30.000 Mann pro Monat: Zeitung Telegraph zweifelt an Kiews offiziellen Verlustzahlen

Die Zahl der Toten ist gigantisch. / Symbolbild Report24 KI

Die tatsächlichen Verluste der ukrainischen Streitkräfte gehören zu den bestgehüteten Geheimnissen des Krieges. Nun sorgt eine Aussage aus der ukrainischen Führung für neue Zweifel an den offiziellen Zahlen: Mindestens 30.000 neue Soldaten müssten jeden Monat mobilisiert werden, um die bestehende Truppenstärke zu halten. Der britische Telegraph sieht darin ein deutliches Indiz dafür, dass Kiews tatsächliche Personalverluste erheblich höher liegen könnten, als bislang offiziell eingeräumt wurde.

Beginnen wir mit einer Schockzahl. Würde man die 30.000 Ausfälle (Tote, Verwundete, Desertierte, Gefangene…) pro Monat auf die Dauer des Krieges hochrechnen, kämen wir auf 1,62 Millionen Mann. So einfach wird die Rechnung allerdings nicht sein. Selenskyjs Propagandaaussagen kommen aber auch in der Ukraine nicht gut an, man empfindet es als Missachtung der Ehre der Toten.

So äußerte sich Selenskyj im Februar 2025, es wären 46.000 Mann gefallen, im Februar 2026 wären es 55.000 gewesen. Am 31. Juli 2026 sagte Selenskyj, zitiert von Interfax, Russland habe 700.000 Mann verloren, die Ukraine nur 50.000. Wir wollen bei sinnlos für einen Stellvertreterkrieg gestorbenen Menschen nicht zynisch sein – und merken nur an, dass laut des ukrainischen Warlords, der Neuwahlen ablehnt, Ende Juli weniger Ukrainer gefallen wären als im Februar.

Am Freitag, dem 28. August 2026 äußerte sich der ukrainischer Generalleutnant Kyrylo Budanov in der Sache. Er ist seit 2. Januar 2026 Leiter des Präsidialamtes der Ukraine, also einer der engsten und wichtigsten Mitarbeiter Selenskyjs. Budanov sprach mit der Journalistin Nataliia Moseichuk, das Interview wurde im ukrainischen nationalen Fernsehnachrichtenprogramm ausgestrahlt. Dass wir im Westen davon erfahren, liegt an einem Artikel des britischen Telegraph.

Budanovs vollständige entscheidende Passage vom 28. August 2026 lautet in der von Ukrainska Pravda veröffentlichten englischen Übersetzung:

“Unfortunately, we have to accept it [mobilisation] as it is. We cannot do otherwise. We have to find the courage and honestly say: we cannot mobilise fewer than 30,000 people a month. This is the minimum number needed to maintain what we have.”

„Leider müssen wir sie [die Mobilisierung] so akzeptieren, wie sie ist. Wir können nicht anders. Wir müssen den Mut aufbringen und ehrlich sagen: Wir können nicht weniger als 30.000 Menschen pro Monat mobilisieren. Das ist die Mindestzahl, die notwendig ist, um das aufrechtzuerhalten, was wir haben.“

Der Telegraph zieht aus Budanovs Aussage eine ziemlich klare Schlussfolgerung. Owen Matthews kommentiert die Aussage mit den Worten: “…suggesting losses far greater than had been officially admitted.” Also: Dies deute auf Verluste hin, die weit höher seien als bislang offiziell eingeräumt.

Der Zusammenhang ist wichtig. Matthews führt Budanovs zwei Aussagen gemeinsam an: Erstens werde es „kein Wunder“ bzw. keinen wundersamen Durchbruch geben, zweitens verfüge Russland weiterhin über „substantial reserves“. Anschließend nennt er die erforderliche Mobilisierung von mindestens 30.000 Menschen monatlich, die laut Budanov das Minimum sei, um den bestehenden Stand zu erhalten.

Mit hoher Sicherheit wird unserem Medium aufgrund dieser Berichterstattung wieder vorgehalten werden, „Russentrolle“ zu sein oder „Putins Desinformation“ zu verbreiten. Das tun wir auch diesmal nicht. Wir beziehen uns auf einen Bericht des britischen Telegraph der auf den Aussagen eines hohen ukrainischen Militärs beruht. Die Zahl 30.000 ist auch nicht 1:1 mit „gefallenen Soldaten“ zu übersetzen, sondern darin sind alle Abgänge enthalten, die in der Ukraine beobachtet werden und realistisch sind: Tod, Verwundung, Gefangennahme, Desertation aber auch Krankheit, psychische Dienstunfähigkeit, alters- oder gesundheitsbedingte Entlassung, Entlassung aus gesetzlichen oder familiären Gründen. Die Zahl dieser Abgänge muss ersetzt werden und in diesem Kontext ist die Aussage Budanovs zu verstehen.

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