Remigration, Kalifat oder Bürgerkrieg? Analyse: Die Islamisierung Europas

Symbolbild: KI

Asylmigration, Familiennachzug und hohe Geburtenraten lassen den Anteil der Islambefolger in Westeuropa immer mehr anwachsen. Ohne Remigrationspolitik wird die autochthone Bevölkerung zur Minderheit werden. Soll dann der Islam das Ruder übernehmen? Alternativ könnten bürgerkriegsartige Konflikte die Folge sein. Diese Analyse betrachtet die Islamisierung im Kontext demografischer Veränderungen.

Mohammedanische Zuwanderer haben deutlich höhere Geburtenraten als die schrumpfende einheimische Bevölkerung Europas. In Kombination mit weiterer Zuwanderung aus dem islamischen Raum wird in den nächsten Jahrzehnten in den meisten europäischen Ländern der moslemische Bevölkerungsanteil weiter anwachsen.

In etwa 10 bis 20 Jahren, abhängig vom Ausmaß weiterer Zuwanderung und vom jeweiligen Land, wird die Entwicklung so weit fortgeschritten sein, dass kaum mehr eine Umkehrung möglich wäre. Dann sind nämlich die Islamgläubigen in den jungen Generationen die Mehrheit.

Europa würde dann schrittweise zu einem Teil des mohammedanischen Kulturraumes. Je später eine Trendwende in Form von Remigration begonnen wird, desto schwieriger und konflikthafter wird es.

Demografische Probleme?

In Deutschland und Österreich bekommen nur wenige einheimische Bevölkerungsgruppen relativ viele Kinder: Einige sehr konservative Oberschichtsfamilien, die mit der Betreuung (Kindermädchen etc.) kein Problem haben, und einige sehr christliche und/oder ländliche Familien fallen statistisch nicht ins Gewicht. Dazu kommen manche einheimische deklassierte Unterschichten, die dauererwerbslos sind, ihr Leben und auch Verhütung nicht im Griff haben.

Die große Mehrheit der Erwerbstätigen bekommt wenige Kinder: Da in den meisten Fällen das Einkommen eines Elternteils nicht mehr ausreicht, um eine Familie angemessen zu versorgen, sind Finanzierung und Betreuung von (mehreren) Kindern schwer – und der Druck in den Firmen steigt immer weiter.

An sich wäre der Bevölkerungsrückgang kein unüberwindbares Problem für eine hochentwickelte Wirtschaft. Wenn die Qualifikation der Arbeitskräfte und die Produktivität hoch genug sind, kann durchaus auch eine schrumpfende und alternde Bevölkerung finanziert werden. Der japanische und der südkoreanische Kapitalismus gehen diesen Weg der Anpassung und meistern die Entwicklung ohne jede Zuwanderung, die Bevölkerung hat den höchsten Lebensstandard der Welt.

Dafür spielen Automatisierung, Robotik und mittlerweile auch KI wesentliche Rollen. Larry Fink, der Chef des mächtigen Vermögensverwalters BlackRock, erklärte offen, dass jene Länder, die eine restriktive Einwanderungspolitik verfolgen (er nannte explizit Japan, Südkorea und China), langfristig einen höheren Lebensstandard und ein schnelleres Produktivitätswachstum verzeichnen werden. Da diese Staaten kaum Migration zulassen, gehen sie dazu über, KI und Robotik rasant weiterzuentwickeln (wir haben berichtet).

Global gesehen, im Sinne der nachhaltigen Bewohnbarkeit des Planeten, wäre ein Bevölkerungsrückgang auch wünschenswert. In Europa und den entwickelten asiatischen Ländern (Japan, China, Südkorea) findet er auch statt. In Nord- und Südamerika sowie in Indien ist das Wachstum moderat. Lediglich die unterentwickeltsten Regionen der Welt, nämlich Afrika und der islamische Raum, haben noch ein massives Bevölkerungswachstum.

Anders als Japan setzen die klassischen Einwanderungsländer USA, Kanada und Australien durchaus weiterhin auf Zuwanderung, allerdings achten sie dabei zumindest teilweise darauf, dass diese Migranten überdurchschnittlich gut qualifiziert sind und dass sie die Landessprache Englisch beherrschen.

Auch im deutschsprachigen Raum gab es historisch Zeiten von Bevölkerungsrückgang und massiver Zuwanderung: Durch den 30-jährigen Krieg 1618-48 verlor das Deutsche Reich sechs seiner davor 18 Millionen Einwohner; einige Jahrzehnte später wurden etwa 60.000 Hugenotten (aus Frankreich vertriebene Protestanten) aufgenommen, die meist besser qualifiziert waren als die Einheimischen und in Preußen bald eine wichtige Rolle spielten.

Durch Nationalsozialismus und Weltkrieg hatte das Deutsche Reich 7-8 Millionen Einwohner verloren (NS-Opfer, Emigranten, Soldaten, zivile Kriegsopfer); im Gebiet des heutigen Deutschland wurden 1945 etwa 12 Millionen Vertriebene aus den verlorenen Ostgebieten aufgenommen (8 Millionen in der späteren BRD, 4 Millionen in der späteren DDR) und angesichts gleicher Qualifikation und Sprache/Kultur und wirtschaftlichem Boom rasch integriert.

Wachsende muslimische Zuwanderung

In Großbritannien und Frankreich kam die muslimische Zuwanderung stark aus ehemaligen Kolonien in Pakistan beziehungsweise in Nordafrika. Die BRD hatte seit 1955 mit Italien, Griechenland etc. Anwerbeabkommen für Arbeitskräfte geschlossen, die türkische Regierung des Militärputsches von 1960 drängte nun Deutschland zu einem ebensolchen Abkommen – als Ventil für den sozialen Druck im Land, war doch die Türkei mit Landflucht, Massenarbeitslosigkeit und linksgerichteten sozialen Protesten konfrontiert.

Das deutsche Arbeitsministerium hatte nicht nur ökonomische Bedenken gegen die Sinnhaftigkeit eines solchen Vertrages mit ungelernten türkischen Arbeitskräften, sondern hielt auch – wie die deutsch-türkische Autorin Necla Kelek schreibt – die kulturell-religiöse Distanz für den gesellschaftlichen Frieden nicht für förderlich. Dass das Abkommen 1961 trotzdem zustande kam, lag am Druck der USA, die nach der Niederlage in Kuba einen linksgerichteten Umsturz im NATO-Land Türkei verhindern wollten.

Um 1970 lebten etwa 10 Prozent der damals etwa 35 Millionen Einwohner der Türkei ganz oder teilweise von den Überweisungen von Verwandten aus Deutschland. 1973 endete schließlich der lange Wirtschaftsboom und 1974 wurden die deutschen Abkommen mit Südeuropa gekündigt; die meisten Italiener und auch die Arbeiter aus Griechenland, Spanien und Portugal (wo gerade die Militärdiktaturen gestürzt worden waren) kehrten in ihre Heimat zurück.

Die meisten Türken blieben hingegen in Deutschland, hatte doch die türkische Regierung keinerlei Interesse an einer Rückkehr ihrer Devisenbringer. Von der einen Million Türken in der BRD war 1974 zwar die Hälfte arbeitslos, aber Arbeitslosigkeit im deutschen Sozialstaat war immer noch viel besser als die triste Lage eines Arbeitslosen in der Türkei. Eine deutsche oder österreichische Staatsbürgerschaft oder eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung gelten in der Türkei längst als wesentlicher Bestandteil des Brautpreises und von arrangierten (unfreiwilligen) Ehen.

Der Anwerbestopp ließ sich relativ leicht durch Familiennachzug umgehen, und die Zahl der Türken beziehungsweise Türkischstämmigen in Deutschland stieg bis heute auf 3 bis 3,5 Millionen. Dazu kamen mit der Zeit Moslems aus anderen Ländern und mit der „Flüchtlingswelle 2015/16“ besonders Afghanen, Syrer, Iraker, Nordafrikaner etc. Während bei der BRD-Volkszählung 1987 noch 1,65 Millionen Muslime erfasst wurden, schätzte die deutsche Regierung ihre Zahl im Jahr 2000 auf zwischen 2,8 und 3,2 Millionen (also fast eine Verdoppelung in 13 Jahren). 2025 sollen dann in Deutschland bereits 7 Millionen Mohammedaner gelebt haben.

Der Demograph Herwig Birg beklagte schon 2007: „Es gibt keine Statistiken über Muslime, und man will die Zahlen nicht wissen aus Desinteresse, Verantwortungslosigkeit und Feigheit vor der Zukunft – und zwar von links bis rechts im politischen Spektrum.“ Andere Schätzungen als die der Islam-Konferenz gingen schon für 2017, inklusive aller Asylwerber und Nichtregistrierten, von 8 bis 10 Millionen Islamgläubigen in Deutschland aus.

In Österreich schätzte man Anfang 2017 die Zahl der Muslime (neben Türken vor allem Araber, Afghanen, Tschetschenen, Bosnier) im Land auf 700.000; bei der Volkszählung 2001 waren es noch 346.000. Aktuell wird offiziell von 800.000 ausgegangen, wobei kaum glaubhaft ist, dass die Zahl seit 2017 nur um 100.000 angewachsen ist.

Eine Islamisierung findet in europäischen Ländern auf mehreren Ebenen statt. Erstens steigt der Anteil der muslimischen Bevölkerung durch höhere Geburtenraten und Zuwanderung relativ rasch an. Zweitens sind innerhalb der Communitys aus muslimischen Ländern die Religiösen am Vormarsch und die Säkularen und „Kulturmuslime“ (die die Religion nicht so ernst nehmen) werden weniger. Auf der Grundlage dieser beiden Aspekte werden drittens die konservativen Islamverbände und islamistischen Gruppierungen in ihren Forderungen immer offensiver.

Numerische Islamisierung

Was den Anstieg der muslimischen Bevölkerung in europäischen Ländern betrifft, sind Prognosen schwierig. In vielen Ländern gibt es schon bezüglich des aktuellen Bevölkerungsanteils keine wirklichen Erhebungen, und das Establishment von EU und Regierungen will offenkundig die Angaben geringhalten. So ist für Großbritannien gerade einmal von 4 Millionen Muslimen die Rede, was niemand ernst nimmt, und für Frankreich lediglich von 6 Millionen (Schätzungen reichen aber bis zu 10 oder sogar 11 Millionen).

Darüber hinaus ist die weitere Entwicklung von mehreren Faktoren abhängig: Wird die muslimische Zuwanderung erneut Spitzenwerte wie 2015 und 2016 erreichen, wird sie in einem etwas reduzierten Ausmaß weitergehen (die wahrscheinlichste Variante) oder weitgehend gestoppt werden? Wieviel Familiennachzug wird stattfinden? Wie entwickeln sich die Geburtenraten der Migranten?

Fakt ist, dass die Geburtenraten etwa der zugewanderten Türkinnen zuletzt in der zweiten und dritten Generation gesunken sind, aber noch immer deutlich höher sind als in der indigenen Bevölkerung. In den letzten Jahren stieg die Zahl der Muslime in Deutschland allein durch die Geburtenraten jährlich um gut 100.000, Tendenz steigend. Wird sich das Sinken der türkischen Geburtenraten fortsetzen oder wird es sich angesichts der verstärkten Islamisierung in der Community und der Gebär-Aufrufe von Recep Erdogan und Co. umkehren?

Bei in den letzten Jahren nachgeholten Afghaninnen und Araberinnen liegt die Geburtenrate bei 3,3 Kindern, während in Österreich geborene Frauen durchschnittlich 1,29 Kinder zur Welt bringen. Gewisse Anhaltspunkte geben Fakten, wie dass sich die Bevölkerungszahl der Türkei (trotz Auswanderung) von 1975 bis 2015 von 40 auf 80 Millionen verdoppelt hat.

Klare Hinweise auf die grobe Tendenz geben auch Zahlen bei Kindern und Jugendlichen. In Deutschland ist bei den Grundschülern der Anteil der Mohammedaner etwa viermal so hoch wie in der Gesamtbevölkerung, in immer mehr Stadtteilen in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Deutschland oder auch Österreich und teilweise sogar in ganzen Städten stellen Muslime bei den Volksschülern über 50 Prozent, vor allem bei Neugeborenen sind es teilweise über die Hälfte. Wenn man das verlängert und mit weiterer muslimischer Zuwanderung verbindet, ist klar, was das in 10, 20 oder 30 Jahren bedeutet.

Prognosen

Vural Öger, türkischstämmiger Tourismus-Unternehmer (der vor der Pleite seines Konzerns laut Medienberichten sein Vermögen zur Seite geschafft hat) und ehemaliger SPD-Abgeordneter, sagte bereits 2004: „Das, was Kanuni Sultan Süleyman 1529 mit der Belagerung Wiens begonnen hat, werden wir über die Einwohner, mit unseren kräftigen Männern und gesunden Frauen, verwirklichen. Im Jahr 2100 wird es in Deutschland 35 Millionen Türken geben. Die Einwohnerzahl der Deutschen wird dann bei ungefähr 20 Millionen liegen.“

Diese Prognose mag etwas übertrieben sein, aber die Tendenz ist eindeutig. Der erwähnte Demograph Herwig Birg schätzte ebenfalls bereits 2005, dass im Jahr 2050 die zugewanderte Bevölkerung in Deutschland (also nicht nur Muslime) etwa 19 Millionen Menschen ausmachen wird, während die Zahl der ethnisch Deutschen auf 49 Millionen geschrumpft sein wird. Das war konservativ geschätzt: Bereits 2025 hatten laut Statistischem Bundesamt 21,8 Millionen Menschen in Deutschland „Migrationshintergrund“.

Und der berühmte britisch-amerikanische Islamforscher und Politikberater Bernard Lewis sagte schon 2004 in einem Interview: „Europa wird ein Teil des arabischen Westens, des Maghreb, sein. Dafür sprechen Migration und Demographie. Europäer heiraten spät und haben keine oder wenige Kinder. Aber es gibt eine starke Immigration: Türken in Deutschland, Araber in Frankreich, Pakistaner in England. Diese heiraten früh und haben viele Kinder. Nach den aktuellen Trends wird Europa spätestens Ende des 21. Jahrhunderts muslimische Mehrheiten in der Bevölkerung haben.“

Die Prognosen von Öger, Birg und Lewis sind gut 20 Jahre alt. Die aktuelle offizielle Wissenschaft legt, trotz staatlicher Unsummen für Migrationsforschung, Diversity etc., keine oder verschleiernde Zahlen vor. Eine Ausnahme ist der Politikwissenschaftler Michael Ley, der 2017 davon ausging, dass sich bei gleichbleibender demografischer Entwicklung der Anteil der Muslime in Österreich (und Deutschland) alle zehn Jahre verdoppeln werde. Das würde bedeuten: von 2017 realistisch 10 Prozent auf 20 Prozent im Jahr 2027, auf 40 Prozent im Jahr 2037 usw. In seiner Prognose wären die Muslime in Österreich (oder Deutschland) also bereits irgendwann zwischen 2040 und 2050 die Mehrheit.

Entschieden ist das natürlich weit früher: Wenn die Muslime einmal in einem Land 30 oder 40 Prozent der Bevölkerung stellen, ist angesichts der Dynamik die Sache erledigt. Denn die Islamisierung eines Landes ist nicht erst dann entschieden, wenn die Moslems die Mehrheit der Gesamtbevölkerung ausmachen. Sie ist durch, sobald in den jungen Generationen die Islambefolger die Mehrheit sind (die Relationen in den Seniorenheimen spielen keine Rolle). Und auch in den ländlichen Regionen, wo sich manche noch sicher fühlen, findet die Entwicklung nur etwas verzögert statt.

Falls in der Politik keine massive Kehrtwende eintritt und sich auch andere wesentliche Faktoren nicht grundlegend ändern, ist die Islamisierung Westeuropas in spätestens 20 Jahren entschieden. Das gilt jedenfalls für Österreich, Deutschland, die Niederlande, Belgien, Frankreich, Großbritannien und Skandinavien, aber wohl auch für die Schweiz, Italien und Spanien.

Und auch von den 145 Millionen Einwohnern Russlands sind etwa 20 Millionen Muslime (vor allem Tataren und kaukasische Völker); ihr Anteil steigt stetig an, denn sie haben deutlich höhere Geburtenraten als russische Frauen. Die einzigen Länder Europas, die von der numerischen Islamisierung nicht betroffen sind, sind Ungarn, Slowakei, Tschechien, Polen und Weißrussland und wohl auch die baltischen Staaten und Rumänien, vielleicht auch Kroatien und Slowenien.

Qualitative Islamisierung

Neben der numerischen Islamisierung werden in den letzten 30 Jahren in den moslemischen Gemeinschaften Europas auch die konservativen und religiösen Kräfte immer stärker. Die Erwartung diverser Zuwanderungs- und Multikulti-Vertreter, dass sich in der modernen westlichen Gesellschaft die Mohammedaner (wie zuvor die Christen) mit der Zeit und über die Generationen immer mehr säkularisieren würden, ist keineswegs eingetreten. Im Gegenteil belegen diverse Studien in verschiedenen Ländern oder Städten, dass die jüngeren Generationen der Muslime in Europa religiöser sind als ihre Eltern.

Die Zahl derjenigen, die sich als gläubig oder sehr gläubig einschätzen, ist seit der Jahrtausendwende von etwa 55 auf etwa 85 Prozent gestiegen (die verschiedenen Studien weichen da, je nach Fragestellung und Region, nur geringfügig voneinander ab). Etwa drei Viertel der Muslime stellen die göttlichen Gesetze über die staatlichen, gut die Hälfte stellt Islam/Scharia ganz offen über die Demokratie. In Österreich sind 80 Prozent der Flüchtlinge von 2015/16 dafür, dass Frauen Gesichtsschleier oder zumindest Kopftuch tragen.

Diese konservativ-religiösen Mehrheiten unter den Muslimen kommen auch dann zum Ausdruck, wenn zum Beispiel in Österreich etwa 70 bis 75 Prozent der Türken für Erdogans Islampartei stimmen. Ähnlich sind die Kräfteverhältnisse bei Zuwanderern aus Afghanistan, dem Irak, Syrien und Nordafrika, noch islamistischer sind Tschetschenen und Somalier, moderner lediglich Iraner und Bosnier. Stellten in den 1980er oder 1990er Jahren politische Flüchtlinge mit säkularem und oft linkem Selbstverständnis aus der Türkei oder dem Iran noch einen relevanten Teil der Zuwanderung aus diesen Ländern dar, sind unter den Migranten der letzten 20 Jahre diese Gruppen eine kleine Minderheit.

Die genannten allgemeinen Tendenzen bedeuteten im Konkreten, dass es in den moslemischen Communitys immer mehr Druck auf Nachbarn gab – dass in die Moschee gegangen wird, dass die Frauen der Familie Kopftuch tragen, dass Frauen Jobs kündigen, wo sie mit Männern gemeinsam arbeiten etc. In Schulen nahm die Praxis zu, dass junge Burschen die Mädchen in Anständige mit Kopftuch und „Schlampen“ ohne Kopftuch unterteilen.

Während in den meisten Fällen Mädchen von Eltern oder Brüdern zum Kopftuch gezwungen werden, gibt es immer wieder Fälle, in denen säkulare Eltern aus dem islamischen Kulturraum mitansehen müssen, wie ihre Kinder durch den Einfluss von Freundeskreisen, Moscheen und Nachbarschaften islamisiert werden. Wie es im Koran heißt (Suren 4,89 und 5,51) und es in vielen Moscheen gepredigt wird, werden die Muslime angehalten, möglichst wenig Kontakt und jedenfalls keine Freundschaft mit den Kuffar (= Ungläubigen) zu halten; und 60 Prozent der Türken in Deutschland haben auch keine sozialen Kontakte außerhalb der Community.

Kritiker des Islam wurden in den letzten 15 Jahren zunehmend eingeschüchtert und bedroht. In vielen Schulen trauen sich Schüler oder auch Lehrer kaum mehr, etwas Skeptisches über den Islam zu sagen, weil sie sofort mit aggressiven Jugendlichen oder Vätern konfrontiert sind, die die „Ehre“ des Propheten beleidigt sehen. Während auf Islamkritik, orchestriert von den Islamverbänden und unterstützt von linken und liberalen Intellektuellen, mit Wehleidigkeit, Rassismus-Anschuldigungen und Aggression reagiert wird, ist im eigenen Milieu ein rabiater und pauschaler Hass gegen Europäer, Juden und Homosexuelle weit verbreitet.

Die erwähnte türkischstämmige Islamkritikerin Necla Kelek schrieb dazu schon 2012: „Wer mitbekommt, wie eine Gruppe muslimischer Jungen und Mädchen, Männer und Frauen unter sich über deutsche Mädchen, die Deutschen oder die Juden reden, dem wird es schlicht die Sprache verschlagen über die Ablehnung und die Verachtung, die ihm entgegenschlägt.“

In etlichen Ländern ist mittlerweile auch eine Paralleljustiz entstanden, in der Imame und islamische „Friedensrichter“ nach der Scharia Recht sprechen. In etlichen Städten in England, Frankreich oder Deutschland ziehen islamistische Jugendliche als selbsternannte Scharia-Polizei durch die Straßen. In französischen Vororten können Linienbusse teilweise nur noch mit muslimischem Fahrer unterwegs sein, weil sie sonst angezündet werden.

In immer mehr europäischen Städten gibt es selbst für die Polizei so genannte No-Go-Zonen, die de facto von muslimischen Banden kontrolliert werden. Während der Brüsseler Stadtteil Molenbeek als Brutstätte für Islamismus und Terroristen internationale Berühmtheit erlangte, gab es in Frankreich 2016 (laut dem damaligen Städtebauminister Patrick Kanner) etwa 100 Molenbeeks. Der Physiker Fewzi Benhabib, der aus Algerien vor den Islamisten nach Frankreich geflohen war, beschrieb 2015 in seinem Artikel „Wie meine Stadt islamistisch wurde“ sehr eindrücklich die Entwicklung im Pariser Vorort Saint-Denis.

Ursachen der religiösen Wende

Der Islam ist nicht nur eine Religion, sondern auch eine Herrschaftsideologie. Expansion und Herrschaftsanspruch sind tief in den Lehren verankert. Nach 1300 Jahren weitgehend erfolgreicher Unterwerfung und Kolonialisierung anderer Völker hat man aber im 19. und 20. Jahrhundert durch den modernen Westen Niederlagen hinnehmen müssen: Ausschaltung der nordafrikanischen Piratenstaaten, Niedergang des Osmanischen Reiches, Kolonialisierung der moslemischen Regionen durch europäische Mächte.

Das führte zu einer Verunsicherung in der herrschaftsgewohnten islamischen Welt. Und in der Folge orientierten sich politische Kräfte in der Region an westlichen Konzepten. Von den 1950er bis in die 1970er Jahre hat sich der islamische Raum in eine säkulare und teilweise sozialistische Richtung entwickelt.

Gamal Abdel Nasser in Ägypten, Achmed Sukarno in Indonesien, Mohammed Mossadegh im Iran, Muamar al Gaddafi in Libyen, die Baath-Parteien in Syrien und dem Irak, die FLN in Algerien und die PLO in Palästina waren bürgerlich-nationale säkulare Bewegungen. Sie waren in der Regel autoritär, oft antisemitisch und sicher nicht frei von islamischen Denkmustern, strebten aber dennoch eine Modernisierung ihrer Staaten nach westlichem Vorbild an.

Das bedeutete aber nicht nur, dass Frauen in Städten wie Algier, Kairo, Damaskus oder Kabul in kurzen Röcken unterwegs sein konnten und dass in etlichen Ländern eine starke Arbeiterbewegung entstanden war (besonders in Indonesien, im Iran und im Irak). Es bedeutete auch wirtschaftliche Maßnahmen wie Verstaatlichungen, mit denen man die eigene Wirtschaft unter Kontrolle bekommen wollte und die westlichen Konzernen zuwider waren.

Und da sich manche der genannten politischen Kräfte als sozialistisch verstanden und teilweise auch an der Sowjetunion orientierten, begannen die USA und ihre Verbündeten, konservative Kräfte zu unterstützen. Das war im Iran der Schah, der 1953 durch einen CIA-gelenkten Militärputsch an die Macht kam. Dann waren es aber vor allem islamistische Kräfte (etwa in Indonesien, in Afghanistan, in den Golfstaaten und zuletzt in Syrien), die durch die US-Unterstützung einen neuen Aufschwung erlebten.

In diesem Sinne haben die USA und Großbritannien, angetrieben durch ihren Hass auf die Sowjetunion und auf Russland, eine Mitschuld an der religiösen Wende im islamischen Raum. Da die säkularen und „sozialistischen“ Kräfte im islamischen Raum gestürzt wurden oder auch üble Diktaturen waren, ist der Prozess der ökonomischen und kulturellen Modernisierung gescheitert.

Die Folge davon war eine immer weiter um sich greifende ideologische Rückkehr zu konservativen islamischen Traditionen. Ein wesentlicher Faktor dafür war auch, dass seit den 1980er Jahren islamische Staaten wie Saudi-Arabien oder Katar (mit Hilfe der USA) und später die Erdogan-Türkei in der gesamten Region islamistische Kräfte massiv politisch und vor allem finanziell unterstützten. Mit den nahezu unbegrenzten saudischen und katarischen Geldern erlebten Wahabiten, Salafisten, Muslimbrüder und andere islamische Extremisten einen immer stärkeren Aufschwung.

Im Zeitalter von Globalisierung und Internet machte diese Entwicklung auch vor den Muslimen in Europa nicht halt. Zu den saudischen und katarischen Geldern und den Netzwerken der Muslimbruderschaft kamen hier noch von der Türkei finanzierte Kulturvereine und von der Türkei bezahlte Imame, die den AKP-Islamismus hier vorantreiben.

Der berühmte aus Syrien stammende und in der Tradition der „Frankfurter Schule“ stehende Islamwissenschaftler Bassam Tibi, der Anfang der 1990er Jahre den Begriff „Euro-Islam“ als Bezeichnung für eine liberale Ausprägung des Islam in Europa geprägt hatte, hat 2016 eingeräumt, dass dieses Konzept gescheitert sei und sich der „Kopftuch-Islam“ und Parallelgesellschaften durchgesetzt hätten.

Seiner Einschätzung nach leben lediglich 5 bis 10 Prozent der Muslime in Europa auch „europäisch“ und der Rest in einer muslimischen Parallelgesellschaft. Dazu passen auch Zahlen, wonach 93 Prozent aller Türkischstämmigen in Deutschland innerhalb der türkischen Ethnie heiraten. Diese Abschottung kann nicht auf einen angeblichen „antiislamischen Rassismus“ in Deutschland oder Österreich reduziert werden.

Erstens gab und gibt es in Teilen der deutschen Gesellschaft (beginnend bei Lessing, Herder und Rilke und endend bei den refugee-welcome-Intellektuellen der letzten Jahre) eine ausgesprochen islamophile Haltung, die man in Anlehnung an Edward Said als einen verklärenden „Orientalismus“ bezeichnen kann (dazu kam die promuslimische Haltung der Nazis, konkret ihre Kooperation mit der Muslimbruderschaft in Ägypten und die gezielte Aufstellung von NS-Kollaborationstruppen aus muslimischen Minderheiten in Bosnien und der Sowjetunion).

Zweitens haben sich in europäischen Ländern, die seit langem eine liberale multikulturelle Politik betrieben haben (etwa die Niederlande, Schweden oder Großbritannien), dieselben islamischen Parallelgesellschaften entwickelt.

Drittens gibt es in etlichen europäischen Ländern auch relevante Gruppen etwa von Chinesen, Vietnamesen oder Philippinos, die auch aus ganz anderen Kulturkreisen kommen, mit denen die einheimische Bevölkerung aber keine substantiellen Konflikte hat. Und in Österreich gab es vor 30 Jahren (während der Balkankriege) weit größere Ressentiments gegen Serben als gegen Türken, und trotzdem sind die Serbischstämmigen von Generation zu Generation mehr in die Aufnahmegesellschaft integriert.

Die Erklärung für die vormodernen Parallelgesellschaften der Moslems in Europa sah der aus der libanesischen Neuen Linken stammende Islamwissenschaftler Ralph Ghadban bereits 2011 „in erster Linie im islamischen Milieu selbst. Es hat sich inzwischen so weit ausgedehnt und verfestigt, dass es die Erzeugung herkunftsähnlicher Verhältnisse ermöglicht. (…) So ist die Ursache hauptsächlich in der Ideologie zu suchen, die die Migranten mitgebracht haben. Es waren hauptsächlich die gewaltlosen Islamisten, die die islamische Identität förderten und das islamische Milieu schufen. Sie haben ein Netz von Bildungseinrichtungen und islamischen Zentren errichtet, das eine genuine Reproduktion des Milieus ermöglichte. Die Selbstabgrenzung ist schon lange nicht mehr eine bloße Reaktion auf die Ablehnung der Gesellschaft: Sie ist vielmehr das Ergebnis einer von den Normen der Mehrheitsgesellschaft abweichenden Erziehung und Sozialisation.“ Und diese Normen und diese Ideologie haben ihre Wurzeln im Islam als politisch-totalitärer, kriegerischer und expansiver Religion.

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