Wettrüsten und Machtkampf: Berlin und Paris planen gemeinsame Raketenproduktion

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Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz strebt nach militärischer Vorherrschaft in Europa – und brüskiert damit den engsten Verbündeten. Um Paris zu besänftigen, plant man nun gemeinsame Rüstungsprojekte: Marschflugkörper und ballistische Raketen, die bis nach Moskau fliegen könnten. Während Berlin auf teure US-Technik schielt, bringt sich Frankreich mit seiner Nuklearmacht und operativen Erfahrung als dominanter Taktgeber in Stellung. Ein gefährliches geopolitisches Pokerspiel nimmt Fahrt auf.

Vor den hochrangigen bilateralen Treffen am heutigen Donnerstag und morgigen Freitag hängt der Haussegen schief. Die offen erklärte deutsche Ansage, die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Streitmacht des Kontinents aufzurüsten, weckt in der Grande Nation Ängste vor einer strategischen Deklassierung. Der französische Generalstabschef Fabien Mandon warnt bereits lautstark davor, dass Deutschland den Nachbarn militärisch und rüstungspolitisch bald abhängen könnte, nicht zuletzt durch die Absage gemeinsamer High-Tech-Projekte zugunsten nationaler Alleingänge. Um den Anschein der europäischen Einigkeit mühsam aufrechtzuerhalten, greift Berlin nun in die diplomatische Trickkiste.

Im Zentrum der Bemühungen steht die gemeinsame Entwicklung und Produktion von reichweitenstarken Marschflugkörpern und ballistischen Raketen. Auf diesem Gebiet herrscht in Deutschland bislang gähnende technologische Leere, während die französische Rüstungsindustrie aus dem Vollen schöpfen kann. Besonders interessant wird die Debatte durch den kürzlich von Bundeskanzler Friedrich Merz verkündeten Deal mit den Vereinigten Staaten. Berichten zufolge sollen für rund 1,4 Milliarden Euro 400 Tomahawk-Marschflugkörper samt dreier Typhon-Startsysteme angeschafft werden. Mit einer Reichweite von über 2.500 Kilometern könnten diese Waffensysteme tief in das russische Hinterland eindringen und Ziele bis nach Moskau in Schutt und Asche legen.

Doch das militärische Muskelspiel offenbart eklatante Schwächen. Die USA haben ihre eigenen Bestände durch den Krieg im Iran massiv dezimiert. Wann Washington überhaupt wieder exportieren kann, anstatt die eigenen Depots aufzufüllen, steht in den Sternen. Viel wichtiger ist jedoch der totale Verlust der Souveränität: Die Tomahawks funktionieren ausschließlich mit US-Software und amerikanischen Zieldaten. Berlin begibt sich damit in die absolute Abhängigkeit vom Wohlwollen Washingtons. Eben das führt nach auch dazu, dass Kanzler Merz parallel den Aufbau eigener, rein europäischer Waffensysteme forciert.

Als Alternative zum amerikanischen Import drängt sich der französische Rüstungskonzern MBDA mit seinem System Missile de Croisière Naval (MdCN) auf. Während der deutsch-schwedische Taurus lediglich 500 Kilometer weit fliegt und damit Moskau nicht erreichen kann, schafft das französische Pendant von Kriegsschiffen aus bereits rund 1.400 Kilometer. Aktuell wird eine bodengestützte Variante, die Land Cruise Missile, entwickelt. Sie soll ebenfalls Ziele in einer Entfernung von weit über 1.000 Kilometern treffen können und könnte künftig auch in deutschen Werkhallen gefertigt werden.

Auch bei ballistischen Raketen bringt sich die französisch-deutsche ArianeGroup in Stellung. Das Unternehmen, das neben zivilen Trägerraketen auch die geheimnisumwitterten M51-Raketen für Frankreichs Atom-U-Boote herstellt, plant den Bau konventioneller ballistischer Raketen mit einer Reichweite von 1.000 bis 2.500 Kilometern. Die Entwicklungszeit wird auf wenige Jahre geschätzt. Die Produktion wäre dank vier existierender Standorte problemlos auf deutschem Boden umsetzbar – als durch und durch souveräne europäische Lösung, die völlig frei von amerikanischen Bauteilen ist.

Paris denkt allerdings gar nicht daran, sich auf die Rolle des bloßen Waffenlieferanten für deutsche Großmachtfantasien reduzieren zu lassen. Um der deutschen Konkurrenz auf Augenhöhe zu begegnen, spielt der Élysée-Palast zwei entscheidende Trümpfe aus. Zum einen treibt Frankreich gemeinsam mit Großbritannien die militärische Führung der sogenannten „Koalition der Willigen“ gegen Russland voran. Mit geplanten aggressiven Kriegsübungen in Polen und anderen Nachbarstaaten der Ukraine will Präsident Emmanuel Macron zu Land, in der Luft und zur See die operative Überlegenheit seiner Truppen demonstrieren.

Zum anderen zückt Frankreich seine letzte unwiderlegbare Trumpfkarte: das eigene Nukleararsenal. Unter dem Vorwand, der atomare Schutz durch die USA sei nicht mehr verlässlich, spannt Paris derzeit einen eigenen europäischen Nuklearschirm auf. Die neue Doktrin sieht vor, verbündete Staaten in strategische Konsultationen einzubinden, sie in Nuklearmanöver zu integrieren und französische Atombomber auf fremdem Territorium rotieren zu lassen. Derzeit laufen Verhandlungen mit neun europäischen Ländern, darunter auch Deutschland. Frankreich gleicht damit den drohenden Einflussverlust geschickt aus und festigt eine Machtposition, an der die deutschen Träume von der alleinigen Führungsrolle zwangsläufig abprallen müssen.

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