Für eine kritische Verteidigung der Kreuzzüge gegen den weißen Selbsthass: Die Ausgangslage

Symbolbild: KI

Die Kreuzzüge des Hochmittelalters werden von Islamgläubigen, Linken und dem woken Mainstream als üble kolonialistische Aggression der bösen Europäer hingestellt. Mit einer Mischung aus historischer Unkenntnis und einer politischen Agenda wird die Realität auf den Kopf gestellt. Die Kreuzzüge waren völlig berechtigt, aber zu inkonsequent. In Teil 1 geht es um die Ausgangssituation und die Gründe.

Ein Kommentar von Eric Angerer

Zwischen 1096 und 1291 gab es insgesamt sieben Kreuzzüge von westeuropäischen katholischen Christen, die sie in den Nahen Osten führten. Drei Punkte wurden als Begründung angeführt: a) die Verteidigung gegen die arabisch-islamische Bedrohung, b) die Verteidigung der Christen im Osten, c) die Verteidigung der Heiligen Stätten in Jerusalem. Alle drei waren gerechtfertigt.

„Kreuzfahrer“ ist bis heute ein Kampfbegriff der Dschihadisten gegen den Westen. Ihre Darstellung der Kreuzzüge als brutale und dumpfe christliche Aggression gegen die friedlichen und gebildeten Mohammedaner dominiert heute auch in Westeuropa und Nordamerika den postkolonialistischen Mainstream an den Universitäten, die Filmindustrie und die Schulbücher. In Abgleich mit historischen Fakten ist dieses Bild unhaltbar – und nur mit systematischer Ausblendung der Hintergründe möglich.

Die Ausgangssituation

Im Frühmittelalter war das gesamte Gebiet des ehemaligen Römischen Reiches weitgehend christlich. Das betraf auch und insbesondere die Länder in Nordafrika und im Nahen Osten. Ägypten und Kleinasien (also die heutige Türkei) waren sogar die wichtigsten Zentren der damaligen Christenheit. Wichtige Theologen und Kirchenführer lebten in Nordafrika, die meisten Konzile fanden in griechischsprachigen Städten Kleinasiens statt. Auch in Mesopotamien (heute Irak) lebten um 600 mehrheitlich Christen. Nord- und Osteuropa hingegen waren damals erst Expansionsgebiete des Christentums, wobei die Christianisierung teilweise auch gewaltsam vor sich ging (etwa vom heutigen EU-Säulenheiligen Karl dem Großen gegenüber den heidnischen Sachsen).

Die Lage änderte sich mit der Entstehung des Islam auf der arabischen Halbinsel und seiner Expansion. Der Karawanenführer Mohammed hatte beim Meditieren Erscheinungen, die als göttliche Offenbarungen gelten, und als die 114 Suren des Korans gesammelt wurden. Sie beinhalten einen radikalen Monotheismus, zahllose strenge Vorschriften für Privatleben und Politik, die bedingungslose Unterwerfung unter Allah und die Forderung nach Ausweitung der neuen, einzig wahren Religion auf die gesamte Welt. Diese mohammedanische Herrschaftsideologie kombinierte sich nun mit der traditionellen Raubökonomie der arabischen Stämme, die – wie andere Völker aus kargen Gebieten (etwa die Mongolen oder die Wikinger) – stark von Überfällen auf benachbarte, wohlhabende Gebiete lebten.

Kodifiziert wurde dieses Rauben, auch das von Menschen und die Sklaverei, durch die Lehren und das Beispiel Mohammeds. Er selbst war nicht nur Religionsgründer, sondern auch (anders als Jesus, der sein Reich „nicht in dieser Welt“ sah) Staats- und Kriegsführer. Er selbst eroberte, von Medina ausgehend, Mekka und schließlich die gesamte arabische Halbinsel. Dabei wurden unter anderem die jüdischen Stämme, die dort lebten, vernichtet – ermordet, versklavt oder vertrieben. Der „Prophet“ starb 632.

400 Jahre islamische Expansion

Seine Nachfolger, die sich bald in Sunniten und Schiiten zerstritten, erweiterten den arabisch-islamischen Einflussbereich – nach Norden, Osten und Westen. Angriffe auf das byzantinische (=oströmische) Reich 636 bis 698 führten zur Eroberung von Palästina, Syrien, Ägypten und Nordafrika. 651 wurde das neupersische Reich (das sich über die heutigen Staaten Irak, Iran und Pakistan erstreckte) eingenommen. 

Teilweise kam es bei den Eroberungen zu brutalsten Übergriffen in Syrien und Persien und anderen eroberten Gebieten. Das Grundprinzip lautete nach Mohammeds Vorbild: In einer Stadt, die sich kampflos ergibt, wird die Bevölkerung gnadenlos unterworfen, gedemütigt und beraubt. In einer Stadt aber, die Widerstand leistete, wurden die Männer ermordet und die Frauen und Kinder versklavt.

Die militärischen Erfolge der Araber waren auch deshalb möglich, weil sich Byzantiner und Perser lange im Krieg miteinander gegenseitig geschwächt hatten. Außerdem bekamen die Byzantiner 400 Jahre lang keine Hilfe der katholischen europäischen Christen – weil der Papst und die katholischen Herrscher die orthodoxen Ostchristen als abtrünnige Konkurrenz betrachteten.

711 gelang den Mohammedanern ein Sieg über die Westgoten in Spanien und die Eroberung der iberischen Halbinsel. Die weitere islamische Expansion konnte schließlich 732 von einer Koalition aus Franken, Langobarden, Sachsen und Friesen unter dem Kommando von Karl Martell in der Schlacht bei Tours und Portiers in Südwestfrankreich gestoppt werden. Die Byzantiner standen allerdings weiterhin unter dem Druck ständiger weiterer Angriffe der Dschihadisten.

Später gelang den Mohammedanern auch noch die Eroberung von Zentralasien, dem westlichen Indien, Ostafrika, Westafrika, Anatolien, dem Balkan, Malaysia und Indonesien. Sie führten damit den im Koran ausgegebenen Auftrag zur weltweiten Ausbreitung des Islam aus. Durch diesen Dschihad wurden nach Schätzungen 50-60 Mio. Christen getötet (v.a. Nahost, Kleinasien und Nordafrika), die Hälfte der Hinduzivilisation ausradiert und 70-80 Mio. Hindus umgebracht, der Buddhismus entlang der Seidenstraße zerstört und etwa 10 Mio. Buddhisten getötet und 80-90 Mio. Anhänger afrikanischer Naturreligionen ums Leben gebracht.

Unterwerfung

Überall, wo die Islambefolger die Kontrolle übernahmen, setzten sie demonstrative Akte gegen andere Religionen. In Jerusalem bauten sie ihre Moschee genau dort, wo der jüdische Tempel gestanden hatte. Im indischen Ayodhya zerstörten sie den bedeutenden hinduistischen Tempel und errichteten an der Stelle eine Moschee. Und nach der Eroberung Konstantinopels verwandelten sie die Hagia Sophia, die wichtigste Kirche der orthodoxen Christen, in eine Moschee.

Vor den Kreuzzügen waren die Christen also etwa 400 Jahre lang islamischen Angriffen ausgesetzt. Bis ins 11. Jahrhundert waren nach Schätzung des Mittelalter-Historikers Thomas Madden etwa zwei Drittel der christlichen Gebiete unter die Herrschaft der Islambefolger gefallen. Die Islamisierung dieser Gebiete war ein jahrhundertelanger Prozess, der mit der Machtübernahme durch mohammedanische Herrscher begann.

Auf der Grundlage politischer und militärischer Macht wurden die arabische Sprache und die Ideologie des Islam immer mehr durchgesetzt. Zwecks Effizienz wurde die erfahrene byzantinische und persische Verwaltung vielfach übernommen. Die meisten Gelehrten im arabischen Reich, die vom postkolonialistischen Mainstream als Moslems hingestellt werden, waren ursprünglich byzantinische Christen. Sie waren es, die antikes griechisches Wissen konservierten, das in Europa im Mittelalter teilweise verschüttet wurde.

Die Christen waren in den von den Islambefolgern eroberten Gebieten lange noch die Mehrheit. Während für Polytheisten und Atheisten im Islam schlicht die Tötung vorgesehen ist, dürfen die Anhänger der „Buchreligionen“ (also Juden und Christen, die sich ja auch auf das Alte Testament stützen) weiterleben – wenn sie sich der islamischen Herrschaft demütig unterwerfen.

Dhimmitude und Islamisierung

Sie waren dann sogenannte Dhimmis, Bürger zweiter Klasse, die auf verschiedenste Weise benachteiligt und schikaniert wurden. Sie durften keine Waffen tragen und sich gegen die häufigen, genussvollen Übergriffe durch Islamgläubige niemals wehren (Widerstand wurde mit dem Tod geahndet). Ihre zusätzlichen Steuern mussten sie mit einem Kniefall abliefern und wurden dabei rituell geschlagen.

Die ständigen Demütigungen und der ökonomische Druck durch die Sondersteuern motivierten zum Übertritt zum Islam und waren wesentliche Gründe für die schrittweise Islamisierung der christlichen Gebiete. Dazu kamen die Ansiedlung von Arabern als herrschende Schicht und systematischer Raub von „ungläubigen“ Frauen als Zweit- und Drittfrauen für Islambefolger. Deren Kinder waren dann immer Mohammedaner (umgekehrt dürfen islamgläubige Frauen keine „ungläubigen“ Männer heiraten).

Als Beispiel sei Ägypten genannt. Die moslemische Eroberung fand 639 bis 642 n. Chr. statt. Bis ins 9. Jahrhundert waren die christlich-orthodoxen Kopten allerdings die deutliche Mehrheit. Die Araber bildeten nur eine herrschende Oberschicht. Im 10. Jahrhundert machte die Islamisierung einen großen Schub, als unter der Herrschaft der Fatimiden Kairo zur neuen islamischen Metropole ausgebaut wurde. Zur Zeit der Kreuzzüge stand die demografische Entwicklung Ägyptens an der Kippe.

Im Spätmittelalter (im 13. und 14. Jahrhundert) wurde unter der Herrschaft der Mamluken der ökonomische Druck (durch noch höhere Steuern für Nicht-Muslime) immer größer. Dazu kamen massive Verfolgungen. Die beiden Aspekte führten dazu, dass die einheimische koptische Bevölkerung endgültig zur Minderheit im eigenen Land wurde. Heute sind noch knapp 10 Prozent der Ägypter Kopten. Ihre Mädchen haben bis heute ein Kreuz am Unterarm tätowiert, das sie auch im Fall, dass sie geraubt werden (was bis heute vorkommt), an ihre christliche Herkunft erinnern soll.

Gründe für die Kreuzzüge

400 Jahrhunderte haben die katholischen Christen der sukzessiven Vernichtung ihrer orthodoxen Glaubensbrüder weitgehend tatenlos zugesehen. Warum werden dann „plötzlich“ im 11. Jahrhundert die Kreuzzüge gestartet?

Ein Nebengrund sind innereuropäische Machtkämpfe. Papst Urban II. stützte sich vor allem auf Frankreich (und die christlichen Teile Spaniens sowie Teile Italiens), während der Gegenpapst Clemens III. Deutschland, Oberitalien und England hinter sich hatte. In dieser Lage suchte Urban den Ausgleich mit Byzanz – und inszenierte sich durch den Aufruf zum Kreuzzug zum Führer der Christenheit.

Der Hauptgrund dafür, dass ausgerechnet im 11. Jahrhundert die Kreuzzüge starteten, liegt aber in der intensivierten Aggression der Islambefolger gegen die Christenheit. Schon 1009 ließ Kalif al-Hakim die Grabeskirche in Jerusalem, das höchste Heiligtum der Christen, zerstören. Ebenfalls im 11. Jahrhundert verwüsteten die Seldschuken, islamisierte Turkstämme aus Zentralasien, das christliche Armenien.

Im Jahr 1071 erlitt Byzanz in der Schlacht von Manikert eine katastrophale Niederlage gegen die Seldschuken. Die Folge war, dass Byzanz den Großteil Kleinasiens verlor. Die Seldschuken begannen dann auch, christliche Pilger (orthodoxe wie katholische) zu überfallen und zu töten. 1095 war schließlich die Lage für Byzanz so verzweifelt, dass Kaiser Alexios I. die katholischen Christen um Hilfe bat. Darauf reagierte Papst Urban in Frankreich auf der Synode von Clermont mit dem berühmten Aufruf zum Kreuzzeug.

Motive für die Kreuzzüge

Urban hielt in Clermont eine flammende Rede vor einer großen Menschenmenge, darunter viele Bischöfe und Ritter. Von der Rede sind mehrere Versionen überliefert. Demnach rief er zur Befreiung der Ostchristen, zur Wiederherstellung der Sicherheit der Pilger und zur Rückeroberung Jerusalems auf. Die Rede enthielt, anders als manchmal behauptet, keinen Aufruf zur Bekehrung der Moslems.

Die Motive für die Teilnahme waren vielfältig. Oft wird im politischen Mainstream von Habgier gesprochen. Das ist eine einseitige Darstellung. Sicherlich waren nicht-erbberechtigte zweite und dritte Söhne von Adeligen interessiert, sich im Osten ein Lehen zu erobern. Andererseits mussten Adelige die Teilnahme am Kreuzzug selbst finanzieren und dafür teilweise erhebliche Teile ihres Besitzes verkaufen. Es handelt sich also wohl um eine Mischung aus Interessen und Idealismus.

Generell muss berücksichtigt werden, dass die mittelalterliche europäische Gesellschaft viel religiöser war als die heutige. Religiöse Motive spielten also eine wesentlich größere Rolle. In diesem Zusammenhang hatte Urban den Teilnehmern auch den Erlass von Sünden versprochen (wobei das nicht für Todsünden galt). Und schließlich wurde Bauern für die Teilnahme versprochen, dass im Osten keine Leibeigenschaft bestehen würde und sie dort freie Bauern sein könnten.

Im folgenden Teil 2 dieser Artikelreihe wird der wechselhafte und widersprüchliche Verlauf der Kreuzzüge dargestellt.
In Teil 3 werden die Kreuzzüge bilanziert und bewertet.

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