Die Krise an der Straße von Hormus trifft inzwischen die großen Energiekonzerne der Golfstaaten mit voller Wucht. So auch die Vereinigten Arabischen Emirate. Seit Kriegsbeginn wurden nach Angaben des staatlichen Ölkonzerns ADNOC 15 seiner Schiffe mit Raketen oder Drohnen angegriffen, drei davon allein in dieser Woche. Ein Besatzungsmitglied wurde getötet, 20 weitere verletzt.
Der staatliche Ölkonzern der Vereinigten Arabischen Emirate schlägt Alarm. Die iranischen Angriffe auf Schiffe, Mitarbeiter und Anlagen beeinträchtigen das Geschäft inzwischen erheblich, erklärte ADNOC am Freitag. Das Unternehmen versucht weiterhin, Rohöl, Erdgas und raffinierte Produkte zu seinen Kunden zu bringen – in einem Seegebiet, in dem jeder Transit inzwischen mit einem erheblichen Risiko verbunden ist. Die Angriffe erfolgten während der Passage durch die Straße von Hormus, die zwischen Iran und Oman verläuft.
Verkehr durch die Straße von Hormus bricht ein
Die Zahlen zeigen, wie weit die einstige Hauptschlagader des weltweiten Ölhandels inzwischen ausgedünnt ist. Vor dem Krieg passierten täglich üblicherweise rund 130 bis 140 Schiffe die Meerenge. Von Montag bis Donnerstag dieser Woche waren es gerade einmal 33, nach 50 in der Vorwoche. Am Donnerstag kamen nur vier Schiffe durch. Gerade sechs Rohöltanker hatten Hormus in der gesamten Woche bis dahin verlassen. Reedereien finden trotz hoher Frachtraten und erheblicher Preisnachlässe auf verfügbares Öl teilweise keine Reeder mehr, die ihre Tanker in die Gefahrenzone schicken wollen.
BREAKING: Iran has just struck another vessel in the US-backed southern corridor of the Strait of Hormuz, with the vessel now on fire, likely an oil tanker attempting to cross under US escort given an ADNOC oil spill response vessel now operating in the area, per NASA FIRMS… pic.twitter.com/vxb49IBQ2V
— The Hormuz Letter (@HormuzLetter) August 8, 2026
Die Dimension des Problems ist geradezu extrem. In der ersten Hälfte des Jahres 2025 flossen nach Angaben der US-Energiebehörde EIA täglich durchschnittlich 20,9 Millionen Barrel Öl durch die Straße von Hormus – rund 20 Prozent des weltweiten Verbrauchs an Erdöl und anderen flüssigen Kohlenwasserstoffen. Seit Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran am 28. Februar 2026 ist dieser Verkehrsweg schwer gestört. Iran schloss die Meerenge weitgehend, Angriffe auf Handelsschiffe und die ständig drohende Eskalation ließen Versicherungs-, Fracht- und Sicherheitskosten explodieren.
Die Emirate haben einen entscheidenden Vorteil
Die Vereinigten Arabischen Emirate stehen dabei besser da als viele ihrer Nachbarn. ADNOC kann einen Teil seines Rohöls über die Habshan-Fujairah-Pipeline direkt an die Küste des Golfs von Oman bringen und damit Hormus umgehen. Diese Ausweichroute half Abu Dhabi bereits dabei, seine Exporte nach dem schweren Einbruch zu Beginn des Krieges wieder deutlich hochzufahren. Im Juni erreichten die Rohöl- und Kondensatexporte der Emirate laut Kpler sogar rund 3,7 Millionen Barrel täglich und lagen damit über den 3,1 bis 3,3 Millionen Barrel vor Kriegsausbruch. Doch auch dieser Schutz ist begrenzt: Die bestehende Pipeline kann nur einen Teil der Förderung aufnehmen, während der Hafen von Fujairah selbst bereits Ziel von Angriffen wurde. ADNOC arbeitet deshalb an einer weiteren Pipeline, die die Kapazitäten außerhalb der Straße von Hormus deutlich erhöhen soll.
The biggest oil producer in the UAE spends $1.3 billion to expand its tanker fleet https://t.co/C8YXr7It5E
— Bloomberg (@business) August 7, 2026
Trotz des Krieges denkt der Konzern gleichzeitig in gewaltigen Dimensionen weiter. ADNOC Logistics & Services gab am Freitag den Kauf von sechs Very Large Crude Carriers und fünf Very Large Gas Carriers für insgesamt rund 1,3 Milliarden Dollar bekannt. Neun der Schiffe – sechs große Rohöltanker und drei Gastanker – sollen noch im dritten Quartal übernommen und sofort eingesetzt werden. Zwei weitere Gastanker aus chinesischer Produktion folgen im vierten Quartal. Damit wächst die VLCC-Flotte des Konzerns auf 14 Schiffe, die VLGC-Flotte auf zwölf. ADNOC L&S betreibt insgesamt mehr als 900 eigene und gecharterte Schiffe. Erst im Juli hatte das Unternehmen zudem vier neue LNG-Tanker für weitere 900 Millionen Dollar bestellt.
Milliardeninvestitionen mitten im Krieg
Dass ADNOC ausgerechnet jetzt Milliarden in zusätzliche Tankerkapazitäten steckt, zeigt die langfristigen Ambitionen der Emirate. Abu Dhabi will mehr Öl und Gas fördern, mehr davon selbst vermarkten und möglichst große Teile der Transportkette kontrollieren. Gleichzeitig fahren die neuen Schiffe in eine Region hinein, in der sie durch iranische Raketen und Drohnen bedroht werden. 15 getroffene ADNOC-Schiffe, ein Toter und 20 Verletzte sind die bisherige Bilanz. Der Konzern arbeitet nach eigenen Angaben mit den Behörden zusammen, um Personal und Anlagen zu schützen und seine Lieferverpflichtungen soweit wie möglich zu erfüllen.
"Shipping traffic at the key Middle Eastern maritime chokepoints of the Strait of Hormuz and the Bab el-Mandeb was little changed on Tuesday from the previous day, ship-tracking data showed.
— Zoraida Sánchez (@Pettunia14) August 5, 2026
Eight vessels transited the Strait of Hormuz, including five tankers and three bulk…
Doch solange das islamistische Terrorregime der Mullahs in Teheran (ebenso wie deren Stellvertreter der Ansar Allah/Huthis im Jemen oder der Hisbollah im Libanon) nicht in die Knie gezwungen wurde, bleibt die Lage kritisch. Die Welt steht, trotz der Bemühungen der arabischen Golfstaaten nach Alternativrouten weiterhin vor einer extremen Energiekrise.






