Selbst wenn sich die Amerikaner und die Iraner einigen sollten, bleibt die Gefahr weiterer Störungen in der Straße von Hormus bestehen. Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen dieses Nadelöhr nun mit einer neuen Pipeline umgehen und mehr Versorgungssicherheit schaffen. Auch andere Golfstaaten arbeiten an neuen Exportkorridoren.
Seit der Eskalation am Persischen Golf und der damit verbundenen faktischen Schließung der Straße von Hormus leidet die globale Versorgung mit Erdöl und Flüssigerdgas. Ohne die Anzapfung der strategischen Ölreserven wäre die Welt längst schon in eine tiefe Energiekrise gestürzt. Doch die Lager leeren sich rapide und selbst die Unterzeichnung einer Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) zwischen Washington und Teheran ändert nichts daran, dass die Lage weiterhin volatil ist und eine neuerliche Sperrung der wichtigen Meerenge jederzeit erneut passieren kann.
US-Präsident Donald Trump selbst wies darauf hin, dass die Welt ohne eine rasche Öffnung bereits in wenigen Wochen ohne ausreichend Erdöl dastehen würde, was den Druck auf die Verhandlungen mit dem Mullah-Regime erhöhte. Dennoch arbeiten die Golf-Araber an der Etablierung alternativer Exportkanäle zur Umgehung des Nadelöhrs. Damit wollen die Energieproduzenten am Golf die Fähigkeit Teherans verringern, die Durchfahrt in künftigen Konflikten als Druckmittel einzusetzen.
Trump said the world would have run out of oil reserves in 4 weeks, put pressure for a peace agreement.
— OSINTtechnical (@Osinttechnical) June 17, 2026
Says it would have been "bedlam" pic.twitter.com/k45MTI8sNs
Im ersten Monat des Konflikts fuhr Saudi-Arabien die Kapazität seiner Hormus-umgehenden Ost-West-Pipeline auf das Maximum von 7 Millionen Barrel pro Tag hoch. Dies ermöglichte es dem Königreich, die Ströme von den Ladeterminals am Persischen Golf zu denen in Yanbu am Roten Meer umzuleiten. Auch die anderen Golfstaaten begannen damit, Alternativen zu suchen. Neue Pipeline-Routen gehören mit dazu. Anfang dieses Monats erklärte Scheich Khaled Ahmad Al-Sabah, Geschäftsführer für internationales Marketing bei Kuwait Petroleum, dass Kuwait zu den Ländern gehört, die Berichten zufolge Gespräche mit Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten über potenzielle grenzüberschreitende Pipelines geführt haben.
Den ersten wirklich konkreten Schritt verkündeten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). „Wir bewegen uns auf eine Null-Abhängigkeit von Hormus zu, und zwar unabhängig davon, ob die Meerenge geöffnet ist oder nicht“, sagte der Außenhandelsminister der VAE, Thani Al Zeyoudi, in einem Interview mit Bloomberg. „Sie wird geöffnet, und wir hoffen, dass dies schnell geschieht, aber wir werden den neuen Plan nicht stoppen.“ Der Plan sieht umfassende Investitionen in Pipelines, Schienen- und Straßenverbindungen von den VAE-Häfen im Persischen Golf nach Dibba, Fudschaira, Khor Fakkan und zu mindestens einem neuen Hafen an der Küste des Golfs von Oman vor.

Abu Dhabi hat bereits Pläne angekündigt, den Bau einer zweiten Rohöl-Pipeline nach Fudschaira bis 2027 im Schnellverfahren voranzutreiben. Zudem prüft das Emirat nun eine dritte Erdöl-Pipeline sowie Möglichkeiten, Petrochemikalien, LNG und andere Energieprodukte ohne die Nutzung von Hormus zu exportieren. Gleichzeitig steht das Land jedoch auch vor einem Problem in Sachen Importe. Dubais Hafen Jebel Ali bleibt das weltweit größte Containerdrehkreuz außerhalb Asiens. Ein Transport von mehr Fracht durch östliche Häfen würde die Transportkosten erhöhen und die Versandzeiten verlängern. Doch eine Unabhängigkeit von der Straße von Hormus hat eben auch ihren Preis.
