Sie war eine junge, sportliche Kamerafrau, Tauchlehrerin und Berufstaucherin, vertraute auf Ärzte und Impfungen – und verlor nach ihrer dritten Covid-Impfung beinahe über Nacht ihre berufliche Existenz und ihr bisheriges Leben. Ihr Impfschaden wurde inzwischen vom österreichischen Sozialministerium anerkannt. Im Gespräch mit Report24 schildert Patrizia, warum sie sich dennoch von Gesundheitssystem, Forschung und Politik weitgehend alleingelassen fühlt. Dabei vertritt sie eine Perspektive, die nicht in die üblichen politischen Schubladen passt.
Kommentar von Florian Machl
Ich möchte diesen Text als persönlichen Kommentar ausführen – wie er in unserem Magazin auch stets journalistisch korrekt gesondert gekennzeichnet wird. Meine Sorge bei der Veröffentlichung dieses Interviews war, dass unsere Coronazeit-geplagte Leserschaft eventuell sehr ungehalten reagieren könnte, da sich die Meinung und Perspektiven der jungen Dame über weite Strecken nicht mit der ihren decken. Doch bislang ist das Gegenteil der Fall, wie man an den zahlreichen Wortmeldungen auf YouTube sehen kann. Es gibt Verwunderung, es gibt Mitgefühl – aber die Fronten sind nicht verhärtet. Das ist gut und wichtig.
Report24 hat immer Bereitschaft signalisiert, mit allen Seiten zu sprechen. Sonst bleibt man in seiner Blase gefangen, das eigene Denken verengt sich und man kommt nicht weiter. Und wenn wir Versöhnung nach den Corona-Jahren anstreben, müssen wir alle verstehen, welche Zugänge und Denkweisen in unserem Land vorherrschen. Dieses Interview bietet eine solche neue Perspektive. Man muss nicht alle Meinungen teilen, aber es erweitert den eigenen Horizont, sie anzuhören.
Patrizia stammt aus einer österreichischen Akademiker-Familie. Sie ist davon überzeugt, dass Impfungen eine gute Sache sind und wirken. Sie selbst wurde nach der dritten Covid-Spritze arbeitsunfähig, kann ihren geliebten und auch seltenen Beruf als Unterwasserkamerafrau nicht ausüben. Report24 zeigt mit diesem Interview die Stärke freier Medien: wir sprechen mit allen Seiten und sind auch an unterschiedlichen Perspektiven interessiert – etwas, das der Nachrichtenmainstream verlernt hat.
Als Patrizia Ende 2021 ihre dritte Covid-Impfung erhielt, war sie alles andere als eine Impfgegnerin. Sie hatte Physik studiert, beschäftigte sich nach eigenen Angaben gerne mit wissenschaftlichen Publikationen und war aufgrund ihrer internationalen Tätigkeit als Kamerafrau und Taucherin an Impfungen gewöhnt. Auch heute betont sie ausdrücklich, Impfungen grundsätzlich für einen wichtigen Bestandteil der Medizin zu halten. Doch ihre dritte Covid-Impfung veränderte ihr Leben grundlegend.
Innerhalb von zwölf Stunden schwer erkrankt
Im November 2021 erhielt Patrizia ihre dritte Impfung mit dem Covid-Impfstoff von Pfizer. Innerhalb von zwölf Stunden seien hohes Fieber, Atemnot, Brust- und Herzschmerzen sowie ein stark erhöhter Puls aufgetreten. Zeitweise sei ihr Puls bereits auf dem kurzen Weg vom Schlafzimmer ins Badezimmer auf 180 gestiegen. Ohne Pausen habe sie selbst diese Strecke nicht mehr bewältigen können.
Zunächst sei ihre Situation von einem Kardiologen mit dem Hinweis abgetan worden, Athleten würden häufig über Leistungsabfall klagen. Zwei Ärztinnen hätten ihre Beschwerden hingegen ernst genommen und eine umfassende Diagnostik veranlasst. Nach drei oder vier Monaten brachte schließlich eine Magnetresonanztomographie einen objektivierbaren Befund: Perikarditis, Myokarditis und ein Ödem. Die Entzündung beziehungsweise Restaktivität der Perimyokarditis blieb nach ihrer Darstellung rund eineinhalb Jahre nachweisbar.
Erst im Mai 2024 habe ein MRT bestätigt, dass die aktive Entzündung vollständig abgeklungen sei. Andere Beschwerden bestehen jedoch bis heute.
Das Herz erholte sich – andere Symptome blieben
Patrizia beschreibt zusätzlich eine Symptomatik, die Long Covid beziehungsweise dem sogenannten postakuten Covid-19-Impfsyndrom ähnelt. Dazu zählt sie insbesondere chronische Erschöpfung und eine POTS-Symptomatik – das posturale orthostatische Tachykardiesyndrom. Sie verweist dabei auf einen Beitrag im „Arzneimittelbrief“ vom Februar 2025, in dem ein entsprechendes Krankheitsbild beschrieben werde.
Fast vier Jahre nach der Impfung bereiten ihr alltägliche Dinge weiterhin Schwierigkeiten. Im Stehen zu kochen oder Stufen hinaufzugehen sei belastend. Tätigkeiten in horizontaler Körperlage, darunter Schwimmen, seien inzwischen hingegen wieder möglich, ohne dass ihr Puls extreme Werte erreiche.
Der Unterschied zu ihrem früheren Leben könnte kaum größer sein. Patrizia arbeitete selbständig als Kamerafrau, unter anderem im Live-Event-, Sport- und Dokumentarbereich. Besonders wichtig war ihr die Arbeit unter Wasser. Sie ist Tauchlehrerin, Berufstaucherin und Unterwasserkamerafrau und hatte sich über zehn Jahre ihre berufliche Existenz aufgebaut.
Mit der Erkrankung sei diese Karriere „von einem Tag auf den anderen“ verschwunden. Ebenso fielen ihre sportlichen Aktivitäten und damit jene Beschäftigungen weg, die ihr zuvor als Ausgleich gedient hatten. Rund zwei Jahre habe es gedauert, bis sie wieder vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer gehen konnte, ohne massive Atemnot oder das Gefühl zu bekommen, sich sofort hinsetzen zu müssen.
„Wenn ich zu normal ausschaue, glaubt er mir die Symptome nicht“
Besonders eindringlich schildert Patrizia allerdings nicht nur die körperlichen Folgen, sondern ihre Erfahrungen als Patientin. Gerade junge Frauen mit schwer objektivierbaren Beschwerden würden ihrer Ansicht nach häufig nicht ernst genommen.
Sie selbst habe erlebt, dass Beschwerden als Hysterie oder psychisches Problem interpretiert wurden. Auch Bekannte aus dem medizinischen Bereich hätten ihr zunächst nicht geglaubt. Erst der MRT-Befund habe ihr ermöglicht, auf einen sichtbaren medizinischen Nachweis zu verweisen.
Patrizia spricht in diesem Zusammenhang von „Medical Gaslighting“. Das ständige Anzweifeln der eigenen Beschwerden sei psychisch enorm belastend. Sie war selbst in psychologischer und psychiatrischer Behandlung; ihr Psychiater, der zugleich Neurologe sei, habe jedoch bestätigt, dass ihre Beschwerden nicht auf eine psychosomatische Ursache zurückzuführen seien.
Die Angst vor medizinischen Begutachtungen sei inzwischen so groß, dass sie sich vor Terminen Gedanken darüber mache, wie sie auftreten müsse: Wirke sie zu gesund, könnten ihr die Symptome nicht geglaubt werden. Wirke sie hingegen zu schlecht, fürchte sie, erneut zum Psychiater geschickt zu werden. Zu bestimmten Gutachterterminen nehme sie mittlerweile sogar ihren Anwalt mit.
Der Staat hat den Impfschaden anerkannt
Dabei handelt es sich in Patrizias Fall inzwischen nicht mehr lediglich um ihre persönliche Vermutung über die Ursache ihrer Erkrankung. Nach einem fast dreijährigen Verfahren habe das Sozialministerium ihren Fall offiziell als Impfschaden anerkannt.
Dennoch bedeute diese Anerkennung keineswegs eine umfassende finanzielle Absicherung. Über die Höhe der Entschädigung werde weiterhin mit anwaltlicher Unterstützung gestritten. Die Beträge seien nach ihrer Darstellung jedenfalls weit entfernt von Summen, die einen zerstörten Berufsweg wirtschaftlich ausgleichen könnten.
Die Sozialversicherung der Selbständigen habe ihre Arbeitsunfähigkeit hingegen vergleichsweise unkompliziert anerkannt. Patrizia bezieht weiterhin eine Erwerbsunfähigkeitspension. Diese reiche allerdings nur deshalb einigermaßen aus, weil ihre Eltern sie finanziell, körperlich und emotional unterstützen.
Genau darin sieht sie ein grundsätzliches Problem: Was geschieht mit Menschen, die eine solche Familie nicht haben?
Ein Jahr habe sie auf die Auszahlung der Erwerbsunfähigkeitspension gewartet, zweieinhalb bis fast drei Jahre auf die Anerkennung des Impfschadens. Ohne ihre Eltern, sagt sie drastisch, hätte sie in dieser Zeit möglicherweise „unter der Brücke“ schlafen müssen.
Keine Impfgegnerin – auch heute nicht
Ungewöhnlich an Patrizias Position erscheint, dass sie aus ihren Erfahrungen keine grundsätzliche Ablehnung von Impfungen ableitet. Sie stellt im Interview mehrfach ausdrücklich klar, keine Impfgegnerin zu sein.
Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln oder durch Reisen notwendige Tropenimpfungen hält sie weiterhin für sinnvoll. Auch gegen FSME würde sie sich impfen lassen, auch RSV empfindet sie als sinnvoll. Eine weitere Covid-Impfung schließt sie für sich persönlich hingegen aus.
Auch die mRNA-Technologie lehnt sie nicht grundsätzlich ab. Sie sei weder Mikrobiologin noch Medizinerin und wolle deshalb keine fachlichen Urteile abgeben. Grundsätzlich hält sie mRNA-basierte medizinische Ansätze jedoch weiterhin für interessant und wichtig. Ihre Kritik richtet sich vielmehr gegen den Umgang mit Geschädigten und der fehlenden oder unzureichenden Darstellung von Risiken.
Booster für den Kamerajob
Besonders beschäftigt Patrizia rückblickend die Situation, in der sie ihre dritte Covid-Impfung erhielt. Die ersten beiden Impfungen waren in einer Arztpraxis erfolgt, wo nach ihrer Erinnerung ausreichend Zeit für Anamnese und Beratung vorhanden war.
Nach der zweiten Impfung hatte sie bereits grippeähnliche Beschwerden mit Fieber und Körperschmerzen entwickelt, die allerdings nach einem Tag wieder verschwanden. Den Booster benötigte sie nach eigener Darstellung beruflich: Für einen Kamerajob musste sie fliegen, die Fluglinie verlangte damals die entsprechende Impfung. Deshalb suchte sie eine Impfstraße auf.
Dort sei alles innerhalb weniger Minuten abgewickelt worden. Zwar habe es Informationsmaterial gegeben, doch kein ausführliches ärztliches Gespräch wie zuvor in der Hausarztpraxis. Sie habe darauf hingewiesen, dass es ihr nach der zweiten Impfung schlecht gegangen sei und dass sie lediglich 45 Kilogramm wiege.
Patrizia stellt deshalb die Frage, ob die damalige Organisation der Impfstraßen ausreichend Raum für individuelle Anamnese gelassen habe. Sie behauptet dabei nicht, die konkrete Ursache ihres Schadens zu kennen. Sie vermutet vielmehr, dass unter dem enormen Zeit- und Handlungsdruck der Pandemie systemische Fehler oder Ungenauigkeiten möglich gewesen sein könnten. Die Frage nach persönlicher Schuld steht für sie dabei aber nicht im Vordergrund.
„Wie kümmern wir uns um die Leute, denen tatsächlich etwas passiert ist?“
Patrizias zentrale Forderung ist vielmehr eine Aufarbeitung, die sich auf Lösungen konzentriert. Wenn Fehler geschehen seien, müsse untersucht werden, wie diese künftig verhindert werden können. Ebenso müsse es aber ein funktionierendes System geben, das Menschen auffängt, wenn medizinische Maßnahmen schwere Folgen haben.
Wissenschaft könne naturgemäß nicht alles im Voraus wissen. Gerade deshalb müsse ein Sozial- und Gesundheitssystem mit unerwarteten Schäden umgehen können.
Sie fordert mehr Forschung sowohl zu Long Covid als auch zu anhaltenden Beschwerden nach Covid-Impfungen. In Österreich sieht sie dabei große Defizite. Während das Thema ihrer Wahrnehmung nach in Deutschland stärker diskutiert werde, kenne sie in Österreich kaum entsprechende Forschung. Für Betroffene bedeutet das aus ihrer Sicht nicht nur fehlendes Wissen über die Ursachen, sondern vor allem fehlende Therapieoptionen.
Tauchen brachte erstmals eine Besserung
Bei Patrizia führte ausgerechnet ihre alte Leidenschaft zu einer subjektiv spürbaren Verbesserung. Nachdem die aktive Perimyokarditis abgeklungen war und ihre Ärzte ihr das Tauchen nicht mehr untersagten, begann sie auf eigene Verantwortung mit einem vorsichtigen und kontrollierten Wiedereinstieg.
Der Aufenthalt in einer hyperbaren Umgebung und das Tauchen seien bislang die einzigen Maßnahmen gewesen, bei denen sie persönlich eine deutliche Symptomlinderung festgestellt habe.
Daraus leitet sie Interesse an hyperbarer Sauerstofftherapie ab. Diese werde für Long Covid beziehungsweise die von ihr beschriebene Post-Vac-Symptomatik in Österreich jedoch nicht von der Krankenkasse übernommen. Auch ihre selbst entwickelte, mit ihren Ärzten abgestimmte Form der „Tauchtherapie“ musste sie selbst finanzieren.
Hier sieht sie einen weiteren strukturellen Missstand: Menschen mit seltenen oder wenig erforschten chronischen Erkrankungen stünden vor dem Problem, dass mögliche Behandlungsansätze nicht Teil des regulären Leistungskatalogs seien und daher selbst bezahlt werden müssten. Sie regt deshalb mehr Flexibilität von Gesundheitssystem, Sozialversicherungen und Krankenkassen an.
Deutliche Distanz zur FPÖ
Auch politisch passt Patrizias Position nicht in das Schema, das man bei einem Interview über einen anerkannten Covid-Impfschaden möglicherweise erwarten würde. Im Gespräch wird angesprochen, dass insbesondere die FPÖ Impfschäden und die Aufarbeitung der Corona-Politik thematisiert.
Patrizia distanziert sich ausdrücklich von der Partei und erklärt, jegliche Tendenzen nach rechts abzulehnen. Ihrer Einschätzung nach thematisiere die FPÖ Impfschäden vor allem, weil sich das Thema politisch nutzen lasse. Sie wolle jedoch weder von der FPÖ noch von irgendeiner anderen Partei zum „politischen Spielball“ gemacht werden. Long-Covid- und Post-Vac-Patienten dürften ihrer Ansicht nach grundsätzlich nicht parteipolitisch vereinnahmt werden. Ebenso erklärt sie, sie glaube nicht, dass eine FPÖ-Regierung die Covid-Krise besser gelöst hätte.
Diese Haltung macht das Gespräch bemerkenswert: Die Aufarbeitung müsse parteiübergreifend erfolgen. Es gehe nicht darum, welche Partei recht gehabt habe, sondern darum, Ärzte, Krankenhäuser, Versicherungen, Sozialversicherungsträger und politische Verantwortliche dazu zu bringen, Lösungen für jene Menschen zu finden, die bis heute nicht genesen sind.
Eine Krise, die für die Betroffenen nicht vorbei ist
Während Corona für einen Großteil der Bevölkerung längst Vergangenheit geworden ist, endet die Krise für Menschen wie Patrizia nicht. Sie werden nach ihren Worten täglich durch ihre körperlichen Einschränkungen an die vergangenen Jahre erinnert.
Dabei geht es ihr weniger um Vergeltung als um Anerkennung, Forschung, medizinische Hilfe und soziale Absicherung. Arzneimittelsicherheit müsse verbessert und mögliche Fehler müssten aufgearbeitet werden. Vor allem aber dürfe ein Mensch, der nach einer medizinischen Maßnahme schwer erkrankt, anschließend nicht jahrelang darum kämpfen müssen, überhaupt ernst genommen zu werden.
Patrizias eigene Geschichte demonstriert eindringlich, wie tiefgreifend solche Folgen sein können: von einer sportlichen, international arbeitenden Unterwasserkamerafrau zur Erwerbsunfähigkeit – und das trotz eines inzwischen staatlich anerkannten Impfschadens.
Sie steht stellvertretend für viele Menschen, die große Schwierigkeiten damit haben, das System, das sie ganz offensichtlich verraten hat, als solches zu erkennen und zu kritisieren. Sie will, so scheint es, das Grundvertrauen in staatliche Behörden, Institutionen, Bildungseinrichtungen und die Ärzteschaft nicht aufgeben. Damit ist sie nicht allein – und das macht ihre Perspektive so bemerkenswert, da sich viele, die mit dem System bereits gebrochen haben, solche Gedanken nicht mehr vorstellen können.
Fast vier Jahre nach Beginn ihrer Erkrankung kämpft Patrizia darum, eines Tages wieder jenes aktive Leben führen und jenen Traumberuf ausüben zu können, den sie sich über viele Jahre aufgebaut hatte.
In den nächsten Wochen folgt ein Videobericht, der das Interview mit ihrem Anwalt zeigt, der den Fall aus juristischer Perspektive näher erklären wird.






