Nachgeforscht: Rainforest-Alliance-Frosch-Geschichte startete auf Twitter-Satirekanal

Symbolbild: Bill Gates und die Rainforest Alliance. (C) Report24.news

Seit etwa einer Woche ist das Frosch-Logo der Rainforest-Alliance in aller Munde. Oder eben nicht – denn die so gekennzeichneten Lebensmittel sollen Giftstoffe enthalten, speziell von mRNA Wirkstoffen oder gar Graphenoxid ist die Rede. Der Grund wäre, dass Bill Gates persönlich das Unternehmen steuern würde, er habe sich mit 5 Millionen Dollar eingekauft. Wir haben uns auf die Suche nach der Quelle der Behauptungen gemacht und wurden auf Twitter fündig – die Nachricht stammt aus einem Satirekanal und wurde im April in die Welt gesetzt.

So absurd die Geschichte auf Fachleute wirken mag – es hilft alles nichts, im so genannten Widerstand glauben Tausende daran und wollen keine Gegenargumente hören. Mit bösartiger Wut und großem Eifer werden alle beschimpft, die höflich anmerken, dass an der Geschichte wohl etwas nicht stimmen kann. Report24 hat sich bereits am 8. Juli mit dem Sachverhalt auseinandergesetzt und drei wichtige Fakten festgehalten:

  • Bill Gates kontrolliert die Rainforest Alliance nicht. Es gab vor 16 Jahren eine einmalige Geldspende die im Vergleich zum Gesamtbudget der seit 36 Jahren operierenden NGO verschwindend gering ist – und für ein konkretes Entwicklungshilfeprojekt in Afrika verwendet wurde. Rechnerisch hat Gates viel weniger als ein Prozent zum Ertrag von Rainforest Alliance beigetragen – damit kann man keine Kontrolle kaufen – und er hat auch keine Anteile erworben.
  • Die Rainforest Alliance ist eine Zertifizierungs-NGO, sie verfügt nicht über Produktionsstätten oder Fabriken, hat also keine Mittel, um Nahrung irgendwie mit Zusatzstoffen zu versetzen.
  • mRNA ist ein extrem anfälliger und flüchtiger „Stoff“, der bei -75 Grad konserviert werden muss, um nicht innerhalb kürzester Zeit zu zerfallen. Das gilt auch für mRNA innerhalb von Nanolipiden. Außerhalb einer Zelle zerfällt mRNA nach Lehrmeinung innerhalb von 4 Minuten.

Dies kann noch ergänzt werden, denn die Gerüchte haben sich verselbstständigt und sind vielfältiger geworden.

  • Froschlogo-Produkte sind auch nicht extra mit Pestiziden versetzt, es gilt Punkt 2 – die Alliance hat keine eigenen Felder, Fabriken oder sonstige Anbau- und Herstellungsmöglichkeiten.
  • Der Gründer von Rainforest Alliance hat keine besondere Beziehung zu Bill Gates, die in irgendeiner Form nachweisbar wäre, auch der aktuelle CEO hat keine solchen Verbindungen. Es gibt bei untergeordneten Mitarbeitern aber sehr wohl solche Verbindungen.
  • Den Zuschriften, dass „die Juden“ an allem Schuld wären, sind wir nicht nachgegangen, der Vollständigkeit halber möchten wir sie hier aber erwähnen.

Zu guter Letzt haben Anhänger der Theorie ein Gebet erfunden, das sie wie ein Mantra ständig wiederholen, auch wenn es sachlich überhaupt nicht angemessen ist: Wenn Bill Gates seine Finger im Spiel hat, will ich nichts damit zu tun haben… Gemessen an dem Umstand, dass nahezu jeder von uns ein Microsoft-Betriebssystem oder zumindest die Softwarelösungen Word und Excel benutzt, ist diese Behauptung für die meisten Menschen vermutlich etwas hoch gegriffen.

Es gibt dennoch Gründe zur Distanz von Rainforest Alliance

Zunächst die gute Nachricht, niemand wird in irgendeiner speziellen Form vergiftet oder genmodifiziert, wenn er Produkte von Rainforest Alliance konsumiert. Das ist technisch auch gar nicht möglich – zumindest nicht so, wie es behauptet wird. Das bedeutet aber nicht, dass es irgendeinen Grund gibt, hier in Europa Produkte zu konsumieren, die aus den Regenwaldgebieten kommen. Nachhaltige Menschen- und Umweltfreundliche Nahrungsmittelproduktion und Wirtschaft benötigt keine Vernichtung der Regenwälder. Speziell in Österreich und Deutschland könnten regional alle Lebensmittel hergestellt werden, die man braucht. Es liegt nur an Gier und Globalismus, dass diese Produkte um die halbe Welt transportiert werden – und an staatlicher Marktverzerrung, wenn solche Transporte steuerlich begünstigt werden.

Das Rainforest Alliance Logo gilt als das am wenigsten nachhaltige Gütesiegel am Markt. Das bedeutet, dass sich Firmen damit schmücken, die besonders günstig zum „Greenwashing“ kommen wollen. Mit diesem Begriff bezeichnet man einen Vorgang, mit dem globalistische Konzerne sich besonders ökologisch geben, ohne es wirklich zu sein. Die oben erwähnte Geschichte mit den Pestiziden beruht auf folgenden Fakten: Das Gütesiegel soll vor allem menschenwürdige Arbeitsbedingungen zertifizieren. Verschiedene Recherchen haben aber ergeben, dass in vielen Erntegebieten nur Mindestlöhne bezahlt werden, von denen die Menschen nicht leben können und zudem die Arbeiter nicht vor Pestiziden geschützt werden. Diese werden aber nicht von Rainforest Alliance ausgebracht, sondern von den jeweiligen Betrieben – die dann von RA als „unbedenklich“ und „ökologisch“ ausgezeichnet werden.

Viele Menschen haben schon begriffen, dass man Produkte mit Palmöl eher meiden sollte. Diese Überlegung kann man natürlich mit der obenstehenden Argumentation ausweiten.

Von hier stammen die Gerüchte

Die aktuelle Panik dürfte von Videos wie dem hier verlinkten ausgelöst worden sein. Dieses kursiert seit mindestens zwei Wochen auf vielen Kanälen sozialer Medien. Weitere Videos gibt es hier und hier, sie sind interessanterweise allesamt Anfang Juli entstanden, was für eine koordinierte Psyop spricht.

Doch die Story ist älter. Das ist recht leicht nachvollziehbar, denn in diesem Video wird eine Quelle angegeben: Der Twitter-Kanal daniel_gugger.

Screenshot aus dem eher wirren und faktenfreien Video, in dem unzusammenhängende Gerüchte aneinandergereiht wurden.

Begibt man sich auf Twitter, um diesen Kanal zu finden und das ursprüngliche Posting dazu zu lokalisieren, stößt man auf diesen Beitrag vom 25. April. Irgendeine nicht näher bezeichnete Dame, die Hinweisgeberin, habe sogar von „RNA“ in den Produkten gesprochen. Ein etwas dürftiger „Beweis“, irgendwer sagt irgendwas, postet es irgendwohin – und Tausende plappern es als „Wahrheit“ nach?

Der Kanal von Daniel Gugger ist wie folgt ausgezeichnet: 888 Schriftsteller – Satirekanal – lebender selbstdenkender Mensch – Maximum äh Medium oder was ? Klimaschwindel = Ablenkung von Chemtrails Haarp 5G Genspritzen.

Die 888 steht dabei laut Gugger nicht für den kleinen Mann aus Braunau, sondern für Jesus Christus.

Was Gugger hier gemacht hat, ist nicht nur nicht recherchiert oder in irgendeiner Form hinterfragt oder überprüft. Es ist bei kritischer Betrachtung Rufmord gegenüber der NGO Rainforest Alliance und dazu geeignet, dort einen Millionenschaden auszulösen. Weil man mit einer Publikation solche Effekte erzielen kann, setzen wir bei Report24 lieber auf genaue Recherche anstelle irgendwelche Behauptungen nachzuplappern.

Leider ist einem Kollegen, den wir sehr schätzen genau das passiert, was zur Verbreitung der Geschichte sicher stark beigetragen hat. Roger Bittel hat ein Video dazu gemacht und die Erzählung von der Satireseite Daniel Gugger wohl etwas vorschnell übernommen.

Gugger dürfte generell ein Problem mit Fröschen haben oder seine Satire eben so gestalten. So schrieb er wenige Tage vorher, am 6. April (wörtlich und von uns unverändert):

888 Frösche essen Insekten aber nie Menschen. In Frankreich gibt es Kneipen, wo sie Froschbeine essen, finde ich eckelhaft. Sie essen dann Frosch und Insekten zusammen. Darum sagen so wenige was, gegen dieses Insektenfressen

Falsche Beschuldigungen und Verdächtigungen rechtlich problematisch

Die Frosch-Geschichte ist nicht nur dazu geeignet, den Widerstand als Ganzes schwer lächerlich zu machen, sie kann auch zu ernsten juristischen Folgen führen. Hat man Fakten und Beweise, darf man Firmen und NGOs durchaus auch Übeltaten vorwerfen. Ist aber alles frei erfunden und durch nichts belegbar, kann das so richtig teuer werden.

Jemand, der mit der Geschichte nochmal seine 5 Minuten Ruhm erhofft hat, ist der zweifach politisch gescheiterte ehemalige Gesundheitsökonom Gerhard Pöttler, den wir als Person öffentlichen Interesses hier auch namentlich nennen. Dieser behauptete via Telegram, er habe Produkte mit Frosch-Logo in einem Labor testen lassen und es wäre mRNA gefunden worden.

Jeden, der dafür Beweise sehen möchte, sperrt er auf seinen Kanälen sofort. Tragisch ist, dass viele Pöttler noch der Partei MFG zuordnen. Dabei war er es, der die Partei durch strategischen Austritt knapp vor der Präsidentenwahl nahezu im Alleingang vernichtete. Man muss an dieser Stelle die Frage stellen, was Pöttler motiviert und wer hinter ihm steht. Während seiner erfolglosen Kandidatur für die Landtagswahl in Salzburg mit der Kleinpartei WIRS wurde bekannt, dass er mit dem umstrittenen Impfarzt Martin Gollner zusammenarbeitet. Siehe: Weiter Streit zwischen WIRS und MFG: Das sagt Dr. Pöttler zu Impfarzt und Waffen-Vorwürfen. In einer früheren Version seines Postings attackierte Pöttler übrigens die Report24 Redakteure Florian Machl und Edith Brötzner.

Pöttlers Behauptung, irgendwelche Produkte irgendwo überprüfen haben zu lassen ist ohne weitere Informationen oder Unterlagen vollständig wertlos und vermutlich frei erfunden. Nachdem mRNA extrem fragil ist, gibt es keine technische Möglichkeit dafür einen solchen behaupteten Nachweis zu führen. Dazu muss man sich nur daran erinnern, welcher Zauber mit den Impfungen aufgeführt wurde. Dort ist die mRNA, die in Folge in menschliche Zellen eindringt und diese umprogrammiert, in Nanolipiden enthalten.

mRNA ist extrem fragil, schadensanfällig und kurzlebig

Doch auch dort darf keine Erschütterung passieren, schon das Schnippen gegen die Impfstoff-Phiole kann die mRNA zerstören. Deshalb muss bis knapp vor der Verimpfung die Kühlkette unbedingt eingehalten werden. Man geht unter Fachleuten davon aus, dass es darum „so wenige“ Nebenwirkungen gibt, weil in vielen „Impfstoffen“ die mRNA bereits zerstört war. Dass so fragile Stoffe beispielsweise in Keks verbacken sind, ist völlig unmöglich – und auch bei Speiseeis muss man keine Angst haben, auch hier wäre die Kühlung zu gering. Hinzu kommt: Bei der Impfung wird mRNA in den Muskel und in Folge in die Blutbahn gespritzt – wird sie aber über den Magen aufgenommen, kann sie zunächst mit den Magensäften spielen und es gibt keinen Grund zur Vermutung, dass sie auf diesem Weg später ins System gelangt, um Schaden anzurichten.

Wem nutzt die Kampagne gegen die Rainforest Alliance

Wie oben erklärt, ist die RA eines der schwächsten Umweltzertifikate – wenn man unterschiedlichen Tests glauben schenken darf, mit der geringsten Glaubwürdigkeit. Hierzu sei der Vollständigkeit halber angemerkt, dass die Zertifizierungskriterien bei RA immer wieder verschärft wurden und sich die NGO Oxfam eingebracht hat, um die Zustände zu verbessern. Man kann aber davon ausgehen, dass der inszenierte Skandal vor allem dieser NGO schweren Schaden in der Glaubwürdigkeit zufügt. Ähnliche Skandale und Shitstorms der Vergangenheit haben gezeigt, dass man so einen Imageschaden nicht mehr wegbekommt, denn die Menschen wollen an solche Geschichten glauben, ganz egal, was die Wahrheit ist.

Alternativ ist möglich, dass die erste recherchierbare Quelle, der Schweizer Daniel Gugger, mit der Geschichte viele Klicks und Likes auf Twitter sammeln wollte. Tatsächlich wurde seine Story 20.500 Mal angezeigt – und somit deutlich öfter als andere Beiträge auf seinem Kanal. Ob es das letztendlich wert ist, einen massiven Rechtsstreit mit verschiedenen Markeninhabern zu riskieren, die neben der RA ebenso schwer geschädigt wurden, bleibt abzuwarten.

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