Der Mannheimer Stadtrat Julien Ferrat will eine „politische Swingerparty“ veranstalten – und dafür ausgerechnet das Rathaus nutzen. Nach „Kommunalsex“, Sex-Trainingslager und einer gemeinsamen Reise ins südfranzösische Swinger-Mekka Cap d’Agde treibt der linke Kommunalpolitiker seine ganz eigene Vorstellung von „Bürgernähe“ damit auf die Spitze. Die Stadtverwaltung hat bereits „erhebliche Zweifel“ an der Zulässigkeit – und eigentlich sollte sich schon die Frage stellen, warum ein öffentliches Verwaltungsgebäude überhaupt zur Bühne für solche Sex-Veranstaltungen werden soll.
Der 35-jährige frühere Linken-Politiker und jetzige Einzelstadtrat der Wählervereinigung „Die Mannheimer“ kündigte laut Medienberichten die Veranstaltung unter dem Motto „Ein FKK-Swinger-Paradies für Mannheim“ an. Eingeladen werden sollen neugierige und aufgeschlossene Bürger, einen Termin gibt es bislang ebenso wenig wie einen formellen Antrag auf Nutzung der Rathausräume. Ferrat hält den Sitz der Stadtverwaltung trotzdem für geradezu ideal: zentral gelegen – und ein ausdrückliches Verbot von Swingerpartys habe er weder in einer Hausordnung noch in einer kommunalen Satzung gefunden. Man muss offenbar erst einmal auf die Idee kommen, in der Hausordnung eines Rathauses ausdrücklich Gruppensex zu untersagen.
Ferrat kündigt bereits juristischen Widerstand an, sollte die Stadt Mannheim ihm die Räume verweigern. Notfalls wolle er den Streit bis zum Bundesverfassungsgericht tragen. Seine Begründung passt zur gesamten politischen Selbstinszenierung: Er wolle „Bürgernähe auch praktisch leben“. Die Stadtverwaltung bleibt bislang deutlich nüchterner und spricht aufgrund der bisher „sehr rudimentären Informationen“ von erheblichen Zweifeln an Zulässigkeit und Durchführbarkeit.
Ex-Linken-Politiker:Stadtrat lädt zu Swinger-Party ins Rathaus #Mannheim – Kommunalpolitik zum Anfassen: Julien Ferrat (35) will eine Gruppensex-Party im Mannheimer Rathaus veranstalten. „Das Rathaus… pic.twitter.com/yOzulv9myF
— Maik Pittel (@maikpi70) August 7, 2026
Auch das offizielle Amtsblatt soll wieder mitspielen. Dort wollte Ferrat einen Aufruf zur Swingerparty veröffentlichen, doch die Verwaltung stoppte den Beitrag zunächst. Nach Darstellung des Stadtrats bestand der Verdacht, darin könnten irreführende Angaben enthalten sein. Ferrat will seinen Text nun überarbeiten und erneut einreichen.
Vom Rathaus direkt ins „Swinger-Paradies“
Die Rathausparty ist keine spontane Schnapsidee. Ferrat arbeitet schon länger daran, Sexualität zu einem seiner kommunalpolitischen Markenzeichen zu machen. Im Mai 2025 warb er im offiziellen Mannheimer Amtsblatt für eine „Politische Bildungsfahrt nach Cap d’Agde“. Ziel war das dortige Village Naturiste, das Ferrat selbst als „Mekka für Nudisten und Swinger“ bezeichnete. Acht Tage FKK- und Swingerurlaub wurden zum politischen Studienprogramm erklärt, schließlich sollte untersucht werden, was Mannheim von dem südfranzösischen Ferienort lernen könne. Sein Werbespruch lautete damals: „Mehr Bürgernähe geht nicht!“
Der linke Stadtrat Julien Ferrat plant im Mannheimer Rathaus eine Gruppensex-Party zu veranstalten. In einer Mitteilung begründet der Ex-Linken-Politiker sein Vorhaben damit, dass sich das Rathaus dafür bestens eigne: „Das Rathaus ist zentral gelegen.“ Sollte die Veranstaltung… pic.twitter.com/HT2PWwF0lj
— 🅲🅾🆇🆇 (@queru_lant) August 7, 2026
Die Reise fand tatsächlich statt. 20 Teilnehmer fuhren zunächst mit, weitere stießen vor Ort hinzu. Am Ende bestand die Gruppe nach Ferrats Angaben aus 28 Personen – 21 Männern und sieben Frauen. Bezahlt wurde der Ausflug von den Teilnehmern selbst. Selbst der Deutsche Verband für Freikörperkultur konnte mit Ferrats Mischung aus FKK und Swinger-Sex wenig anfangen. Dort wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass klassische Freikörperkultur gerade keine sexuelle Veranstaltung sei. Ferrat selbst scheint diese Feinheiten weniger eng zu sehen.
„Sex-Trainingslager“ auf der Friesenheimer Insel
Vor der Frankreich-Reise wollte der Stadtrat seine Mitreisenden offenbar nicht vollkommen unvorbereitet ins südfranzösische Nachtleben schicken. Auf der Friesenheimer Insel organisierte er nach eigenen Angaben ein fünftägiges „Sex-Trainingslager“. Zwölf Männer und Frauen nahmen daran teil, teilweise sei es auch intim geworden. Nur gehörte das dafür genutzte Gelände Ferrat nicht und war auch keineswegs als kommunale Lustwiese vorgesehen.
Die Rhein-Neckar-Hafengesellschaft stellte anschließend klar, dass der betreffende Bereich weder ein ausgewiesener FKK-Strand sei noch Baden, FKK oder entsprechende Freizeitnutzungen dort gestattet oder geduldet würden. Dass ein gewählter Stadtrat erst ein „Sex-Trainingslager“ auf einem dafür nicht vorgesehenen Gelände organisiert und anschließend über eine Swingerparty im Rathaus nachdenkt, könnte man für Satire halten. In Mannheim ist es Kommunalpolitik.
Swinger-Dorf für bis zu 2.000 Menschen
Nach seiner Rückkehr aus Cap d’Agde legte Ferrat seine größeren Pläne offen. Mannheim solle ein eigenes FKK-Swinger-Dorf für 1.000 bis 2.000 Menschen erhalten und sich als „kleine Schwester von Cap d’Agde“ vermarkten. Gäste aus Deutschland und Skandinavien könnten dort Zwischenstation machen oder sich gleich den Weg nach Südfrankreich sparen. Dahinter steckt zumindest der Versuch einer wirtschaftlichen Begründung. Ferrat behauptet, Swinger seien konsumfreudiger als gewöhnliche Nudisten und könnten entsprechend viel Geld in Mannheim lassen.
Er spricht von möglichen Millioneneinnahmen für die Stadt und verweist auf die Erfahrungen aus Cap d’Agde. Belastbare öffentliche Zahlen, mit denen sich daraus ein Millionengeschäft für Mannheim errechnen ließe, hat er bislang allerdings nicht präsentiert. Wer sonst über Wirtschaftsförderung spricht, denkt dabei eher an Unternehmensansiedlungen, Gewerbeflächen, Infrastruktur oder attraktive Steuersätze. Ferrats Standortkonzept setzt andere Prioritäten.
„Kommunalsex“ beschäftigte Ferrat schon 2024
Selbst das Rathaus taucht in Ferrats sexueller Kommunalpolitik nicht zum ersten Mal auf. Bereits im August 2024 veröffentlichte er im Mannheimer Amtsblatt einen selbst inszenierten „Bodycheck“. Auf die Frage nach seinem „ersten Mal“ im neuen Gemeinderat fragte Ferrat zurück, ob damit die erste Sitzung oder der erste Sex im Rathaus gemeint sei.
Später sprach er von „Kommunalsex“, also Sex in kommunalen Einrichtungen, und erklärte dies zu einem Fetisch, den seiner Ansicht nach beinahe jeder Stadtrat habe. Die Redaktion des Amtsblatts sah sich anschließend zu dem ausdrücklichen Hinweis veranlasst, dass die Fragen nicht von ihr stammten. Inzwischen ergibt sich daraus eine ziemlich geschlossene Reihe: „Kommunalsex“, Sex-Trainingslager, Swinger-Reise nach Frankreich, ein geplantes Swinger-Dorf und jetzt die Swingerparty im Rathaus.
Man kann Ferrats Auftritte lustig finden. Man kann sie für cleveres politisches Marketing halten. Irgendwann endet allerdings die schräge Lokalposse und es bleibt die simple Frage, wofür öffentliche Gebäude eigentlich da sind. Ein Rathaus ist Sitz der kommunalen Verwaltung und politische Institution einer Stadt. Bürger melden dort ihre Kinder an, heiraten, beantragen Dokumente, wenden sich an Behörden und wählen ihre Vertreter. Es ist kein Puff, kein Swingerclub und auch keine Spielwiese für die sexuellen Selbstdarstellungsprojekte einzelner Mandatare.
Andere Stadträte beschäftigen sich mit Haushalten, Straßen, Schulen, Wohnungsbau, Sicherheit oder der wirtschaftlichen Zukunft ihrer Stadt. Julien Ferrat beschäftigt in seiner linken Dekadenz die Stadt Mannheim derweil mit der Frage, ob im Rathaus demnächst die Hüllen fallen dürfen. Vielleicht wäre es an der Zeit, „Bürgernähe“ wieder etwas weniger wörtlich zu nehmen.






