Die Corona-Jahre haben Wunden in der Gesellschaft hinterlassen, die bis heute nicht verheilt sind. Familien und Freundschaften gingen zu Bruch und langjähriges Vertrauen wurde zerstört. Die Weigerung der Politik, das eigene Fehlverhalten aufzuarbeiten und Konsequenzen zu tragen, untermauert parallel dazu den enormen Vertrauensverlust in Regierungen, Institutionen und „Experten“. Nichts davon lässt sich schönreden. Trotzdem kann man aus der Erinnerung an diese Jahre zumindest eine gewisse Hoffnung ziehen: Es hat Widerstand gegeben – und am Ende hat er gesiegt.
Die Menschen vieler (auf dem Papier) demokratischer Nationen eint aktuell ein erdrückendes Gefühl: Die Politik handelt nicht für die, die sie finanzieren und wählen. Sie handelt nach anderen Maßstäben und Zielen – finanziellen, ideologischen, globalistischen. Der Bürger, der brav Steuern und Abgaben zahlt, der die stetig steigenden Kosten trägt und zum Dank die Kriminalität, den Verfall und die düsteren Zukunftsperspektiven ertragen muss, fühlt sich wie ein Zahlsklave. Sein Geld wandert in den Klimaablasshandel, internationale Vereinigungen, ins Asylsystem, fremde Kriege, sogenannte Entwicklungshilfe und einen undurchsichtigen NGO-Sumpf. Kaum je fließt es dorthin, wo es hingehört.
Die Menschen wählten AfD und bekamen dennoch die rote Politik, die sie abwählen wollen. Man hörte im Wahlkampf große Versprechen von der Union – Kontrolle der Migration, spürbare Entlastungen, Rückkehr zu Normalität – und muss mit Strafanzeigen rechnen, wenn man als Reaktion auf offenen Wortbruch einen Politiker „Pinocchio“ nennt. Die Demokratie ist hohl, die Repräsentation der Wähler nicht mehr spürbar. Der Souverän merkt, dass er stört, seine Interessen für die Obrigkeit nachrangig sind und dass er vor allem als Zahlesel und unmündiges, erziehungsbedürftiges Kind behandelt wird. In Sachsen-Anhalt zeigt sich die Konsequenz: Dann wählen eben noch deutlich mehr Menschen AfD.
Dass die Menschen für diese Fehlentwicklungen heute noch um ein Vielfaches sensibler sind als früher, haben Machthaber sich selbst zuzuschreiben. Corona war der Moment, in dem dieses Gefühl der ausgehöhlten Demokratie für Millionen schlagartig konkret und körperlich wurde. Plötzlich durfte der Staat so tief in den Alltag, in die Körper, in die sozialen Beziehungen, in die Bildung der Kinder und in die wirtschaftliche Existenz eingreifen, wie es die meisten vorher für undenkbar gehalten hatten. Grundrechte wurden zu Verhandlungsmasse; körperliche Unversehrtheit, Versammlungsfreiheit, Berufsfreiheit, Unverletzlichkeit der Wohnung, alles stand zur Disposition. Kritik wurde nicht widerlegt, sondern moralisch vernichtet. Wer widersprach, galt als Gefahr für die Gemeinschaft, als egoistisch, als „Covidiot“ und „Sozialschädling“. Die Politik und große Teile der Medien redeten, als sei das Volk ein gigantischer Kindergarten, der zum eigenen Schutz weggesperrt gehört.
Genau hier liegt das Menetekel. Corona hat nicht nur gezeigt, wie weit der Staat gehen kann. Die damalige Zeit hat auch verdeutlicht, wie dünn die demokratische Substanz wird, wenn Menschen in Kadavergehorsam verfallen. Viele Bürger – besonders im Westen des Landes – erlebten zum ersten Mal hautnah, dass „die da oben“ nicht mit ihnen, sondern über sie entscheiden, und dass große Teile der Gesellschaft bereit waren, das mitzutragen oder es sogar offen begrüßten. Die Spaltung verlief nicht nur zwischen Politik und Bürgern, sondern sie verlief mitten durch Familien, Freundeskreise und Kollegien.
Die Konsequenzen spüren wir bis heute. Manche leiden nach wie vor massiv unter ihnen. Andere versuchen, das Positive zu sehen, besinnen sich auf neue Verbindungen und Erkenntnisse. Von positiven Effekten zu sprechen, mutet trotzdem verächtlich gegenüber all jenen an, die in der sogenannten Pandemie allzu viel verloren haben.
Immerhin eines haben diese Jahre aber gezeigt: dass man die Hoffnung nie aufgeben sollte. Denn viele Menschen begannen, sich zu wehren. Und zwar nicht erst, als es bequem war oder die Mehrheitsmeinung sich drehte, sondern mitten im moralinsauren Dauerfeuer, zu Zeiten, als man sie „Blinddärme“ schimpfte und ihnen Tod und Teufel an den Hals wünschte. Ihr Widerstand war oft einsam und zermürbend und viele zahlten einen hohen Preis, ob nun beruflich, sozial oder familiär. Aber sie verhinderten, dass die Erzählung des Establishments total wurde. Sie waren der Sand im Getriebe eines in den Totalitarismus driftenden Systems. Sie haben bewiesen, dass Ausdauer zählt und all die Entscheidungen, nein zu sagen, sich summieren. Genau das wollen wir in dieser Reihe würdigen.
