Die linksgerichtete Führung Venezuelas hat jahrelang eng mit China und dem Iran kooperiert. Nun hilft die israelische Armee in dem südamerikanischen Land bei den Aufbauarbeiten nach den beiden Erdbeben.
Am 24. Juni hatten zwei Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 Venezuela erschüttert. Am schwersten betroffen ist der nördlich der Hauptstadt Caracas gelegene Bundesstaat La Guaira mit der gleichnamigen Hafenstadt. Bislang sind 4.118 Tote gemeldet worden. Die Zahl der Verletzten liegt bei 16.740. Außerdem werden noch immer tausende Menschen vermisst.
In dieser Situation bat die Regierung ausgerechnet den jüdischen Staat um Unterstützung beim Wiederaufbau. Das ist insofern bemerkenswert, als Venezuela und Israel seit 17 Jahren keine diplomatischen Beziehungen mehr unterhalten.
Die Linksregierung des Chavismus, Hugo Chávez und sein Nachfolger Nicolás Maduro, hatten in der Ideologie des „Antizionismus“ gemeinsame Sache mit dem Iran und anderen „antiimperialistischen“ Islamisten gemacht. Seit der militärischen Intervention der USA im Januar 2026 und der Gefangennahme Maduros weht aber nun offensichtlich in Caracas ein anderer Wind.
Hilfe aus Israel
Auf Ersuchen der neuen venezolanischen Präsidentin Delcy Rodríguez ist seit zwei Wochen eine israelische Hilfsdelegation aus 30 Spezialisten im Land. Am Mittwoch verlängerte die Regierung den Einsatz um zwei Wochen, wie das Außenministerium in Jerusalem mitteilte. Die Verlängerung erfolgte demnach auf Bitten von Rodríguez (Vereinigte Sozialistische Partei).
Die Delegation besteht aus Mitgliedern des israelischen Heimatschutzkommandos und weiteren Militärexperten unter Leitung von Stabschef Elad Edri. Der designierte israelische Botschafter in Mexiko, Joed Magen, koordiniert die Bemühungen. Bei dem verlängerten Einsatz soll die Delegation Aufbaupläne umsetzen, die israelische Experten in Abstimmung mit der venezolanischen Regierung erstellt haben. Rodríguez war bei der Präsentation des Planes dabei und erteilte die Genehmigung.
Im Zentrum des Einsatzes steht die Untersuchung beschädigter Wohnhäuser, Krankenhäuser und öffentlicher Einrichtungen. Rund 1300 Gebäude sollen daraufhin überprüft werden, ob sie saniert oder abgerissen werden. Besonders viele Opfer waren in den von der Linksregierung mit schlechter Qualität errichteten Sozialbauten zu verzeichnen gewesen (wir haben berichtet).
Neustart der Beziehungen
Im Januar hatte Rodríguez noch behauptet, die amerikanische Militäraktion zur Festnahme von Staatspräsident Maduro (Vereinigte Sozialistische Partei) habe „zionistische Untertöne“. In einer Pressekonferenz am 3. Juli dankte Rodríguez Israel für den Einsatz. Es handele sich um ein „hoch ausgebildetes und professionelles Team“. Sie erklärte, die jüdische Gemeinschaft im Land und insbesondere Oberrabbiner Yitzhak Cohen hätten den Kontakt zur israelischen Regierung hergestellt.
Auch der israelische Premier Netanjahu dankte der Delegation am Donnerstag in einem Telefonat: „Sie bauen aus den Ruinen wieder auf, und sie bauen die Beziehungen wieder auf. Sie zeigen den Menschen in Venezuela und auch der Regierung das wahre Gesicht des Staates Israel.“
Gemeinsam mit Venezuelas Infrastrukturministerium entwickelte die Delegation nach israelischen Angaben innerhalb weniger Tage einen nationalen, mehrjährigen Wiederaufbauplan. Rodríguez ließ sich den Plan vorlegen und billigte ihn. Mit der jetzt beschlossenen Verlängerung soll die israelische Mission nun auch bei den ersten Schritten der Umsetzung helfen.
Bei Treffen mit Rodríguez waren auch uniformierte Offiziere des israelischen Heimatfrontkommandos anwesend. Das war angesichts der langjährigen Feindschaft zwischen Caracas und Jerusalem ein diplomatisch spektakuläres Bild. Formal sind die Beziehungen noch nicht wiederhergestellt, die Hilfe könnte aber eine neue politische Annäherung einleiten.





