anthony Fauci wurde die zivile US-Bioabwehr nach den Anthrax-Anschlägen von 2001 mit Milliarden massiv ausgebaut. Jetzt wird dieses Modell zurückgebaut: Das NIAID streicht „civilian biodefense and pandemic preparedness“ als eigenständigen strategischen Schwerpunkt, während NIH und Kriegsministerium einen Zehnjahrespakt für medizinische Gegenmaßnahmen geschlossen haben. Der Umbau trifft jene Strukturen, die in der Corona-Ära wegen Wuhan, EcoHealth Alliance und der riskanten Virenforschung massiv unter Druck geraten waren.

Im Herbst 2001 landeten mit Anthrax-Sporen präparierte Briefe in amerikanischen Poststellen, Redaktionen und Büros von Senatoren. Fünf Menschen starben, 17 weitere erkrankten, Washington stand wenige Wochen nach den Anschlägen vom 11. September erneut unter Schock. Die politische Antwort folgte mit Milliarden. Für das Haushaltsjahr 2003 wurden rund 1,7 Milliarden Dollar für die Bioabwehrforschung des NIH vorgesehen, der überwiegende Teil davon für Faucis National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID). Zum Vergleich: Das Verteidigungsministerium verfügte damals für sein Forschungs- und Entwicklungsprogramm für medizinische Gegenmaßnahmen gegen biologische Kampfstoffe über lediglich rund 267 Millionen Dollar. Eine Aufgabe, die zuvor jahrzehntelang vor allem beim Militär gelegen hatte, wanderte damit in großem Stil in den zivilen Gesundheitsapparat.

Wie Fauci zum Bioabwehr-Zar wurde

Das NIAID begann unmittelbar nach den Anthrax-Anschlägen mit dem massiven Ausbau seiner Forschungsprogramme. Schon eine Ausschreibung vom Mai 2002 führte „Biodefense and Emerging Infectious Diseases“ gemeinsam als Forschungsbereich und rief Wissenschaftler dazu auf, Projekte zur Abwehr von Bioterrorismus und zur Erforschung neu auftretender Infektionskrankheiten einzureichen. Für das Haushaltsjahr 2003 waren allein beim NIAID mehr als eine Milliarde Dollar für Forschung zur Prävention, Erkennung, Diagnose und Behandlung von Krankheiten vorgesehen, deren Erreger sich als biologische Waffen einsetzen ließen. Bioabwehr und Forschung an neuartigen Krankheitserregern wurden organisatorisch immer enger miteinander verzahnt.

Unter Fauci entstand in den folgenden Jahren eine umfangreiche Infrastruktur aus Hochsicherheitslaboren, regionalen Biocontainment-Einrichtungen und Forschungszentren. Das NIAID selbst verzeichnet für 2003 den Aufbau nationaler und regionaler Biocontainment Laboratories sowie der Regional Centers of Excellence for Biodefense and Emerging Infectious Diseases. Aus der Abwehr klassischer biologischer Kampfstoffe wie Anthrax oder Pocken entwickelte sich ein breiter Forschungsapparat, in dem Bioabwehr, Pandemievorbereitung und die Untersuchung neu auftretender Viren immer enger zusammenrückten.

Spätestens mit Corona rückte diese Konstruktion ins Zentrum einer erbitterten Debatte. Über die vom NIAID unterstützte EcoHealth Alliance flossen US-Forschungsgelder auch an das Wuhan Institute of Virology. Eine Untersuchung des Generalinspekteurs des US-Gesundheitsministeriums erfasste drei NIH-Förderungen für EcoHealth über insgesamt rund acht Millionen Dollar sowie 1,8 Millionen Dollar an Unteraufträgen für acht Empfänger, darunter das Wuhan-Labor. Die Kontrolle funktionierte mangelhaft: Das NIH reagierte unter anderem fast zwei Jahre lang nicht auf einen überfälligen Fortschrittsbericht und verpasste laut Prüfern Möglichkeiten, Risiken früher zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Die Herkunft von SARS-CoV-2 ist bis heute nicht abschließend geklärt. Dokumentiert sind jedoch die US-Finanzierung von Coronavirus-Forschungen in Wuhan und die erheblichen Probleme bei deren Kontrolle. Der republikanisch geführte Corona-Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses ging 2024 weiter: Nach Auswertung interner Unterlagen und Zeugenaussagen kam er zu dem Schluss, EcoHealth-Präsident Peter Daszak habe gefährliche Gain-of-Function-Forschung in Wuhan finanziert, während die Kontrollmechanismen von NIH und NIAID versagten. NIH und Fauci hatten die Einstufung der betreffenden Experimente als Gain-of-Function über Jahre zurückgewiesen.

Bhattacharya streicht Faucis dritte Säule

Mit Jay Bhattacharya an der Spitze des NIH wird dieses Modell nun neu geordnet. Gemeinsam mit Jeffery Taubenberger und John Powers veröffentlichte er im Januar 2026 in Nature Medicine den Beitrag „The new vision from the National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID)“. Die Autoren beschreiben darin die bisherige NIAID-Strategie selbst: Drei große Bereiche hätten über Jahrzehnte die Arbeit geprägt – HIV, „civilian biodefense and pandemic preparedness“ sowie die übrigen Infektionskrankheiten und immunologischen Erkrankungen. Künftig soll das Institut nur noch zwei strategische Säulen besitzen: Infektionskrankheiten und Immunologie. Bioabwehr und Pandemievorbereitung verlieren damit ihren bisherigen Sonderstatus im NIAID.

Die neue Führung setzt den Kurswechsel auch organisatorisch um. Nature berichtete im Februar über interne E-Mails, nach denen NIAID-Mitarbeiter angewiesen wurden, die Begriffe „biodefense“ und „pandemic preparedness“ von den Webseiten des Instituts zu entfernen. Bei der Neuordnung des Forschungsportfolios sollen beide Bereiche zurückgestuft werden. Die zivile Infektionsforschung bleibt bestehen, der über Jahrzehnte ausgebaute Bioabwehr-Komplex unter dem Dach des NIAID verliert jedoch an Gewicht.

Zehn Jahre Bioabwehr mit dem Kriegsministerium

Während Bhattacharya die Bioabwehr im NIAID zurückstuft, baut das Kriegsministerium seine Rolle wieder aus. NIH-Direktor Bhattacharya und Robert Kadlec, Assistant Secretary of War für nukleare Abschreckung sowie chemische und biologische Verteidigung, unterzeichneten Anfang August ein Behördenabkommen, das bis zum 30. September 2036 laufen soll. Es umfasst Forschung und Entwicklung von Therapeutika, Diagnostika und Schutzausrüstung gegen chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahren, Pandemie-Influenza und neu auftretende Infektionskrankheiten. Das Kriegsministerium erhält dabei eine zentrale Rolle bei Beschaffung, Verträgen, Förderungen und der Weiterentwicklung medizinischer Gegenmaßnahmen.

Im Dokument steht ausdrücklich, dass das Abkommen den Transfer von NIH-Geldern an das Office of the Assistant Secretary of War ermöglichen soll. Das NIH stellt wissenschaftliche Daten, Produktentwicklungen und Fachwissen bereit; das Kriegsministerium kann auf dieser Grundlage Verträge, Forschungsförderungen und andere Vereinbarungen vergeben. Für militärische Anforderungen, den Schutz von Soldaten und den Einsatz unter Gefechtsbedingungen besitzt das Kriegsministerium die letzte Entscheidungskompetenz. Beim Schutz der Zivilbevölkerung und der öffentlichen Gesundheitsvorsorge bleibt diese beim NIH. Auch neue Produkte und Daten aus der zivilen NIH-Forschung sollen dem Kriegsministerium für Bioabwehrzwecke zur Verfügung gestellt werden.

Ein Blankoscheck für das Pentagon ist das Abkommen dennoch nicht. Das veröffentlichte Dokument verpflichtet zunächst zu keinen Geldflüssen. Jeder einzelne Auftrag und jede entsprechende Überweisung müssen über zusätzliche Treasury-Formulare abgewickelt werden. Bei den linken Demokraten hat die Konstruktion erwartungsgemäß bereits Alarm ausgelöst. Rosa DeLauro, ranghöchste Demokratin im Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses, wirft dem Verteidigungsministerium vor, sich auf diese Weise Zugriff auf Milliarden Dollar zu verschaffen, die der Kongress dem NIH für biomedizinische Forschung bewilligt hatte. Sie fordert eine vollständige Offenlegung der geplanten Geldflüsse und warnt vor einer Zweckentfremdung der NIH-Mittel.

Streit um Faucis zwei Milliarden

Hinter den Kulissen soll es bereits erheblich gekracht haben. Ein Bericht des Journalisten Paul D. Thacker beruft sich auf Mitarbeiter von NIH und Gesundheitsministerium, die an den Verhandlungen beteiligt gewesen seien. Kadlec habe demnach ursprünglich verlangt, rund zwei Milliarden Dollar aus dem bisherigen Bioabwehrbereich des NIH an das Kriegsministerium zu übertragen. Das NIH habe dies abgelehnt. Ein Mitarbeiter erklärte, die entsprechenden Gelder für „emerging infectious diseases“ seien durch langfristige Verträge und Förderprogramme bereits gebunden. Für diese Zwei-Milliarden-Dollar-Forderung gibt es bislang keine Bestätigung im veröffentlichten Behördenabkommen; sie stammt aus anonymen Quellen innerhalb der beteiligten Behörden.

Über zwei Jahrzehnte wurden Mittel für Bioabwehr, Pandemievorbereitung und neu auftretende Infektionskrankheiten in einem immer breiteren zivilen Forschungsapparat miteinander verflochten. Nun streiten zwei Bundesbehörden darüber, welche Milliarden überhaupt noch als Bioabwehrmittel gelten und wem sie zustehen. Das Kriegsministerium will militärische Bioabwehr wieder stärker unter eigener Führung betreiben, während Bhattacharyas NIH die strategische Sonderrolle dieses Bereichs beendet.

Fauci ist mittlerweile weg. Jetzt verschwinden auch Teile der unter seiner Ägide aufgebauten Ordnung. Das NIAID verliert die zivile Bioabwehr und Pandemievorbereitung als eigene strategische Säule, während das Kriegsministerium wieder eine stärkere Rolle bei der Entwicklung und Beschaffung von Gegenmaßnahmen gegen biologische Gefahren übernimmt. Washington baut damit sukzessive jene Strukturen zurück, durch die Faucis Macht nach den Anthrax-Anschlägen einst massiv gewachsen war.

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