„Herrschaft des Volkes“: Das heißt (eigentlich) Demokratie. Das ist das, was die Systemparteien tagtäglich so heroisch vor einer wachsenden Masse kritischer Bürger beschützen wollen, die unliebsam wählen. Nach Ansicht dieser Obrigkeit muss die Herrschaft des Volkes also vorm Volk beschützt werden. Doch warum eigentlich? Warum nur hat das Volk den Kaffee auf?
Die Entwicklung verläuft in vielen westlichen Nationen ähnlich, aber die Buntenrepublik Deutschland eignet sich – wie so oft – besonders gut als Negativbeispiel. Kaum irgendwo sonst klafft die Rhetorik der Obrigkeit so weit mit der Lebensrealität der Bürger auseinander. „Wir leben im besten Deutschland, das es jemals gegeben hat“, fabulierte Bundespräsident Steinmeier schon vor sechs Jahren. Seither wird mit bitterem Sarkasmus vom besten Deutschland aller Zeiten gesprochen. Vorzugsweise im Kontext von migrantisch-islamischen Messerangriffen, Gruppenvergewaltigungen, kollabierenden Brücken, Hausdurchsuchungen bei kritischen Bürgern, Bürokratie-Peinlichkeiten, Bahn-Missgeschicken und in toten Öko-Projekten versenktem Steuergeld. Merken Sie was? Gar so gut hört sich dieses beste Deutschland nicht an.
Das Volk, das dieses Land eigentlich beherrschen sollte, hadert. Man sieht sie freilich selten auf großen Demos und sie schreiben auch keine wütenden Manifeste. Sie stehen morgens auf, gehen zur Arbeit, zahlen Rechnungen und Steuern, bringen ihre Kinder durch den unangenehm bunten Schulalltag und versuchen, die Wohnung, den Laden und das eigene Leben in Ordnung zu halten. Allem Fleiß zum Trotz merken sie jedoch irgendwann: Es reicht nicht mehr. Nicht finanziell, nicht zeitlich, nervlich schon gar nicht. Der Leistungsträger ist ausgebrannt.
Steuerzahler als niederster Dienstleister
Wer hinhört, nimmt das allgegenwärtige Murren durchaus wahr. Politisch wird die Lage trotzdem systematisch unterschätzt. Steigende Kosten gesellen sich zu steigenden Sozialbeiträgen und Abgaben, sodass vom Brutto immer weniger übrig bleibt. Wohnen, Energie, Lebensmittel, alles wird teurer. Froh kann sein, wer angesichts der Deindustrialisierung überhaupt noch einen halbwegs sicheren Job hat. Die Straßen werden unsicherer, der Werteverfall scheint allgegenwärtig. Die Bildungsmisere leider auch. Die Infrastruktur bröckelt vor sich hin. Dazu herrschen noch immer Spaltung und moralischer Dauerdruck: Wehe, man kritisiert die Zustände! Man wird doch wohl nicht rechtsextrem sein? Und als unappetitliche Sauerkirschen auf der Torte posieren Politiker wie Friedrich Merz, die einem vorhalten, man würde zu wenig arbeiten und zu viel jammern. Es mag Regierende in ihrem kuscheligen Elfenbeinturm überraschen, doch motivierend wirkt das alles nicht.
Wer funktioniert, leistet und anständig ist, hat davon… Nichts. Jedenfalls nichts, was im Verhältnis zu dem stünde, was einem genommen wird. Würde man in einem ausgewiesenen Entwicklungsland leben, könnte man die Gegebenheiten vielleicht mit einem Schulterzucken und einer gewissen Gelassenheit hinnehmen. Doch wer noch weiß, wie es sich in Deutschland früher leben ließ (also zu Zeiten, als es noch nicht das „beste Deutschland“ war), tut sich damit verständlicherweise schwer. Der Abstieg war immerhin nicht Schuld der Bürger, sondern der Politik, die sich entschlossen hat, die Interessen der Eigenen vollends in den Wind zu schießen.
Während der Steuerzahler offenbar zum Dienstleister niedersten Ranges erklärt wurde, zog sich der Staat schrittweise aus seinen grundlegendsten Aufgaben zurück. Innere Sicherheit, Finanzen, Bildung, Gesundheit, Infrastruktur, kaum ein Bereich, bei dessen Sichtung einem nicht bange werden kann. Während der Staat hier krachend scheitert, steigen aber die Ansprüche an den Bürger: höhere Abgaben, mehr Arbeit, mehr Gehorsam, mehr Verzicht. Man zahlt also immer mehr für einen Staat, der seine elementaren Pflichten immer schlechter erfüllt, und soll dafür auch noch dankbar sein.
Weder auf Bundes- noch auf Landesebene hat man bislang den Knall gehört. Hier befasst man sich lieber mit Anti-AfD-Circlejerks, brandmauert gegen den Souverän, sinniert über Zensur und grübelt, wie man das Wahl- und Zahlvieh maximal auspressen kann, ohne dass dessen Geschrei dabei zu laut wird.
Rückzug
Der wackere Steuerzahler pendelt irgendwo zwischen altdeutschem Pflichtgefühl, mehr oder minder unterschwelligem Ärger und dem Impuls, sich zurückzuziehen. Manche machen weiter, andere suchen Auswege, reduzieren Stunden, fiebern der Rente entgegen, sofern sie so viel bekommen, dass sie davon leben können, oder wollen auswandern. Die Distanz zum Politikbetrieb erreicht Höchst-, das Vertrauen in ihn Tiefstwerte.
Natürlich nimmt die Bereitschaft, sich noch irgendwo zu engagieren, ab. Wofür denn auch? Für ein Land, das sich offensichtlich aufgegeben hat, eine Politik, die auf die eigene Bevölkerung pfeift? Das einzige, was die deutsche Politik bei den Bürgern nachhaltig fördert, ist innere Emigration. „Macht euren Scheiß doch alleine!“
Das ist kein privates Befindlichkeitsproblem oder gar Zeichen individueller Schwäche, sondern ein klares Ergebnis politischer (um nicht zu sagen: typisch linker) Fehlsteuerungen. Ein Staat, der sich fett frisst, hemmungslos umverteilt und sich in immer mehr Lebensbereiche einmischt, ohne seine Grundaufgaben zu erfüllen, und der immer höhere Lasten bei denen ablädt, die noch funktionieren und den Laden am Laufen halten, verdient mindestens die Milei’sche Kettensäge.
Angesichts der regelrechten Steuerzahler-Diskriminierung, die die Politiker-Kaste betreibt, beleuchten wir in dieser Reihe, dass der gebeutelte Bürger in Wahrheit noch lange nicht wütend genug ist.
