VW-Milliardenpakt mit China: Neue Batteriewerke überall – nur nicht in Deutschland

(C) Report24/KI

Deutschland soll auf Elektroautos umsteigen, Milliarden an Steuergeld fließen in die Transformation der Autoindustrie – doch die neue Batterieproduktion entsteht anderswo. Volkswagen vertieft seine Zusammenarbeit mit dem chinesischen Batteriekonzern Gotion High-Tech und steckt gemeinsam Milliarden in neue Projekte in Spanien, der Slowakei und Marokko. Während VW in Deutschland Zehntausende Stellen streichen will, wandert die nächste Runde industrieller Wertschöpfung ins Ausland ab.

Volkswagen, die Batterietochter PowerCo und Gotion High-Tech bauen ihre seit 2020 bestehende Partnerschaft kräftig aus. Drei Gemeinschaftsunternehmen sollen künftig Batteriezellen und Kathodenmaterial für den europäischen Markt produzieren. Die Standorte liegen in Valencia in Spanien, Šurany in der Slowakei und Kenitra in Marokko. In Deutschland, wo Werksschließungen geplant sind, entsteht im Rahmen dieses neuen Pakets kein zusätzlicher Standort.

Die kolportierte Größenordnung zeigt, worum es geht. Laut den veröffentlichten Plänen investieren Gotion und PowerCo zusammen rund 3,22 Milliarden Euro in die drei Projekte. Gotion beteiligt sich mit 49 Prozent an der PowerCo-Fabrik bei Valencia und bringt dafür rund 1,1 Milliarden Euro ein. PowerCo wiederum investiert bis 2030 etwa 470 Millionen Euro für jeweils 49 Prozent an den Projekten in der Slowakei und Marokko. Insgesamt sollen die Batteriezellwerke in Spanien und der Slowakei auf rund 37,5 Gigawattstunden Jahreskapazität kommen.

Europäisch aber nicht deutsch

Valencia soll zum europäischen Zentrum für sogenannte LFP-Batterien werden. Gerade diese günstigeren Lithium-Eisenphosphat-Zellen dürften für bezahlbare Elektroautos immer wichtiger werden. Volkswagen selbst rechnet damit, dass ihr Anteil am europäischen Batteriemarkt bis 2030 von derzeit rund zehn Prozent auf 40 bis 60 Prozent steigen könnte. Die Technologie, auf die VW bei seinen künftigen günstigeren Stromern setzt, wird damit gemeinsam mit einem chinesischen Batteriehersteller realisiert.

VW-Technikvorstand Thomas Schmall spricht davon, mit Gotion die „europäische Batterieindustrie“ zu stärken. Für Deutschland fällt die Bilanz bei den drei neuen Projekten ernüchternd aus: Spanien erhält eine Batteriezellenproduktion und mehr als 1.500 direkte Arbeitsplätze allein in der ersten Ausbaustufe des Werks bei Valencia, die Slowakei erhält eine weitere Zellfabrik, Marokko die Produktion des Kathodenmaterials. Der deutsche Stammsitz des Konzerns bekommt aus dieser Milliardenrunde keinen neuen Produktionsstandort.

VW produziert bereits Batteriezellen in Salzgitter. Dort nahm PowerCo Ende 2025 die eigene Gigafabrik in Betrieb, die zunächst bis zu 20 Gigawattstunden und später bis zu 40 Gigawattstunden Jahreskapazität erreichen soll. Salzgitter bleibt damit ein wichtiger deutscher Batteriestandort. Doch die nächste große Ausbauwelle mit Gotion führt nach Spanien, in die Slowakei und nach Marokko – und damit am teuren Standort Deutschland vorbei.

Stellenabbau statt Investitionen

Während die Batterie-Milliarden ins Ausland fließen, wird in Deutschland gestrichen. Anfang September billigte der Aufsichtsrat ein Programm mit weiteren 50.000 Stellenstreichungen weltweit. Rund 25.000 davon sollen Deutschland treffen. Schon die Vereinbarung von 2024 sah hierzulande den Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen vor. Für die Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm laufen Planungen, nach denen dort im kommenden Jahrzehnt Modelle auslaufen und neue Nutzungskonzepte gefunden werden müssen.

Gleichzeitig wächst der chinesische Einfluss auf Volkswagens Elektrostrategie. Gotion ist seit Jahren Batteriepartner und strategischer Beteiligungskonzern von VW. Volkswagen verkauft nun zwar 5,3 Prozent seiner Gotion-Anteile, bleibt aber bedeutender Investor und behält seine Vertretung im Verwaltungsrat. Der Schritt weg von einer reinen Kapitalbeteiligung hin zu gemeinsam betriebenen Fabriken macht die Bindung industriell sogar enger.

An China führt kein Weg vorbei

Auch andernorts kommt VW bei seiner Elektrostrategie kaum noch an China vorbei. Chinesische Hersteller setzen den Konzern auf seinem einst wichtigsten Wachstumsmarkt massiv unter Druck, während Volkswagen selbst Technologien und Partnerschaften aus China nutzt, um gegenzuhalten. Für neue Modelle arbeitet der Konzern unter anderem mit Xpeng zusammen, Batterien kommen auch von CATL. Die deutsche Autoindustrie sollte mit der politisch forcierten Elektromobilität in eine neue technologische Zukunft geführt werden. Tatsächlich landet ein wachsender Teil dieser Zukunft bei chinesischen Partnern oder in Werken außerhalb Deutschlands.

Für Berlin und Brüssel ist das Ergebnis ihrer Elektro-Industriepolitik ernüchternd. Jahrelang wurde die Elektromobilität mit Verboten, Flottengrenzwerten und Milliardenförderungen durchgedrückt. Nun streicht Deutschlands größter Autobauer im eigenen Land Zehntausende Stellen, während neue Batterie-Milliarden nach Spanien, in die Slowakei und nach Marokko fließen – gemeinsam mit einem chinesischen Partner. Das VW-Logo bleibt wohl mit Deutschland verbunden. Ein wachsender Teil der dazugehörigen Wertschöpfung entsteht anderswo.

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