In immer mehr Ländern werden an verschiedenen Stellen Autokennzeichen erfasst. Dies dient auch zur Verfolgung von Kriminellen. Doch ein Unternehmen, Leonardo, will das Überwachungssystem auf die Spitze treiben – und zwar mit der zusätzlichen Erfassung von Bluetooth- und anderen Gerätesignalen über die Software SignalTrace.
Mittlerweile werden Kennzeichen-Erfassungssysteme in immer mehr Ländern eingesetzt. An Mautstellen, Brücken, Tunneln und wichtigen Knotenpunkten zeichnen solche Geräte auf, zu welchem Zeitpunkt bestimmte Fahrzeuge solche Checkpoints passiert haben. In den Vereinigten Staaten beispielsweise – das kennen Sie sicher auch aus Filmen und Kriminalserien – dienen solche Daten auch immer wieder der Verfolgung von Verbrechern. Doch das ist manchen Unternehmen nicht genug.
🦔Leonardo is a $17 billion defense contractor. It built a system called SignalTrace that clips sensors onto the license plate readers already mounted on street poles, overpasses, and police cars across the US. Every time you drive past one, the sensor grabs the Bluetooth and…
— Hedgie (@HedgieMarkets) June 9, 2026
So auch Leonardo US Cyber and Security Solutions LLC. Dieses Unternehmen wirbt damit, ein System namens SignalTrace entwickelt zu haben, das nicht nur Nummernschilder registriert, sondern gleichzeitig auch diverse elektronische Geräte der Insassen identifizieren kann. Beispielsweise Smartphones, AirPods oder Smartwatches und deren (Bluetooth‑)Signale. Dadurch sei es für die Strafverfolgungsbehörden möglich, nicht nur die Bewegungen der Fahrzeuge selbst nachzuvollziehen, sondern auch jene von Personen.
SignalTrace „verbindet Kennzeichenerkennungsdaten mit von Sensoren erfassten Gerätekennungen – etwa von Mobiltelefonen, Bluetooth-Wearables und Fahrzeugsystemen -, um einen einzigartigen, nachverfolgbaren elektronischen Fingerabdruck für Ermittlungszwecke zu erstellen“, heißt es in einem Produktdatenblatt des Überwachungsunternehmens Leonardo, das SignalTrace bewirbt. Zu den Daten, die SignalTrace laut dem Unternehmen erfassen kann, gehören RFID-Tags in Schlüsselkarten und Haustier-Mikrochips, Bluetooth-Geräte wie kabellose Kopfhörer, Fitness-Tracker und Mobiltelefone, Fahrzeugkomponenten wie Reifendrucksensoren und Infotainmentsysteme sowie WLAN-Quellen wie Fahrzeug-Hotspots und Laptops.
⚠️ A company called SignalTrace wants to expand license plate readers into cross-device surveillance infrastructure and link phones, AirPods, and smartwatches to your car’s movement.
— Jason Bassler (@JasonBassler1) June 9, 2026
First they tracked your car.
Now they want to track your "always-on" Bluetooth devices with… pic.twitter.com/J5OS0c5pm8
Gesammelt werden die Daten dabei wohl auf Servern des Unternehmens selbst. In dem Datenblatt heißt es nämlich, SignalTrace „speichert Geräte- und Korrelationsdaten sicher im EOC (Enterprise Operations Center) für zukünftige Abfragen und Analysen“. Doch das ist noch nicht alles. „Wenn mehrere Geräte sich dauerhaft gemeinsam mit einem Fahrzeug bewegen, verknüpfen die Algorithmen von SignalTrace diese mit dem Kennzeichen des Fahrzeugs sowie den zeitgestempelten Standortdaten. Diese Korrelation liefert Ermittlern eine zusätzliche Ebene verwertbarer Erkenntnisse – selbst wenn ein Verdächtiger das Kennzeichen austauscht oder entfernt“, heißt es in dem Dokument.
Doch während das Unternehmen diese Technologie als Tool für die Strafverfolgung bewirbt, stellen sich ganz andere Fragen. Geht diese Technologie überhaupt mit den Datenschutzbestimmungen konform? Für welche weiteren Zwecke sammelt dieses Unternehmen solche Bewegungsdaten und werden diese auch für privatwirtschaftliche Zwecke genutzt? Und was ist, wenn Hacker Zugriff auf solche Daten erhalten? Mehr noch: Wie weit soll diese Massenüberwachung der Bevölkerung noch gehen?
