Volkswagen zieht die Notbremse. Der Autobauer verschärft seinen bereits angekündigten Sparkurs massiv, und dies könnte weit über den Konzern hinaus drastische Konsequenzen nach sich ziehen: Während bei VW selbst bis zu 100.000 Stellen auf der Kippe stehen, fürchten Experten eine Kettenreaktion, die Zulieferer, Speditionen, Handwerksbetriebe, Hotels, Restaurants, Bäckereien und Einzelhändler treffen könnte – mit bis zu 200.000 zusätzlich gefährdeten Jobs.
Die Belegschaft des VW-Konzerns muss mit harten Einschnitten rechnen. Um die Kosten für Verwaltung, Infrastruktur und Unterstützung des Kerngeschäfts auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu senken, plant VW-Chef Oliver Blume nicht nur einen deutlichen Stellenabbau, sondern auch eine grundlegende Straffung des gesamten Konzerns. Die Investitionen sollen in den nächsten fünf Jahren um rund 45 Milliarden Euro sinken. Gleichzeitig soll die Modellpalette schrittweise halbiert werden.
Damit gehen die Pläne deutlich über die bereits im vergangenen Jahr angekündigten Sparziele hinaus. Ursprünglich war von rund 50.000 Stellenstreichungen bis 2030 die Rede. Nun zeichnet sich eine Verdopplung ab – ein Großteil der 100.000 Stellen soll in Deutschland abgebaut werden. Werkschließungen soll es dagegen laut Blume vorerst nicht geben. Die Werke in Zwickau und Emden, das Audi-Werk in Neckarsulm und das Nutzfahrzeug-Werk in Hannover gelten dabei als gefährdet.
Volkswagen leidet unter einer Kombination aus verschiedenen Problemen: sinkenden Absatzzahlen in China, wo einheimische Hersteller wie BYD stark zulegen, schwacher Nachfrage in Europa, hohen Produktionskosten am deutschen Standort sowie den Folgen der raschen Umstellung auf Elektromobilität. Hinzu kommen US-Zölle und eine insgesamt schwierige globale Marktlage.
Doch die Gefahr liegt nicht nur in den direkten Stellenstreichungen bei VW. Die deutsche Autoindustrie ist ein engmaschiges Netzwerk. Jeder Job bei Volkswagen sichert statistisch etwa ein bis zwei weitere Jobs bei Zulieferern und Dienstleistern.
Experten warnen bereits vor einer Kettenreaktion. Zulieferer wären besonders betroffen: Viele hängen stark von VW-Aufträgen ab. Weniger Produktion bei VW bedeutet weniger Bestellungen und könnte zu Kurzarbeit, Stellenabbau oder Insolvenzen führen. Weitere betroffene Branchen wären Speditionen/Logistik (weniger Transporte), Hotels/Gastronomie in Werksregionen, sogar lokale Dienstleister wie Bäcker oder Einzelhandel. Erste Volkswagen-Zulieferer melden schon jetzt Kurzarbeit und Auftragsverluste und den Kommunen brechen die Gewerbesteuereinnahmen weg.
Sollten die Pläne so umgesetzt werden, könnte die regionale Wirtschaft in den Werksregionen weitere Zehntausende Jobs verlieren. Insgesamt könnten bis zu 200.000 weitere Arbeitsplätze in der erweiterten Wertschöpfungskette gefährdet sein.
Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM), warnt: „Im Falle des Schließens von Werken sind rund fünfmal mehr Arbeitsplätze im Umfeld – von Zulieferern bis zu Bäckereien – betroffen.“ Er sieht daher weit mehr als nur einen Konzern in der Notlage: „Es geht bei der größten Transformation der Automobilgeschichte auch um die Zukunft von Deutschland als starke Wirtschaftsbastion.“
Die aktuelle Krise bei VW (und der gesamten deutschen Autoindustrie) ist zu einem erheblichen Teil hausgemacht durch eine einseitige, ideologisch getriebene Klimapolitik, die Technologieoffenheit vermieden und stattdessen auf einen sehr schnellen, teuren und einseitigen Wechsel zur reinen Batterie-Elektromobilität gesetzt hat. Dabei hat die angebliche „Zukunftstechnologie“ E-Auto in der Praxis Probleme mit Reichweite, Rohstoffabhängigkeit (Kongo, China), Recycling und Netzbelastung, die immer noch heruntergespielt werden. Die „große Transformation“ wurde als alternativlos verkauft. Nun erleben wir gerade eine schmerzhafte Korrektur: Die Industrie zahlt den Preis für die politischen, ideologiegetriebenen Fehlentscheidungen der letzten Jahre.
Bei Volkswagen steht die Zukunft eines der größten europäischen Industriekonzerne auf dem Spiel. Ob der harte Sparkurs reicht, um im harten globalen Wettbewerb – vor allem mit China – zu bestehen, bleibt abzuwarten.





