Blamage: 288 Millionen Euro für 3,8 Kilometer Straße – Brücke schon vor Eröffnung kaputt

Symbolbild: KI

Einst war Deutschland für seine Ingenieurskunst weltberühmt. Heute kostet eine gerade einmal 3,8 Kilometer lange Ortsumgehung in Sachsen fast 300 Millionen Euro. Und statt Autos rollen dort nun die Sanierungsplaner an: Das Ding ist nämlich bereits defekt. Die Fertigstellung ist völlig offen.

Seit Jahren wird im sächsischen Pirna an einer Ortsumgehung gebaut, die den Verkehr aus der rund 40.000 Einwohner zählenden Stadt heraushalten soll. Inzwischen kostet das gerade einmal 3,8 Kilometer lange Straßenstück irrwitzige 288 Millionen Euro. Doch bevor auch nur ein Autofahrer die neue Strecke benutzen konnte, muss eines ihrer wichtigsten Bauwerke bereits saniert werden.

Die 916 Meter lange Gottleubatal-Brücke weist nämlich erhebliche Mängel auf. An vier Pfeilern wurden Hohlräume im Beton festgestellt: ausgerechnet an den sogenannten Vouten, jenen Y-förmigen Pfeilerköpfen, die für die Statik der Brücke entscheidend sind. Die ursprünglich für Ende 2026 vorgesehene Eröffnung ist damit hinfällig. Wann die ersten Autos tatsächlich über die Brücke fahren können, weiß niemand.

Von 36 auf 288 Millionen Euro

Als die Ortsumgehung 1999 erstmals geplant wurde, rechnete man mit umgerechnet rund 36 Millionen Euro. 2008 waren daraus bereits knapp 71 Millionen Euro geworden. Zum Baubeginn 2017 standen 98 Millionen Euro im Raum.

Heute sind es 288 Millionen Euro. Das entspricht knapp 76 Millionen Euro pro Kilometer Straße. Gegenüber der ursprünglichen Planung haben sich die veranschlagten Kosten damit verachtfacht. Für diese Summe erhalten die Steuerzahler neben der Straße einen 315 Meter langen Tunnel und eine architektonisch anspruchsvolle Talbrücke. Deren Pfeiler sollten besonders schlank ausfallen, obwohl die Konstruktion in bis zu 70 Metern Höhe große Spannweiten überbrücken muss.

Die Planungsgesellschaft DEGES verweist auf die hohen gestalterischen Anforderungen durch die exponierte Lage der Brücke. Die Konstruktion sei so aufwendig, dass bestimmte Arbeitsschritte zuvor an einem Modell erprobt werden mussten. Nun muss das ach so tolle Bauwerk aber repariert werden, bevor es überhaupt seinen Dienst aufnehmen kann. Kann dieses Land noch jemand ernst nehmen?

Selbst die Reparatur braucht eine Sondergenehmigung

Die Reparatur geht übrigens auch nicht ohne weiteres. Um die Hohlräume zu verfüllen, wird ein spezieller Beton benötigt. Für dessen Einsatz ist wiederum eine Sondergenehmigung des Bundes erforderlich. Erst wenn diese vorliegt, kann die Sanierung beginnen. Frühestens 2027 soll es so weit sein. Einen neuen Eröffnungstermin will die DEGES erst nach Genehmigung des Sanierungskonzepts nennen.

Immerhin sollen die Kosten der Mängelbeseitigung nach Angaben der Planungsgesellschaft nicht beim Steuerzahler landen. Dafür müsse der verantwortliche Bauauftragnehmer aufkommen. Die Gesamtkosten des Projekts sollen deshalb bei 288 Millionen Euro bleiben. An der jahrelangen Verzögerung ändert das freilich nichts.

Vom Land der Ingenieure zum Land der ewigen Baustellen

Deutschland, das sich jahrzehntelang für seine Ingenieurskunst, seine Infrastruktur und seinen technischen Fortschritt auf die Schulter klopfte, bekommt inzwischen nicht einmal mehr eine wenige Kilometer lange Umgehungsstraße ohne jahrelange Verzögerungen und explodierende Kosten fertig. Was früher als Schildbürgerstreich durchgegangen wäre, ist im Deutschland des Jahres 2026 ein ganz gewöhnliches Infrastrukturprojekt…

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