Schweden-Wahl: Schwedendemokraten im Aufwind

(C) Report24/KI

Wenige Tage vor der schwedischen Parlamentswahl geraten die Sozialdemokraten deutlich unter Druck. Eine neue Novus-Umfrage sieht die Partei von Magdalena Andersson mit kräftigen Verlusten, während die Schwedendemokraten zulegen und mit mehr als 20 Prozent klar stärkste Kraft im Mitte-Rechts-Lager sind. Der lange komfortable Vorsprung der Linken schmilzt – die Wahl ist wieder offen.

Elf Tage vor der Parlamentswahl am 13. September kommt noch einmal ordentlich Bewegung in den schwedischen Wahlkampf. Besonders hart trifft es die Sozialdemokraten: In der jüngsten Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Novus fällt die Partei von Magdalena Andersson von 30,1 auf nur noch 25,8 Prozent. Ein Minus von 4,3 Prozentpunkten innerhalb kurzer Zeit. Novus stuft den Einbruch als statistisch signifikant ein. Für die Sozialdemokraten ist das ein schwerer Dämpfer auf der Zielgeraden.

Schwedendemokraten klar vor den Moderaten

Während die Sozialdemokraten abstürzen, können die Schwedendemokraten zulegen. Die Partei von Jimmie Åkesson (in der EU bei den Europäischen Konservativen und Reformern, EKR) kommt bei Novus auf 20,7 Prozent und gewinnt damit 1,6 Punkte hinzu. Damit liegt sie klar vor den Moderaten von Ministerpräsident Ulf Kristersson, die auf 17,2 Prozent zurückfallen. Die Christdemokraten erreichen 6,5 Prozent.

Die Schwedendemokraten bestätigen damit ihre Stellung als stärkste Kraft im schwedischen Mitte-Rechts-Lager. Bereits bei der Wahl 2022 hatten sie mit 20,5 Prozent die Moderaten hinter sich gelassen und waren zur zweitstärksten Partei des Landes aufgestiegen. Kristersson konnte anschließend mit Unterstützung der Schwedendemokraten die Sozialdemokraten aus der Regierung drängen. Åkessons Partei blieb zwar außerhalb des Kabinetts, stellt über das Tidö-Abkommen jedoch eine tragende Säule der heutigen Regierungsmehrheit dar.

Auch der Vorsprung des linken Oppositionslagers ist deutlich geschrumpft. Sozialdemokraten, Linkspartei, Grüne und Centerpartei kommen bei Novus zusammen auf 50,3 Prozent. Moderaten, Schwedendemokraten, Christdemokraten und Liberale erreichen 47,7 Prozent. Damit liegen zwischen beiden Lagern nur noch 2,6 Punkte. Mitte August betrug der Abstand noch 6,9 Prozentpunkte.

Sozialdemokraten verlieren Wähler in alle Richtungen

Für Andersson wiegt besonders schwer, dass die Verluste nicht lediglich innerhalb des linken Lagers stattfinden. Laut Novus wandern frühere sozialdemokratische Wähler auch zu den Moderaten und den Schwedendemokraten ab. Gerade in einem Wahlkampf, der von Themen wie Kriminalität, Migration, Lebenshaltungskosten, Energieversorgung und innerer Sicherheit geprägt ist, trifft das die Sozialdemokraten an empfindlicher Stelle.

Parteisekretär Tobias Baudin spricht bereits von einem „Weckruf“. Gleichzeitig greift die Partei zu einem bekannten Mittel und warnt vor einem stärkeren Einfluss der Schwedendemokraten auf eine künftige Regierung. Baudin beschwor sogar das Szenario von zwölf SD-Ministern, die künftig Regierungsmacht ausüben könnten. Die Botschaft dahinter ist offensichtlich: Je stärker Åkessons Partei wird, desto stärker versucht das linke Lager, die eigenen Anhänger mit dem Schreckbild einer Regierungsbeteiligung der Schwedendemokraten zu mobilisieren.

Ein Schwachpunkt für das derzeitige Regierungslager bleiben allerdings die Liberalen. Sie legen bei Novus zwar deutlich von 1,9 auf 3,3 Prozent zu, liegen damit aber weiterhin unter der Vier-Prozent-Hürde. Scheitert die Partei am Einzug in den Reichstag, könnten dem Mitte-Rechts-Lager entscheidende Mandate fehlen. Für Kristersson, Åkesson und ihre Partner dürften die letzten Tage des Wahlkampfs deshalb auch davon geprägt sein, möglichst viele bürgerliche Wähler tatsächlich an die Urnen zu bringen.

Doch selbst ein rechnerischer Sieg des linken Blocks würde Magdalena Andersson noch keine stabile Regierung garantieren. Die Linkspartei fordert Ministerposten für ihre Unterstützung, während die Zentrumspartei eine Regierungsbeteiligung der Linken ablehnt. Damit steckt im oppositionellen Lager bereits vor dem Wahltag ein erheblicher Konflikt über die künftige Machtverteilung.

Für die amtierende Mitte-Rechts-Konstellation hat sich die Ausgangslage jedenfalls deutlich verbessert. Der einst komfortable Vorsprung der Linken ist zusammengeschmolzen, die Sozialdemokraten geraten auf der Zielgeraden unter Druck und die Schwedendemokraten behaupten sich mit mehr als 20 Prozent als stärkste Kraft rechts der Mitte. Am 13. September dürfte sich damit nicht nur entscheiden, wer Schweden künftig regiert. Die Wahl wird auch zeigen, wie stark Jimmie Åkesson und seine Schwedendemokraten den politischen Kurs des Landes in den kommenden Jahren prägen können.

Wenn Sie mit dafür sorgen möchten, dass unser unabhängiger Journalismus weiterhin eine Gegenstimme zu regierungstreuen und staatlich geförderten Medien bildet, unterstützen Sie uns bitte mit einer Spende!

Informationen abseits des Mainstreams werden online mehr denn je bekämpft. Um schnell und zensursicher informiert zu bleiben, folgen Sie uns auf Telegram oder abonnieren Sie unseren Newsletter! Wenn Sie mit dafür sorgen möchten, dass unser unabhängiger Journalismus weiterhin eine Gegenstimme zu regierungstreuen und staatlich geförderten Medien bildet, freuen wir uns außerdem sehr über Ihre Unterstützung.

Unterstützen Sie Report24 via Paypal: