Die Kreuzzüge des Hochmittelalters werden von Islamgläubigen, Linken und dem woken Mainstream als üble kolonialistische Aggression der bösen Europäer hingestellt. Mit einer Mischung aus historischer Unkenntnis und einer politischen Agenda wird die Realität auf den Kopf gestellt. Die Kreuzzüge waren völlig berechtigt, aber zu inkonsequent. In Teil 3 geht es um eine Bilanz und eine Bewertung.
Von Eric Angerer
- Teil 1 dieser Reihe beschrieb die Ausgangssituation und die Gründe für die Kreuzzüge.
- Teil 2 arbeitete den Verlauf der Kreuzzüge heraus.
In diesem dritten Teil soll eine Bilanz gezogen und die Kreuzzüge in größerer historischer Perspektive bewertet werden.
Das Zerrbild der Kreuzzüge im westlichen Mainstream
Dass die Kreuzzüge bei den Islambefolgern negativ betrachtet werden, kann nicht überraschen, haben sie doch die ungestörte Expansion ihrer Herrschaftsideologie behindert. Dass die Mohammedaner dann – während sich die eigenen Chronisten rühmen, wie viele gefangene „Ungläubige“ sie abgeschlachtet haben – die Kreuzritter als besonders bösartig hinstellen, ist einfach Propaganda.
Erklärungsbedürftiger ist hingegen, warum die Kreuzfahrer in der herrschenden historischen Erzählung des Westens so weitgehend negativ geframt sind. Das reicht von den tonangebenden Universitäten über das proislamische Parteienkartell und die Schulbücher bis zu Historienfilmen von Hollywood & Co.
Dieses Zerrbild ist wesentlich älter als die postkolonialistische akademische Ideologie. Der US-Historiker Raymond Ibrahim, Nachfahre ägyptischer Kopten, sieht die Wurzel der undifferenzierten Feindseligkeit gegenüber den Kreuzfahrern bereits im entstehenden Protestantismus. Dieser habe nach Punkten gesucht, die man dem Papsttum anlasten konnte, und dabei seien auch die Kreuzzüge ins Visier geraten.
Dazu kann man ergänzen, dass der Protestantismus mit einem radikalen Monotheismus dem Islam näher steht als das katholische und orthodoxe Christentum. Letztere haben mit der Heiligenverehrung und anderen Aspekten Elemente des polytheistischen Heidentums in sich aufgenommen, um Menschen den Übertritt zu erleichtern.
Im Zeitalter der Aufklärung waren dann so manche Kritiker des europäischen Absolutismus, etwa Gotthold Ephraim Lessing, auf der Suche nach positiven Gegenbeispielen – und fanden sie absurderweise und faktenbefreit im Islam. Das maurische Andalusien oder das Kalifat der Umayyaden (661-750) wurden als offene, tolerante und kultivierte Vorbildgesellschaften imaginiert.
Tatsächlich gab es unter dem Islam mildere und schärfere Regime. Milder meist dann, wenn man noch nicht die Mehrheit hatte oder gerade nicht gefestigt war. Schärfer, sobald man die Macht dazu hatte.
Engels und Marx zum Islam
Friedrich Engels hatte in seiner „Zur Geschichte des Urchristentums“ 1894 auch noch eine andere Erklärung für die wiederholten „religiösen Aufstände der muhammedanischen Welt“:
„Der Islam ist eine auf Orientalen, speziell Araber, zugeschnittene Religion, also einerseits auf handel- und gewerbetreibende Städter, andrerseits auf nomadisierende Beduinen. Darin liegt aber der Keim einer periodisch wiederkehrenden Kollision. Die Städter werden reich, üppig, lax in der Beobachtung des ‚Gesetzes‘.
Die Beduinen, arm und aus Armut sittenstreng, schauen mit Neid und Gier auf diese Reichtümer und Genüsse. Dann tun sie sich zusammen, unter einem Propheten, einem Mahdi, die Abgefallenen zu züchtigen, die Achtung vor dem Zeremonialgesetz und dem wahren Glauben wiederherzustellen und zum Lohn die Schätze der Abtrünnigen einzuheimsen.“
Die unterschiedlich scharfen Ausprägungen der islamischen Herrschaft ändern aber nie etwas an den Grundzügen der Unterwerfung der „Ungläubigen“, an der Islamisierung, an der Unvorstellbarkeit der Rechtsgleichheit von Islambefolgern und „Ungläubigen“, am tief eingeschriebenen Auftrag zur mehr oder weniger aggressiven Expansion.
Den heutigen islamverliebten Linken sei hier Karl Marx ins Stammbuch geschrieben, der 1854 in seinem Text „Zur Geschichte der orientalischen Frage“ ausführte:
„Der Koran und die auf ihm fußende muselmanische Gesetzgebung reduzieren Geographie und Ethnographie der verschiedenen Völker auf die einfache und bequeme Zweiteilung in Gläubige und Ungläubige. Der Ungläubige ist ‚harby‘, das heißt der Feind. Der Islam ächtet die Nation der Ungläubigen und schafft einen Zustand permanenter Feindschaft zwischen Muselmanen und Ungläubigen.“
Jedenfalls findet die Verdammung der Kreuzzüge durch den frühen Protestantismus und etliche Aufklärer – nach dem Zwischenschritt der Islambegeisterung von Adolf Hitler – in den vergangenen Jahrzehnten ihren vorläufigen Abschluss im akademischen Postkolonialismus. In dieser zutiefst ideologischen „Geschichtswissenschaft“ wird anachronistisch die gesamte Geschichte der weißen Europäer als Abfolge von Verbrechen karikiert – und die des Islam (oftmals mit Geldern aus Katar) als kultiviert und friedliebend „erforscht“.
Eine nüchterne Bewertung der Kreuzzüge
Jenseits der orientalistischen Märchen der Postkolonialisten ist es angebracht, die Kreuzzüge differenziert und nüchtern zu bilanzieren und zu bewerten. Grundsätzlich waren sie gerechtfertigt.
Die Dschihadisten hatten zuvor die großen christlichen Gebiete im Nahen Osten und in Nordafrika unter ihre Herrschaft gebracht. Die mehrheitlich christliche Bevölkerung dort wurde drangsaliert und verfolgt. Das byzantinische Reich konnte der immer aggressiveren Expansion kaum mehr standhalten. Da Gegenmaßnahmen zu ergreifen, war nicht nur legitim, sondern dringend notwendig.
Diese grundlegende Feststellung zu treffen, heißt nicht, keine Kritik an den Kreuzfahrern und ihren Unternehmungen zu üben. Auf der oberflächlichsten Ebene betrifft das die Durchführung. Mit einem Massaker wie dem in Jerusalem 1099 hat man sich auf das barbarische Niveau der Mohammedaner begeben. Den befreiten orthodoxen Ostchristen hat man nicht dieselben Rechte gegeben wie den „Lateinern“.
Oft haben Machtinteressen das gemeinsame Ziel, den Vormarsch der Islamgläubigen zu stoppen und sie wieder zurückzudrängen, beschädigt. Das betrifft die Gegensätze zwischen den Kreuzfahrern und der byzantinischen Führung. Das betrifft die Konflikte zwischen Kaiser und Papst. Das betrifft die Auseinandersetzung zwischen Richard Löwenherz und Leopold V. Das betrifft den Kampf zwischen Byzantinern und Venezianern, der schließlich zur schändlichen Plünderung von Konstantinopel führte. Das betrifft den Krieg zwischen Venedig und Genua. Das betrifft die eifersüchtige Konkurrenz zwischen Templerorden und Deutschritterorden.
Diese Uneinigkeit war letztlich verheerend. Schon zuvor hatte man den Ostchristen und Byzanz 400 Jahre lang nicht geholfen. Und selbst nun im Hochmittelalter, als ein Erfolg gegen die Islambefolger noch möglich war, fand man nicht zusammen. Zu keinem Zeitpunkt schafften es die wesentlichen Mächte Europas, ihre Konflikte ruhen zu lassen, eine gemeinsame große Armee aufzustellen und den Nahen Osten und Nordafrika konsequent von den moslemischen Kolonialisten zu befreien und zu säubern.
Neben Deutschland, Frankreich und England sind hier vor allem Byzanz, der Papst mit dem damals noch großen Kirchenstaat sowie die Seerepubliken Venedig und Genua zu nennen (denn Ungarn und Polen waren im Osten von den Mongolen bedroht, Spanien wiederum hatte die Islambefolger noch im eigenen Land stehen). Unterm Strich waren deshalb die Kreuzzüge, trotz der Entschlossenheit, dem Mut und der Tapferkeit vieler Ritter und ihrer Helfer, zu inkonsequent.
Christentum und Islam
Auf einer grundlegenderen Ebene ist anzumerken, dass das Christentum auch selbst – anders als das Judentum oder die heidnischen Religionen etwa der Griechen oder Germanen – expansiv ist. Überzeugt von der alleinigen Richtigkeit des eigenen Glaubens will man allen Menschen die entsprechenden Segnungen angedeihen lassen. Und das passierte auch immer wieder gewaltsam. Genannt wurde bereits die Zwangschristianisierung der Sachsen.
Und auch in der Zeit der Kreuzzüge gegen die mohammedanische Bedrohung wurden in Ostmitteleuropa Kriege zur Christianisierung geführt. Das gilt etwa für den Kreuzzug im 12. Jahrhundert gegen die slawischen Wenden im heutigen Mecklenburg-Vorpommern, an dem zehntausende deutsche, dänische und polnische Ritter teilnahmen, oder für die Kreuzzüge gegen die heidnischen Pruzzen im 13. Jahrhundert. Weder von den Wenden noch von den Pruzzen gingen Bedrohungen für die christlichen Staaten aus. Falsche Schwerpunktsetzung.
Aber auch wenn das Christentum in den genannten Fällen und auch später im Kolonialismus zeitweise auf gewaltsame Expansion seiner Religion setzte, besteht dennoch ein grundlegender Unterschied zum Islam. Ins Christentum, der Lehre eines gewaltlosen Predigers, ist die aggressive Ausbreitung nicht untrennbar eingeschrieben. Es ist deshalb auch mit einer modernen Gesellschaft kompatibel, kann eine Säkularisierung und eine Trennung von Kirche und Staat zulassen. Die christliche „Selbstlosigkeit“ kann, wie die aktuellen katholischen und evangelischen Amtskirchen zeigen, sogar bis zur Selbstaufgabe, zur Anbiederung an die Islambefolger und zum naiven Beklatschen der Islamisierung Europas führen.
Das ist beim Islam anders. Die Lehre Mohammeds, eines Kriegsführers und Staatsgründers, lässt ganz prinzipiell keine Trennung von Staat und Religion zu. Der Koran darf auch nicht „historisch gelesen“ werden, da er – inklusive der Verachtung für die Ungläubigen und diverser Gewaltaufrufe – von den Islamgläubigen als wortwörtliche Botschaft verstanden werden soll. Und da das Leben des „Propheten“ den Mohammedanern bis in jedes Detail als vorbildlich gilt, sind für sie auch ebensolche Kriegshandlungen, das Nehmen von Sklaven etc. legitim.
Freie Bahn für die Türken
1291 waren die Kreuzfahrerstaaten mangels Unterstützung aus Europa endgültig besiegt. Damit war die kriegerische Auseinandersetzung zwischen dem mohammedanischen Orient und dem christlichen Westen aber keineswegs beendet. Die islamische Offensive gegen die Reste des byzantinischen Reiches nahm nun wieder an Fahrt auf. Davor hatten die Kreuzfahrer Byzanz gewissen Schutz geboten, weil sich die islamgläubigen Kämpfer auf ihre Angriffe auf deren Staaten konzentrierten. Nun war wieder freie Bahn gegen die Byzantiner, die noch den Westen Kleinasiens und den Süden des Balkans beherrschten.
Die Führung übernahm dabei nun ein in Zentralasien islamisiertes und nach Kleinasien gezogenes Turk-Volk. Im 11. Jahrhundert eroberten die Türken schrittweise Ost- und Zentralanatolien, drängten die griechischen Christen immer weiter zurück und turkisierten und islamisierten Kleinasien immer mehr. Die türkischen Zentren waren nacheinander Konya (davor griechisch Ikonion), Bursa (davor Prusa) und dann Edirne (davor Adrianopel).
Ab 1300 wurden die Türken vom Herrschergeschlecht der Osmanen geführt, die immer aggressiver gegen die Byzantiner vorgingen und den Südbalkan weitgehend eroberten. Nachdem zuvor mehrere Versuche gescheitert waren, wurde Konstantinopel schließlich 1453 eingenommen. Obwohl den etwa 100.000 Angreifern gerade einmal 7.000 Griechen auf den Mauern der Stadt gegenüberstanden, waren die Kämpfe lang und schwer. Kaiser Konstantin XI. fiel im Kampf.
Die Stadt wurde vom Sultan für drei Tage der Plünderung freigegeben. Etwa 4.000 Zivilisten (und damit 10 % der Einwohner) wurden dabei massakriert, der Großteil der Frauen vergewaltigt. Die Hagia Sophia, die größte und wichtigste Kirche der orthodoxen Christen, wurde in eine Moschee umgewandelt. Das Zentrum der orthodoxen Christenheit verlagerte sich aus dem griechischen Byzanz nach Russland.
Der Kampf geht weiter
Obwohl sie davor und danach den Ostchristen nicht geholfen haben – zwei Jahrhunderte lang haben die Kreuzritter Byzanz vor dem Untergang bewahrt und damit Europa wertvolle Zeit verschafft. Doch mit der Einnahme Konstantinopels waren die Dschihadisten keineswegs zufrieden. Ihre aggressive Expansion ging weiter, stieß aber auch auf Widerstand.
1492 wurde auf der iberischen Halbinsel die „Reconquista“, also die Rückeroberung von den mohammedanischen Besatzern, erfolgreich abgeschlossen. Es war ein jahrhundertelanger Prozess, der bereits 722 vom westgotischen Adeligen Pelayo in Asturien begonnen wurde.
Der entscheidende Wendepunkt, der den Christen endgültig das militärische Übergewicht verschaffte, war 1212 die Schlacht bei Las Navas de Tolosa, in der die Truppen der verbündeten Königreiche von Kastilien, Navarra, Aragón und León die Almohaden unter Kalif Muhammad an-Nasir besiegten. 1492 wurde mit der Eroberung des Emirats Granada die Reconquista abgeschlossen.
Dem Erfolg im Westen standen für die Europäer allerdings weitere Niederlagen im Osten entgegen. Die Türken drangen weiter nach Nordwesten vor und brachten Ungarn unter ihre Herrschaft, wo schließlich von 1541 bis 1686 ein Pascha des Osmanischen Reichs herrschte.
Zwei Versuche der Osmanen, ins Deutsche Reich vorzustoßen, scheiterten an Wien, das zwei Mal (1526 und 1683) vergeblich belagert wurde. Beim zweiten Mal war es knapp, das Entsatzheer aus anderen deutschen Staaten sowie Polen konnte die Kaiserstadt retten. Danach wurden die Türken von österreichischen Truppen immer weiter zurückgetrieben. Dennoch blieb Südostösterreich über lange Zeit ständigen Überfällen, Plünderungen und Mädchenraub durch osmanische Streifscharen ausgesetzt.
Und die Osmanen im Südosten waren in dieser Zeit nicht die einzige moslemische Bedrohung für Europa. Von Nordafrika aus (aus Algier, Tunis und Tripolis) agierten die Piratenstaaten der Korsaren oder Barbaresken. Sie lebten von Menschenraub, Sklavenhandel und Lösegelderpressung. Sie überfielen nicht nur europäische Schiffe im Mittelmeer, sondern plünderten routinemäßig europäische Küsten, bis hinauf an die Nordsee. Neben Afrikanern und Asiaten wurden über die Jahrhunderte auch vier bis fünf Millionen Europäer von den Islambefolgern gefangen und in die Sklaverei gezwungen.
Durch Kreuzfahrer gewonnene Zeit
Die Kreuzfahrerstaaten sind – aufgrund von Uneinigkeit und Inkonsequenz der Christen – zwar letztlich besiegt worden. Deshalb waren der Einsatz und die Tapferkeit der Kreuzfahrer aber in größerer historischer Perspektive nicht umsonst. Sie haben wertvolle und entscheidende Zeit gewonnen.
Das gilt erstens für die Ostchristen in der Levante. Auch wenn sie den „lateinischen“ Kreuzfahrern nicht gleichgestellt waren, waren sie in deren Staaten über zwei Jahrhunderte doch nicht unter dem Joch der Islambefolger und konnten ohne den alltäglichen Terror gegen „Ungläubige“ relativ frei leben.
Das gilt zweitens für Byzanz. Der Schwung der mohammedanischen Offensive im 11. Jahrhundert wurde durch die Kreuzfahrerstaaten gebrochen. Die byzantinische Zivilisation konnte weitere dreieinhalb Jahrhunderte bestehen und viele Generationen orthodoxer Christen ohne Unterwerfung unter den Islam leben. Und Byzanz bewahrte die antike griechische Kultur- und Wissenschaftstradition in all dieser Zeit.
Das war drittens auch für Westeuropa selbst wichtig. Durch die Kreuzfahrer wurde die moslemische Offensive verschoben und in historischer Perspektive verlangsamt. Das gab Europa Zeit zur Entwicklung und zur Modernisierung, die entscheidend für den späteren Aufstieg Europas zur führenden Region der Welt wurden.
Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen flohen byzantinische Gelehrte nach Westeuropa und trugen dort wesentlich zur Renaissance, also zur Wiedergeburt des antiken griechischen Wissens, bei. Das war die Basis für die Entwicklung der Wissenschaften, der Technik und die Modernisierung der Wirtschaft.
Damit verbunden waren ein aufstrebender Handelskapitalismus, die Entdeckungsfahrten, internationale Handelsströme, die Manufakturen und später der Industriekapitalismus. All das führte schließlich zu einer wirtschaftlichen und auch militärischen Überlegenheit der europäischen Mächte – und zu einer moderneren und freieren Gesellschaft. Währenddessen blieb der Orient in mittelalterlichen Strukturen und religiösem Fanatismus stecken.
Europäer in der Offensive
Auf der Grundlage dieser Modernisierung Europas wendete sich das Blatt. Zwölf Jahrhunderte lang hatte man einen Abwehrkampf gegen die aggressive Expansion der Islambefolger geführt. Die Kreuzzüge waren darin ein wichtiger Bestandteil, der die Dynamik der mohammedanischen Angriffe gebrochen – und möglicherweise eine Islamisierung Europas schon im Mittelalter verhindert hat. Nun ging die Entwicklung in die andere Richtung.
Die Korsarenüberfälle wurden Anfang des 19. Jahrhunderts von den jungen USA, deren Schiffe auch von den arabischen Piraten überfallen wurden und die als Schutzgeld 20 Prozent ihrer Staatseinnahmen ausgeben mussten, durch den Einsatz hochmoderner Kriegsschiffe beendet, den Korsaren in Nordafrika der Garaus gemacht. 1830 besetzte schließlich Frankreich Algerien, womit aus Nordafrika keine Gefahr mehr ausging.
Weiter im Osten befreiten sich die Völker im 19. Jahrhundert schrittweise von der Herrschaft der Osmanen. Griechenland wurde 1821 unabhängig, Serbien 1867, Bulgarien 1878. Ägypten war ab 1882 nur noch formal Teil des Osmanischen Reiches, de facto ein Protektorat Großbritanniens.
Als die europäischen Mächte im 19. Jahrhundert zuerst den Sklavenhandel und später die Sklaverei überhaupt abschafften, stieß das auf erbitterten Widerstand islamischer Herrscher, von Westafrika bis in den Sudan. Dort war der radikal-islamische Mahdi-Aufstand 1881 bis 1899 ganz wesentlich ein Aufstand zur Beibehaltung der Sklaverei – ebenso wie 1888-90 die Rebellion der muslimischen Sklavenhändler in Sansibar gegen die deutschen Kolonialisten, die die Sklaverei beendeten.
Schließlich wurden die meisten islamischen Gebiete von fortschrittlicheren Ländern, insbesondere von Großbritannien und Frankreich, die ihre eigenen imperialistischen Ziele verfolgten, kolonialisiert. Und nach dem Ersten Weltkrieg wurde auch noch das Osmanische Reich deutlich verkleinert, nämlich auf das türkische Kernland sowie kurdische, armenische und griechische Siedlungsgebiete. Das war für die herrschaftsgewohnte und hochmütige islamische Welt, die bisher andere erobert und kolonialisiert hatte, ein Trauma.
Westliche Versäumnisse
So wie die Kreuzfahrerstaaten für zwei Jahrhunderte ein Bollwerk gegen den Vormarsch der Dschihadisten waren, so hatten in diesem Kampf der Kulturen auch diesmal die Europäer für etwa zwei Jahrhunderte die Oberhand, etwa von 1800 bis 2000. In den letzten Jahrzehnten ist die Entwicklung wieder in die andere Richtung gekippt.
Dazu haben auch Versäumnisse des Westens beigetragen, die von den Islambefolgern drangsalierten Minderheiten politisch und militärisch als Unterstützer zu organisieren. Frankreich, das Syrien und den Libanon als Kolonialmacht beherrschte, hätte es in der Hand gehabt, durch Bevölkerungsaustausch aus dem Libanon einen rein christlichen Staat und Zufluchtsort für verfolgte Christen aus Syrien oder dem Irak zu machen. Es hätte in Syrien Staaten der Drusen und Alawiten bilden können.
Großbritannien, das Ägypten beherrschte, hätte an der Mittelmeerküste einen Staat der Kopten, die damals noch 20 Prozent der Bevölkerung ausmachten, etablieren können. Spätestens dann, als die ägyptische Muslimbruderschaft immer stärker und offensiver wurde.
Dass Franzosen und Briten das nicht getan und die christlichen Minderheiten letztlich der Marginalisierung durch die Islambefolger ausgeliefert haben, liegt an einer westlich-säkularen Naivität. Man hat erwartet, dass mit einer Modernisierung der Gesellschaft auch im Orient die Bedeutung der Religion abnehmen würde. Damit hat man aber den Charakter des Islams, dessen untertrennbare Verbindung von religiösem und politischem Herrschaftsanspruch, verkannt.
Die Israelis, die ja zur Hälfte aus orientalischen Juden bestehen, die jahrhundertelange Erfahrung mit islamischer Herrschaft haben, hatten diesbezüglich eine viel klarere Sicht. Sie setzten das mit ihrer Staatsgründung um. Und der israelische Regierungschef Ben-Gurion hatte sogar um 1960 dem französischen Präsidenten Charles de Gaulle vorgeschlagen, aus der einen Million Algerienfranzosen irgendwo an der Küste einen eigenen Staat zu bilden (sie waren damals 10 Millionen Moslems gegenübergestanden; heute hat Algerien 48 Millionen Einwohner). De Gaulle war dazu aber nicht entschlossen genug – er hat Algerien 1962 in die Unabhängigkeit entlassen und die Algerienfranzosen vor Übergriffen der Islamgläubigen evakuiert.
Neuer Ansturm der Mohammedaner
Wie schon bei den Kreuzzügen waren die Europäer auch hier wieder zu inkonsequent. Die genannten Versäumnisse führten zu einer weiteren Islamisierung in diversen arabisch-islamischen Ländern. Darüber hinaus hat seit den 1960er Jahren ein neuer mohammedanischer Vorstoß auf Europa begonnen. Diesmal nicht durch militärische Eroberung. Manche Dschihadisten sprechen trotzdem ganz offen von einem dritten Anlauf – nach dem über Spanien und dem über den Balkan.
Dass mittlerweile zig Millionen Islamgläubige, überproportional viele junge Männer im wehrfähigen Alter, in Europa stehen und hier auch noch von den europäischen Gesellschaften versorgt werden, ist in historischer Perspektive absurd. Dass es so weit kommen konnte, hat mehrere Ursachen.
Erstens haben sich die europäischen Nationen in zwei selbstmörderischen Weltkriegen gegenseitig demografisch massiv geschwächt. Im 1. Weltkrieg kamen gut 10 Millionen Europäer ums Leben, im 2. Weltkrieg an die 45 Millionen. Unter den Toten waren überproportional viele junge Männer, vor allem Russen und Deutsche, die dann auch keine oder weniger Nachkommen hatten.
Ab den 1960er Jahren kamen dann auch noch die Partikularinteressen des Großkapitals dazu, das billige Arbeitskräfte importieren wollte. Das führte zu ersten Zuwanderungswellen von Islambefolgern nach Europa, von Türken nach Deutschland, von Nordafrikanern nach Frankreich, von Pakistanis nach Britannien. Das war nicht alternativlos, sondern eine politische Entscheidung. Japan beispielsweise bewältigte Wirtschaftsboom und Alterung der Bevölkerung ohne nennenswerte Zuwanderung und setzte auf Automatisierung.
In Europa hingegen kombinierte sich die Öffnung für Abermillionen Islambefolger mit einer Ideologie des weißen Selbsthasses. Diese Ideologie ist letztlich Ausdruck der Traumata der Weltkriege, eines Kippens früherer Selbstüberhöhung ins Gegenteil – in Scham und Verachtung für die europäischen Traditionen und Kulturen. Mit dem so genannten „Postkolonialismus“, der die Universitäten beherrscht, wird der Großteil der europäischen Geschichte verdammt.
Diese masochistische, krankhafte Ideologie des Selbsthasses hat längst nicht nur die kulturlinken Gruppen erfasst, sondern auch die christdemokratischen Parteien, die Amtskirchen und die Mainstream-Medien. In Verbindung mit der globalistischen Agenda der Zerstörung der europäischen Nationalstaaten war diese Ideologie die Grundlage für die Grenzöffnungen für Millionen Asylmigranten.
Eine Überwindung dieser Politik muss mit einem Bruch mit ihrer Ideologie einhergehen. Das bedeutet auch einen differenzierten und selbstbewussten Blick auf die eigene Kultur und Geschichte der europäischen Völker. Das gilt unter anderem für die Bewertung der Kreuzzüge.
