Minus 84 Grad! Kälterekord bleibt unbeachtet

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Während einzelne Hitzerekorde regelmäßig als angeblicher Beleg für eine globale Klimakrise durch die Schlagzeilen geistern, sorgt ein außergewöhnlicher Kälteeinbruch in der Antarktis kaum für Aufmerksamkeit. An der Forschungsstation Concordia wurden am 18. Juli vorläufig minus 84,1 Grad Celsius gemessen – laut Ventusky der tiefste Temperaturwert auf der Erde seit 2012. Ein einzelner Messwert beweist weder Erwärmung noch Abkühlung, doch die höchst unterschiedliche mediale Behandlung solcher Wetterextreme spricht Bände.

Die automatische Wetterstation von Concordia registrierte den außergewöhnlichen Tiefstwert am Samstag auf dem ostantarktischen Hochplateau. Mit minus 84,1 Grad lag die Temperatur nur 0,6 Grad über dem bisherigen Stationsrekord von minus 84,7 Grad, der am 13. August 2010 gemessen wurde. Die Weather Company spricht vom tiefsten irgendwo auf der Erde registrierten Wert seit 2012, weist allerdings darauf hin, dass die Messung noch vorläufig ist und amtlich bestätigt werden muss. Dennoch ist das ein durchaus interessantes Kälteereignis, wie es seit rund 14 Jahren offenbar nicht mehr beobachtet wurde.

Concordia liegt auf dem sogenannten Dome C in 3.230 Metern Höhe und wird gemeinsam von Frankreich und Italien betrieben. Die dortige automatische Wetterstation mit der WMO-Nummer 89625 liefert seit 2005 ganzjährig Messdaten zu Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck und Wind. Ihre Lage tief im Inneren des Kontinents bietet nahezu ideale Voraussetzungen für extreme Kälte: eine monatelange Polarnacht, eine dünne und extrem trockene Luft, eine mächtige Eisdecke sowie kaum vorhandene Wolken, welche die Wärmeabstrahlung bremsen könnten. Bleibt auch der Wind schwach, kühlt die bodennahe Luft immer weiter aus.

Der offizielle Weltrekord für eine bodennahe Lufttemperatur liegt weiterhin bei minus 89,2 Grad. Dieser Wert wurde am 21. Juli 1983 an der sowjetischen Wostok-Station gemessen und später von der Weltorganisation für Meteorologie bestätigt. Satelliten haben über Teilen des ostantarktischen Plateaus zwar Oberflächentemperaturen von bis zu minus 98 Grad ermittelt, doch dabei handelt es sich um die Temperatur der Eisoberfläche und nicht um die nach meteorologischen Standards gemessene Lufttemperatur. Solche Werte können deshalb nicht direkt miteinander verglichen werden, sind aber dennoch interessant.

Wetter wird nur bei Hitze zum Klima

Würde eine Wetterstation irgendwo in Südeuropa oder Nordamerika einen außergewöhnlichen Hitzewert melden, wären die üblichen Schlagzeilen wohl bereits geschrieben. Der einzelne Ausschlag würde in Temperaturkarten rot bis dunkelviolett eingefärbt, mit dramatischen Formulierungen versehen und umgehend in den größeren Zusammenhang der globalen Erwärmung gestellt. Dass lokale Wetterereignisse für sich genommen keinen langfristigen Klimatrend beweisen, spielt dann in der systemmedialen Berichterstattung zumeist nur eine Nebenrolle. Bei außergewöhnlicher Kälte gilt hingegen plötzlich die wissenschaftlich korrekte Regel: Wetter ist nicht Klima.

Eben darin liegt die eigentliche Aussagekraft des Concordia-Wertes. Minus 84,1 Grad widerlegen keine globale Erwärmung, ebenso wenig wie ein einzelner heißer Julitag deren Ausmaß beweisen kann. Das Klima besteht aus langfristigen Entwicklungen über Jahrzehnte, während lokale Rekorde durch Luftströmungen, Bewölkung, Wind, Höhenlage und regionale Druckverhältnisse (also das aktuelle Wetter) entstehen. Klimatische Veränderungen mögen zwar mit der Zeit auch das Wetter beeinflussen, doch auch hier gilt der Grundsatz, wonach man mehrere klimatische wie auch wettertechnische Faktoren berücksichtigen muss.

Wie selektiv solche Extreme behandelt werden, zeigte sich ausgerechnet an derselben Station schon im März 2022. Damals stieg die Temperatur in Concordia auf minus 11,5 Grad und lag damit rund 40 Grad über dem für diese Jahreszeit üblichen Niveau. Die Weltorganisation für Meteorologie griff das Ereignis auf, internationale Medien berichteten ausführlich über die ungewöhnliche Wärme in der Antarktis. Der aktuelle Ausschlag in die entgegengesetzte Richtung findet dagegen außerhalb einiger Wetterportale und der sozialen Netzwerke kaum statt.

Selbst die WMO räumte anlässlich der nachträglichen Anerkennung eines Kälterekords in Grönland ein, dass sich im von ihr so bezeichneten „Zeitalter des Klimawandels“ die Aufmerksamkeit vor allem auf neue Hitzerekorde richte. Damals ging es um minus 69,6 Grad, die bereits im Dezember 1991 gemessen, aber erst fast drei Jahrzehnte später als Rekord anerkannt wurden. Die Meteorologen bezeichneten den Wert als wichtige Erinnerung an die enormen Temperaturgegensätze auf der Erde. Eine solche Erinnerung liefert nun auch Concordia – nur passt sie offenbar deutlich schlechter in die Welt der täglichen Nachrichten.

Anstatt ständig die Klimawahntrommel zu schlagen, müsste man sowohl Hitze- als auch Kälterekorde mit denselben Maßstäben messen und als interessante Wetterextreme betrachten, die erst innerhalb längerer Messreihen eine klimatische Bedeutung erhalten. Unser Planet befindet sich geologisch betrachtet nach wie vor in einem Eiszeitalter beziehungsweise Icehouse-Zustand mit gewaltigen dauerhaften Eisschilden – auch wenn wir gegenwärtig innerhalb dieses Eiszeitalters in einer Warmzeit leben. Lufttemperaturen von annähernd minus 90 Grad auf dem antarktischen Hochplateau und mehr als plus 55 Grad in den heißesten Wüstenregionen sind auf demselben Planeten durchaus möglich. Während früherer Greenhouse-Phasen, etwa in Teilen der Kreidezeit und des frühen Eozäns, waren die Pole weitgehend eisfrei und die Temperaturunterschiede zwischen hohen und niedrigen Breiten deutlich geringer. Einige Rekonstruktionen kommen für die tropischen Meeresoberflächen sogar auf 40 Grad und mehr, andere Verfahren liefern niedrigere Werte. Für die heutige menschliche Zivilisation wären solche Bedingungen jedenfalls mit einer vollkommen anderen Verteilung bewohnbarer Räume verbunden gewesen.

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