Mindestsicherung in Spanien: Hälfte der Ausländer sind Marokkaner

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Fast jeder zweite ausländische Bezieher der spanischen Mindestsicherung stammt aus Marokko. Erst eine Transparenzanfrage zwang die Sozialversicherung dazu, die Empfänger erstmals nach Nationalitäten aufzuschlüsseln. Die Zahlen legen offen, wie weit Anspruch und Wirklichkeit der von der sozialistischen Führung in Madrid gefeierten Migrations- und Integrationspolitik auseinanderliegen.

Erst auf ausdrückliche Nachfrage rückte das spanische Institut für Soziale Sicherheit mit den Zahlen heraus. 139.446 Ausländer waren in der übermittelten Auswertung als Inhaber des sogenannten Ingreso Mínimo Vital, kurz IMV, registriert. Davon besaßen 69.517 die marokkanische Staatsangehörigkeit. Das sind 49,85 Prozent, oder fast exakt die Hälfte aller ausländischen Leistungsempfänger in diesem Datensatz. Die bisher veröffentlichten Regierungsstatistiken hatten lediglich zwischen Spaniern und Ausländern unterschieden. Welche Nationalitäten besonders stark vom spanischen Steuerzahler abhängig waren, blieb im Dunkeln.

Marokkaner stellen alle anderen weit in den Schatten

Der Abstand zum Rest ist gewaltig. Auf dem zweiten Platz folgen 15.262 Rumänen. Danach kommen 4.612 Ukrainer, 3.549 Kolumbianer, 3.362 Algerier, 3.043 Italiener und 2.826 Bulgaren. Damit zählt Spanien mehr als viereinhalbmal so viele marokkanische wie rumänische IMV-Bezieher, obwohl in Spanien nur rund 60 Prozent mehr Marokkaner als Rumänen leben.

Besonders deutlich wird die Schieflage beim Vergleich mit der ausländischen Bevölkerung. Anfang 2025 lebten knapp 969.000 marokkanische Staatsbürger in Spanien. Sie stellten damit 14 Prozent aller Ausländer im Land, aber fast 50 Prozent der ausländischen IMV-Titelinhaber in der nun veröffentlichten Auswertung. Ihr Anteil an dieser Gruppe von Sozialleistungsempfängern ist damit mehr als dreimal so hoch wie ihr Anteil an der ausländischen Gesamtbevölkerung.

Wer diese Zahlen lediglich mit Armut erklären möchte, macht es sich bequem. Rumänen, Ukrainer, Kolumbianer und andere große Einwanderergruppen leben ebenfalls nicht geschlossen in Wohlstand. Keine dieser Nationalitäten kommt auch nur annähernd an die marokkanischen Werte heran. Die Statistik zeigt damit kein allgemeines Ausländerphänomen, sondern ein ausgesprochen konzentriertes Integrationsproblem.

Ein Titel steht häufig für eine ganze Familie

Die Zahl von 69.517 erfasst lediglich die Person, auf deren Namen die Leistung läuft. Ehepartner, Kinder und andere Mitglieder des Haushalts, die durch dieselbe Zahlungsstelle mitversorgt werden, tauchen in dieser Aufschlüsselung nicht als eigene Bezieher auf. Die tatsächliche Zahl der Menschen, die über marokkanische Titelinhaber vom IMV profitieren, liegt deshalb erheblich höher. Wie hoch, verriet die spanische Sozialversicherung nicht.

Nicht enthalten sind außerdem das Baskenland und Navarra. Beide Regionen verwalten die Mindestsicherung aufgrund ihrer steuerlichen Sonderrechte selbst. Die veröffentlichten Zahlen bilden also nicht einmal das gesamte spanische Staatsgebiet ab. Je nach Zusammensetzung der dortigen Empfänger könnte der marokkanische Anteil etwas steigen oder sinken. An der Größenordnung ändert das allerdings nichts: Keine andere ausländische Gruppe ist auch nur entfernt vergleichbar stark im Mindestsicherungssystem vertreten.

Die rund 280.000 Titelinhaber aus der Transparenzauskunft dürfen allerdings nicht mit der gesamten, inzwischen erheblich ausgeweiteten IMV-Statistik gleichgesetzt werden. Das Sozialministerium meldete für Juni 2026 insgesamt 860.458 unterstützte Haushalte mit 2,63 Millionen darin lebenden Menschen. Darin enthalten sind jedoch auch 600.076 Haushalte mit dem Kinderzuschlag CAPI, der unabhängig von der eigentlichen Mindestsicherung bezogen werden kann. Madrid hat unter dem Etikett des IMV damit längst ein weit größeres Transfersystem aufgebaut, dessen Monatsrechnung im Juni bei 465,7 Millionen Euro lag.

Niedrige Erwerbsbeteiligung, hohe Sozialstaatsabhängigkeit

Zu diesem Bild passt die geringe formelle Erwerbsbeteiligung marokkanischer Frauen. Das staatliche Observatorium für Einwanderung zählte Ende September 2025 insgesamt 414.171 marokkanische Frauen mit gültigen Aufenthaltspapieren. Unter den im Januar 2026 sozialversicherten ausländischen Frauen kamen nur rund acht Prozent aus Marokko – etwa 103.500 Beitragszahlerinnen. Frühere Berechnungen anhand der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter kamen auf eine formelle Beschäftigungsquote von lediglich 29,7 Prozent. Rund sieben von zehn marokkanischen Frauen im Erwerbsalter zahlten demnach nicht in das System ein.

Nicht jede Person ohne Sozialversicherungsbeiträge ist automatisch arbeitslos. Darunter fallen auch Hausfrauen, Studentinnen oder Menschen in nicht gemeldeter Beschäftigung. Für die Bilanz des Sozialstaates macht das jedoch kaum einen Unterschied: Wer nicht offiziell arbeitet, finanziert weder Renten noch Arbeitslosenversicherung noch die übrigen Sozialleistungen. Gleichzeitig wächst unter den Marokkanern die Abhängigkeit von staatlichen Transfers.

Die Regierung von Pedro Sánchez erzählt den Spaniern seit Jahren, Masseneinwanderung sei notwendig, um den Sozialstaat zu retten. Doch ein Sozialstaat wird nicht durch die bloße Anwesenheit möglichst vieler Menschen finanziert. Er lebt von Erwerbsarbeit, Produktivität und Beiträgen. Wer vor allem gering qualifizierte, schwer integrierbare Bevölkerungsgruppen ins Land holt und anschließend ganze Familien mit staatlichen Leistungen absichert, löst kein demografisches Problem, sondern vergrößert lediglich die Kosten.

Pedro Sánchez verspricht Spanien Arbeitskräfte und Wohlstand durch Zuwanderung. Seine eigenen Behörden liefern nun ein anderes Bild: geringe Erwerbsintegration in besonders problematischen Gruppen, eine massive Konzentration bei der Mindestsicherung und ein Transfersystem, das immer weiter ausgedehnt wird. Ein Land kann eine qualifizierte Einwanderung verkraften. Die dauerhafte Zuwanderung von kaum in die Gesellschaft integrierbaren Leuten in den Sozialstaat jedoch nicht.

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