Kirche ehrt Bin-Laden-Bewunderer – und kassiert Preis sechs Tage später wieder ein

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Ausgerechnet am 25. Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September zeichnet die Erzbischöfin von Canterbury einen pakistanischen Moslem-Kleriker für „Versöhnung und interreligiöse Zusammenarbeit“ aus. Sechs Tage später ist der Preis wieder weg. Hafiz Muhammad Tahir Mehmood Ashrafi stand 2007 an der Spitze einer Organisation, die Osama bin Laden mit dem Ehrentitel „Saifullah“ – „Schwert Allahs“ – bedachte.

Am 11. September 2026 erhielt Ashrafi im Lambeth Palace den „Hubert Walter Award for Reconciliation and Interfaith Cooperation“. Erzbischöfin Sarah Mullally würdigte ihn für seinen Einsatz für religiöse Minderheiten und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Glaubensgemeinschaften. Was bei dieser feierlichen Ehrung offenbar niemand ausreichend geprüft hatte, war die öffentlich dokumentierte Vergangenheit des Preisträgers: Bereits 2007 berichtete die pakistanische Zeitung Dawn unter Berufung auf AFP, der Pakistan Ulema Council habe Osama bin Laden seine höchste Auszeichnung verliehen. Anlass war die britische Ritterwürde für Salman Rushdie.

Auch der britische Guardian berichtete damals über den Vorgang. Ashrafi bezeichnete Bin Laden als „Mujahid“, der für den Islam gegen Russen, Amerikaner und Briten gekämpft habe. Der Pakistan Ulema Council stellte die Ehrung des Al-Qaida-Chefs als Antwort auf die Auszeichnung Rushdies dar. Damit lag der entscheidende Teil von Ashrafis Vergangenheit seit 19 Jahren offen in internationalen Medienberichten – und trotzdem schaffte er es durch die Auswahl für einen Kirchenpreis, der ausgerechnet Versöhnung und interreligiöse Zusammenarbeit würdigen soll.

Bei Moslems macht man keine Hintergrundprüfung

Um das festzustellen, hätte es weder Einblicke in irgendwelche Geheimdienstakten noch eine aufwendige Recherche in pakistanischen Archiven gebraucht. Eine gewöhnliche Überprüfung des Namens hätte genügt, um auf die alten Berichte zu stoßen. Westliche Institutionen durchleuchten bei politisch unbequemen Personen oftmals alte Äußerungen, Kontakte und Vereinsmitgliedschaften bis ins kleinste Detail. Bei einem islamischen Funktionär, der einen Kirchenpreis für „Versöhnung“ erhalten sollte, reichte es offenbar nicht einmal für eine simple Hintergrundprüfung.

Am 17. September zog Lambeth Palace die Auszeichnung wieder zurück. Frühere Äußerungen Ashrafis seien bekannt geworden und hätten zu einer Neubewertung geführt, erklärte das Büro der Erzbischöfin. Dabei waren diese Aussagen seit 2007 öffentlich dokumentiert. Lambeth Palace hatte sie vor der Preisvergabe offenbar nicht gefunden.

Moslem-Abwiegelei

Ashrafi bestreitet inzwischen die damalige Darstellung. Nach seiner heutigen Version habe er 2007 lediglich einen Vergleich gezogen, um den britischen Ritterschlag für Salman Rushdie zu kritisieren. Bin Laden sei der Titel nicht tatsächlich verliehen worden, behauptet er in einer Ausrede. Doch dagegen stehen die zeitgenössischen Berichte von Dawn und Guardian, die den Vorgang damals als Ehrung Bin Ladens durch den Pakistan Ulema Council beschrieben. Sie entstanden unmittelbar nach dem damaligen Vorgang und nicht erst jetzt, nachdem Ashrafis Vergangenheit für Lambeth Palace unangenehm geworden ist. Ausreden bleiben einfach nur was sie sind: Ausreden.

Der Zeitpunkt der Preisvergabe macht das Versagen noch schwerer erklärbar. Am 11. September 2001 ermordeten die Islamisten von Al-Qaida fast 3.000 Menschen. Genau 25 Jahre später ehrte die Spitze der Church of England einen Mann, dessen Organisation Osama bin Laden ausgezeichnet hatte – und zwar mit einem Preis für interreligiöse Verständigung. Sechs Tage später war der Preis wieder weg. Dass ein Mann mit dieser öffentlich dokumentierten Vergangenheit überhaupt bis auf die Bühne von Lambeth Palace gelangte, bleibt das eigentliche Versagen.

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