Gegensanktionen – erst Rosneft, jetzt Metro: Wirtschaftskrieg zwischen Berlin und Moskau eskaliert

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Berlin nahm dem russischen Ölkonzern Rosneft bereits 2022 die Kontrolle über seine deutschen Töchter. Vier Jahre später greift Moskau bei Metro zu: Wladimir Putin hat das Russlandgeschäft des Düsseldorfer Großhändlers unter vorübergehende Zwangsverwaltung gestellt. Der Konzern bleibt Eigentümer, bestimmen darf er über seine 91 russischen Großhandelsmärkte vorerst nicht mehr. Aus Sanktionen und Gegensanktionen ist längst ein Wirtschaftskrieg geworden, bei dem beide Seiten direkt nach Unternehmenswerten und Kontrolle greifen.

Putins Dekret trat am 28. September in Kraft. Die russischen Metro-Gesellschaften wurden der Verwaltung von UK Torg RUS übertragen, einer erst Anfang September gegründeten Firma. Hinter ihr steht Johannes Tholey, der Chef des Russlandgeschäfts von Metro. Der Düsseldorfer Mutterkonzern bestätigte den entscheidenden Punkt: Die Metro AG hat die operative Kontrolle über ihre russische Tochter verloren. Die 91 Großhandelsmärkte mit rund 9.000 Beschäftigten sollen weiterarbeiten. Einen Grund für den Zugriff nennt das Dekret laut Reuters nicht. Metro hatte Russland nach Beginn des Ukraine-Krieges anders als zahlreiche andere westliche Unternehmen nicht verlassen und sich dabei unter anderem auf seine Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Kunden berufen. Geholfen hat es dem Konzern am Ende wenig.

Für Metro ist Russland kein unbedeutender Außenposten. Der Konzern machte dort weiterhin Milliardenumsätze und hielt trotz des politischen Drucks an seinem Geschäft fest. Nun läuft dieses Geschäft zwar weiter, doch die Entscheidungen fallen nicht mehr in Düsseldorf. Moskau musste Metro weder zum Verkauf zwingen noch die Eigentumsverhältnisse vollständig ändern. Der Entzug der operativen Kontrolle genügt.

Deutschland hat es schon längst vorgemacht

Auf deutscher Seite kennt man dieses Instrument längst. Am 16. September 2022 stellte die Bundesregierung Rosneft Deutschland und RN Refining & Marketing unter die Treuhandverwaltung der Bundesnetzagentur. Damit gingen die Stimmrechte der russischen Eigentümer auf die Behörde über. Betroffen waren auch die Beteiligungen an den Raffinerien PCK Schwedt, MiRO in Karlsruhe und Bayernoil in Bayern. Rosneft Deutschland stand damals für einen beträchtlichen Teil der deutschen Erdölverarbeitung. Berlin begründete den Eingriff mit der Sicherung der Energieversorgung.

Die zunächst befristete Maßnahme wurde immer wieder verlängert. Ende Februar 2026 stellte die Bundesregierung die deutschen Rosneft-Töchter schließlich auf einer neuen Grundlage im Außenwirtschaftsgesetz unter Treuhandverwaltung. Die Bundesnetzagentur behält damit die Kontrolle über Rosneft Deutschland und die Raffineriebeteiligungen. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums entfallen derzeit rund 13 Prozent der deutschen Erdölverarbeitungskapazität auf das Unternehmen. Die Stimmrechte der Gesellschafter sind ausgeschlossen, ihre Verfügungs- und Verwaltungsbefugnisse beschränkt.

Berlin beruft sich auf Versorgungssicherheit und Sanktionen, Moskau auf seine Regeln für Unternehmen aus sogenannten „unfreundlichen Staaten“. Für die betroffenen Eigentümer läuft es auf dasselbe Kernproblem hinaus: Sie besitzen ihre Unternehmen oder Beteiligungen weiterhin, verlieren aber die Macht darüber. Rosneft kann über seine deutschen Töchter nicht frei verfügen. Metro hat in Russland nun ebenfalls nichts mehr zu bestimmen.

Eine Eskalation folgt der nächsten

Der Wirtschaftskrieg reicht allerdings weit über einzelne Unternehmen hinaus. Rund 210 Milliarden Euro an Vermögenswerten der russischen Zentralbank sind nach Angaben des Rates der Europäischen Union innerhalb der EU immobilisiert. Seit 2024 werden die daraus entstehenden außerordentlichen Erträge für die Unterstützung der Ukraine verwendet. Auf russischer Seite wiederum wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche westliche Vermögenswerte unter staatliche oder staatlich angeordnete Verwaltung gestellt. Metro ist der jüngste prominente deutsche Fall.

Die Front verläuft damit längst mitten durch Konzernbilanzen, Raffinerien, Handelsketten und Milliardenvermögen. Berlin hält Rosneft unter staatlicher Kontrolle, Moskau greift bei westlichen Unternehmen zu. Für Firmen auf beiden Seiten wird das eigene Eigentum damit zunehmend davon abhängig, wie sich die politischen Beziehungen entwickeln. Metro blieb vier Jahre lang in Russland, während andere westliche Konzerne ihre Geschäfte verkauften oder das Land verließen. Nun gehören die 91 Großhandelsmärkte dem Konzern zwar immer noch – nur das Sagen hat Düsseldorf nicht mehr.

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