Die westliche Politik träumt den Traum der sauberen, grünen Mobilität. Doch der Preis für diesen angeblichen Fortschritt wird fernab der heimischen Gefilde gezahlt. Ein Blick hinter die Kulissen der chinesischen Megafabriken von BYD und dem Apple-Zulieferer Foxconn zeigt ein ausbeuterisches System, das an die dunkelsten Zeiten des Manchester-Kapitalismus erinnert. Die „grüne Revolution“ baut auf systematischer Ausbeutung und moderner Sklaverei auf.
Kilometerlange Plattenbauten, Zehntausende Menschen in Mehrbettzimmern zusammengepfercht, Fabrikkomplexe von unvorstellbaren Ausmaßen: Willkommen in Zhengzhou, Zentralchina. Hier manifestiert sich der globale Herrschaftsanspruch des Elektroauto-Giganten BYD. Auf einer Fläche von knapp 50 Quadratkilometern – mehr als siebenmal so groß wie das VW-Stammwerk in Wolfsburg – stampft China die Zukunft der westlichen Mobilität aus dem Boden. Das Ziel: eine Million E-Autos pro Jahr. Doch der Glanz der polierten Karosserien verblasst, wenn man einen Blick auf die Bedingungen wirft, unter denen sie produziert werden.
Die Anforderungen an die Arbeiter sind minimal – laut lokalen Personaldienstleistern reicht es völlig, wenn man die 26 Buchstaben des englischen Alphabets kennt. Die Bedingungen hingegen sind maximal ausbeuterisch und zeichnen ein erschütterndes Bild des Arbeitsalltags bei BYD und dem wenige Kilometer entfernten iPhone-Produzenten Foxconn. Die Schichten dauern zehn bis zwölf Stunden am Tag. Bei nur vier freien Tagen im Monat summiert sich das Wochenpensum für die Arbeiter schnell auf 60 bis 80 Stunden. Entlohnt wird diese Knochenarbeit mit umgerechnet 500 bis 650 Euro im Monat. Die Wohnverhältnisse spiegeln diese Tristesse gnadenlos wider: Vier bis sechs Arbeiter teilen sich ein einziges, karges Zimmer in den riesigen Plattenbauten der Konzerne.
Das Arbeitsklima selbst wird von Insidern als extrem monoton und regelrecht betäubend beschrieben. Um zu verhindern, dass die unhaltbaren Zustände oder interne Informationen an die Öffentlichkeit dringen, erzwingen die Konzerne strenge Vertraulichkeitsvereinbarungen. Zusätzlich werden die Fabrikgelände mit einem massiven Aufgebot an Sicherheitskräften abgeriegelt. Und das in einem Land, in dem angeblich Kommunisten regieren. Doch als „Vorhut der chinesischen Arbeiterklasse“ (so die Selbstbezeichnung) taugt die KPCh ganz offensichtlich nichts.
Das System funktioniert vor allem deshalb so reibungslos, weil die Kommunistische Partei Chinas als williger Dienstleister der Großkapitalisten auftritt. Unabhängige Betriebsräte existieren nicht, und jeder Anflug von Protest wird im Keim erstickt. Stattdessen subventioniert der Staat die Ausbeutung regelrecht: Die Regierung zahlt sogar Prämien von umgerechnet 40 bis 50 Euro an Personaldienstleister für jeden neu rekrutierten Arbeiter, der dem System zugeführt wird.
Die wahren Profiteure dieser Maschinerie sind die Milliardenkonzerne und ihre Lenker. BYD, Apple und andere Unternehmen generieren auf dem Rücken der billigen und rechtlosen Arbeitskräfte astronomische Gewinne. Und der Westen freut sich über Elektroautos für 10.000 Euro und bezahlbare Smartphones, während man sich zeitgleich wann auch immer es möglich ist für höchste moralische und ökologische Standards auf die Schulter klopft.
Export der Ausbeutung bis in die EU
BYD belässt es jedoch nicht bei der Ausbeutung im eigenen Land. Das System wird mittlerweile gnadenlos in die Welt exportiert. Mitten in der EU, im ungarischen Szeged, errichten chinesische Arbeiter derzeit das neue europäische BYD-Werk. Die Realität auf dieser Baustelle gleicht den Zuständen in China bis aufs Haar. Li Qiang, der Gründer von China Labor Watch, zieht ein vernichtendes Fazit: Die Mehrheit der Arbeiter dort lebe unter Bedingungen, die man als moderne Sklaverei bezeichnen müsse. Berichtet wird von Zwölfstunden-Schichten. Da viele der Männer zusätzlich anderthalb Stunden pro Weg von ihren Unterkünften zur Baustelle pendeln müssen, sind sie oft 15 bis 16 Stunden am Tag rein für den Konzern auf den Beinen. Hinzu kommen einbehaltene Löhne und massive Schulden der Arbeiter bei ihren Subunternehmern. Es kommt zu fatalen Arbeitsunfällen, darunter auch ungeklärte Todesfälle. Doch die Behörden in Ungarn schauen weg, weil es hier um Steuereinnahmen, Arbeitsplätze und die Stärkung der Exportwirtschaft geht.
Noch drastischer zeigt sich das Bild im sozialistisch regierten Brasilien. Dort stellten Behörden auf einer BYD-Baustelle vor anderthalb Jahren Zustände fest, die sie hochoffiziell als „sklavenähnlich“ einstuften. Konsequenzen für das Unternehmen gab es allerdings nicht. Stattdessen wurde der oberste Arbeitsinspekteur Brasiliens kurzerhand entlassen, nachdem er BYD auf eine rote Liste gesetzt hatte. Präsident Lula da Silva, ein enger Verbündeter Pekings, feierte wenig später ungeniert und trotz aller Vorwürfe die Eröffnung der Fabrik. Auch im größten Land Südamerikas zeigt die „Arbeiterpartei“, wie wenig sie von den Arbeitern eigentlich wirklich hält.
Für die europäische Wirtschaft und ihre hart erkämpften sozialen Standards ist dieser „Zhengzhou-Kapitalismus“ in seiner schieren Größe und Rücksichtslosigkeit eine substantielle Bedrohung. Westliche Autohersteller, die sich an Menschenrechte, Tarifverträge und strenge Umweltauflagen halten müssen, können in diesem unfairen Wettbewerb auf Dauer kaum bestehen. Wer heute vom „grünen Wunder“ der Elektromobilität spricht, muss sich der Realität stellen: Die Weltherrschaft der grünen Ideologie wird auf dem Fundament massiver menschlicher Ausbeutung, eklatanter Rechtsbrüche und moderner Sklaverei errichtet.





