Ein Cyberangriff auf die französische Bank Crédit Mutuel Arkéa hat betrügerische Überweisungen in Millionenhöhe ermöglicht. Bis zu 118 Millionen Euro sollen betroffen sein. Ausgerechnet die Plattform eines externen IT-Dienstleisters diente den Tätern als Einfallstor – trotz strenger europäischer Sicherheitsvorschriften.
Hacker haben bei der französischen Bankengruppe Crédit Mutuel Arkéa Millionenbeträge abgezweigt. Der Blockchain-Ermittler ZachXBT beziffert die mutmaßlich gestohlene Summe auf rund 118 Millionen Euro. Die Bank bestätigte am Mittwoch, dem 4. November, den Cyberangriff sowie die Größenordnung der betroffenen Gelder, nicht jedoch die genaue Summe. Ein Teil des Geldes konnte inzwischen blockiert werden. Wie hoch der endgültige Schaden ausfällt, ist noch unklar.
Nach Angaben des Finanzinstituts verschafften sich die Angreifer über die Plattform eines externen Dienstleisters Zugang zu den Bankensystemen. Anschließend nutzten sie ein bankeigenes Konto, um Geld an andere Finanzinstitute zu überweisen. Von dort könnten die Beträge über spezialisierte Handelsplattformen in Kryptowährungen umgewandelt worden sein. Einen zunächst vermuteten Angriff über die Onlinebank Fortuneo schloss Crédit Mutuel Arkéa ausdrücklich aus. Die Bank spricht von einem hochentwickelten Angriff von außen.
Die Bankengruppe betreut rund 5,8 Millionen Kunden und verwaltet Vermögenswerte von 211,5 Milliarden Euro. Laut Unternehmensangaben blieben die Kundengelder unangetastet. Allerdings mussten einzelne Überweisungen vorübergehend ausgesetzt werden, bevor der Zahlungsverkehr weitgehend wieder aufgenommen werden konnte. Inzwischen ermittelt die Pariser Staatsanwaltschaft wegen eines mutmaßlich organisierten Cyberangriffs. Die Täter wurden bislang nicht identifiziert.
Brüssel verschärft die Vorschriften – Hacker schlagen trotzdem zu
Seit Januar 2025 gelten mit der europäischen DORA-Verordnung umfassende Sicherheitsanforderungen für Banken und Finanzdienstleister. Auch die Risiken durch externe IT-Anbieter werden darin ausdrücklich berücksichtigt. Doch ausgerechnet über einen solchen Dienstleister (wohl über einen API-Zugang, wie beim Dänemark-Hack) gelang nun der Zugriff auf die Systeme einer großen französischen Bank. Die Ermittlungen müssen klären, welche Sicherheitsvorkehrungen die Täter umgehen konnten.
Report24 berichtete bereits Ende Oktober über die wachsende Bedrohung des internationalen Finanzsystems durch Cyberkriminelle. Selbst die G7-Staaten bereiten sich inzwischen mit speziellen Krisenübungen auf großflächige Hackerangriffe gegen Banken vor. Währenddessen treiben die Eurokraten den digitalen Euro voran und beschränken den Bargeldverkehr zunehmend. Der Millionenraub in Frankreich macht deutlich, welche Risiken eine immer stärkere Abhängigkeit von digitalen Zahlungssystemen mit sich bringt.
Auch der freiheitliche EU-Abgeordnete Gerald Hauser warnte bereits nach einem schweren Hackerangriff auf das rumänische Grundbuchsystem vor den Gefahren zentralisierter digitaler Infrastruktur. Seine Forderung nach dem Erhalt des Bargelds als unabhängiger Zahlungsalternative erhält durch den französischen Bankenhack neue Aktualität. Denn während Brüssel immer mehr auf digitale Lösungen setzt, braucht ein Geldschein weder Bankserver noch IT-Dienstleister – und lässt sich von Hackern auch nicht einfach auf ein anderes Konto überweisen.